Die christliche Lehre der Trinität im Koran
Markus 12, 28
Und
es trat zu ihm einer von den Schriftgelehrten, der ihnen zugehört hatte,
wie sie miteinander stritten. Und als er sah,
daß
er ihnen gut geantwortet hatte, fragte er ihn: Welches ist das höchste
Gebot von allen? 29 Jesus aber antwortete ihm: Das höchste Gebot
ist das: »Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein, 30 und
du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer
Seele, von ganzem Gemüt und von allen deinen Kräften«
1. Korinther, 8,
5 Und
obwohl es solche gibt, die Götter genannt werden, es sei im Himmel oder
auf Erden, wie es ja viele Götter und viele Herren gibt,
6 so
haben wir doch nur einen Gott, den Vater, von dem alle Dinge sind und wir
zu ihm; und einen Herrn, Jesus Christus, durch den alle Dinge sind und wir
durch ihn.
(Texte aus der Lutherbibel)
1. Definition
"Dreifaltigkeit, Dreieinigkeit oder
Trinität bezeichnet in der christlichen Theologie die Einheit der drei
Personen des göttlichen Wesens:
-
Gott "Vater"
-
Gott "Sohn"
-
Gott "Heiliger Geist"
Die Dreieinigkeitslehre
wird von fast allen Christengemeinschaften vertreten … Die bei der
Definition der Dreieinigkeit Gottes verwendeten Begriffe kommen in der
Bibel nicht vor."
(http://de:wikipedia.org/wiki/Dreifaltigkeit)
Auf dieser Internetseite finden sich als
Erklärungsmodelle für das Konzept der Trinität auch Grafiken, wie zum
Beispiel:

Es ist hier nicht möglich, das
umfangreiche Thema des christlichen Dogmas der Trinität vollständig
darzustellen. Hingegen können einige Fakten angegeben werden:
1.
Die Lehre der Trinität ist ein
kirchliches Dogma, das erstmals beim Konzil von Nicäa im Jahre
325 erlassen wurde und ein zweites Mal beim Konzil von Konstantinopel im
Jahre 381 in veränderter Form definitiv verabschiedet wurde. Es war schon
zu jener Zeit Gegenstand heftiger Auseinandersetzungen und ist bis heute
innerhalb der Kirche ein umstrittenes Thema geblieben. Es ist nicht die
einzig mögliche Beschreibung der Beziehung zwischen Gott, Jesus und dem
„Heiligen Geist“ und sicher nicht die einzig legitime. Aber wie es Dogmen
an sich haben, verhindern sie eine fortlaufende Suche und allfällig nötige
Neufassungen von Glaubensinhalten.
2.
Die Bibel (sowohl das AT als auch das NT) bekennt einen reinen
Monotheismus. Dies kommt (nebst unzähligen weiteren Stellen) auch in den
beiden oben zitierten Bibelstellen und im wichtigsten Gebet der
Christenheit, dem "Vaterunser" zum Ausdruck:
"Unser Vater, der Du bist im Himmel …"
3.
Dreifaltigkeit wird in der Bibel nicht direkt definiert. Hingegen
stehen im NT eine Person, nämlich Jesus, und ein Konzept, nämlich der
Heilige Geist in direktem Zusammenhang mit dem einen Schöpfergott. Wenn
nun, wie dies die christliche Lehre tut, von einem lebendigen Gott
ausgegangen wird, der sich um seine Schöpfung kümmert und sich den
Menschen zuwendet, dann muß es ein Medium geben, dessen sich dieser Gott
bedient um in der Welt erfahrbar zu sein. Dieses Medium wäre demnach der
Heilige Geist. Wenn ferner davon ausgegangen wird, daß Jesus vollständiges
Gottesbewusstsein besaß:
Johannes 10, 30 Ich
und der Vater sind eins.
Johannes 14, 11
Glaubt mir, daß ich im Vater bin und der Vater in mir ...
dann muß auch eine Abhängigkeit zwischen ihm und
dem Schöpfergott bestehen. Die Beziehung zwischen diesen drei Größen (oder
Teilen / Parteien / Personen) war also zweifelsohne ein Thema, um welches
sich die christliche Theologie zu kümmern hatte, denn es entstanden im
frühen Christentum bald eine Unzahl verschiedenster Sekten mit sich
konkurrenzierenden Lehrmeinungen.
4.
Eine dieser Theorien, der
►
Doketismus besagt z.B. daß Jesus nur scheinbar einen physischen
Körper gehabt habe. Der
►
Arianismus erkennt zwar
ebenfalls drei Personen in Gott, spricht aber der zweiten und dritten
Partei die Wesensgleichheit mit dem Vater und damit wahre Gottheit ab.
Ferner sollen (was in der Darstellung der
Trinität im Koran wieder aufgegriffen wird) im arabischen Raum jener Zeit
zwei kleine Sekten gewirkt haben (über die allerdings nur wenig und
ungesichertes bekannt ist und von denen nicht einmal feststeht, ob sie zur
Zeit Mohammeds noch existierten):
►
Collyridianismus, welcher Maria zu einer Göttin erklärte und damit
die Trinität in Gott, Jesus und Maria sah. Ob diese Sekte die Vergottung
Marias aus einer hohen Verehrung Marias als "Mutter Gottes" ableitete oder
ihre Trinität aus dem griechischen / babylonischen Götterhimmel entlehnte
ist unbekannt.
Auch die Sekte der
►
Mariamiten verehrte Gott, Jesus
und Maria als drei verschiedene Götter. Sie entlehnte ihren Begriff von
Trinität womöglich aus der ägyptischen Götterwelt mit Osiris als Gott, Isis als
Göttin und Horus als deren leiblichen Sohn.
George Sale schreibt in der
Vorbesprechung zu seiner Koransübersetzung über die große
Vielgestaltigkeit der Glaubensformen in Arabien jener Zeit folgendes:
„Über
das spezifische Land, auf welches wir uns beziehen, sei gesagt, daß
Arabien seit Urzeiten bekannt war für seine Ketzereien. Dies kann zum Teil
damit in Zusammenhang gebracht werden, daß den verschiedenen Stämmen stets
ein gewisses Maß an Freiheit und Unabhängigkeit zugesprochen wurde. Manche
der Christen dieses Landes glaubten, daß die Seele zusammen mit dem Körper
sterben und gleichfalls wieder am letzten Tage zusammen auferstehen würde.
Es wird gesagt, daß Origen diesen Glauben vertreten habe. Unter den
Arabern waren es die Häresien von Ebion, Beryllus und die der Nazarener
sowie der Collyridianer welche vertreten oder doch zumindest im Gange
waren, Verbreitung zu finden. Letztere führten die Jungfrau Maria als Gott
ein oder verehrten sie jedenfalls als solchen indem sie ihr eine Art
gedrehtes Gebäck (wie ein Zopf?) darreichten, das Collyris genannt wurde
und somit dieser Sekte ihren Namen verlieh. Diese angenommene Göttlichkeit
der Jungfrau Maria war auch bei manchen Vertretern des Konzils zu Nicäa
populär; sie postulierten, daß zwei Gottwesen neben dem Vater bestünden,
nämlich Christus und die Jungfrau Maria. Sie wurden in der Folge die
Mariamiten genannt.
(George Sale, The Koran, IX
Edition of 1923, J B Lippincott Company, London, Seite 25)
5.
Die christliche Lehre der Trinität beinhaltet
nicht den Glauben an drei Götter,
sondern an einen Gott, der sich
in drei gleichwertigen Wesenseinheiten (Aspekten) manifestiert. Sie wurde
im
►
Athanasium,
einem Glaubensbekenntnis, ausformuliert.
2. Trinität im Koran
Bezüglich der christlichen
Trinitätslehre (Dreifaltigkeit) bzw. der vom christlichen Dogma
vertretenen Gottessohnschaft offenbart Allah folgende Verse, in welchen er
gebietet, daß
"Ihm keine Gefährten"
zur Seite gesetzt werden
sollen, wie dies das in Sekten aufgesplitterte Christentum tue:
Sure 2, Vers 116:
Und sie sprechen: "Allah hat einen Sohn gezeugt." Preis ihm! Nein; was
in den Himmeln und auf Erden, alles gehorcht ihm.
Sure 30, Vers 31:
Bekehrt euch zu Ihm und fürchtet Ihn und verrichtet das Gebet und setzet
Ihm keine Gefährten zur Seite,
Sure 30, Vers 32:
wie jene, die ihren Glauben spalteten und in Sekten zerfielen, von denen
sich jede Partei ihrer eigenen Meinung erfreut.
Sure 19, Vers 88:
Und sie sprechen: "Gezeugt hat der Erbarmer einen Sohn"
Sure 19, Vers 89:
Wahrlich ihr behauptet ein ungeheuerliches Ding.
Sure 19, Vers 90:
Fast möchten die Himmel darob zerreißen, und die Erde möchte sich
spalten, und es möchten die Berge stürzen in Trümmer,
Sure 19, Vers 91:
Daß sie dem Erbarmer einen Sohn beilegen,
Sure 19, Vers 92:
Dem es nicht geziemt, einen Sohn zu zeugen.
Hier wird festgestellt, daß das
Konzept der Gottessohnschaft
"ein ungeheuerliches Ding"
ist. Es ist so ungeheuerlich,
daß sich rechtgläubige Muslime veranlaßt sehen könnten, sich beim bloßen
Gedanken daran das Leben zu nehmen:
Sure 18, Vers 4:
Und um jene zu warnen, die da sprechen, Allah habe
einen Sohn gezeugt.
Sure 18, Vers 5:
Wovon weder ihnen noch ihren Vätern Wissen ward. Ein schlimmes Wort, das
aus ihrem Munde kommt! Sie sprechen nichts als Lüge.
Sure 18, Vers 6:
Vielleicht nimmst du dir auf ihren Spuren, so sie dieser neuen
Offenbarung nicht glauben, das Leben aus Gram.
Nicht nachzuvollziehen, ja
widersinnig sei die Vorstellung der Christen, daß Gott sich ein Kind
zugelegt haben soll deshalb, weil sich der Allmächtige sicher (wie die
oben erwähnten Verse schon andeuten) keine Gefährtin zu nehmen braucht,
wenn Er einen Sohn erschaffen will:
Sure 72, Vers 3:
Denn Er - erhöht sei die Herrlichkeit unseres Herrn! - hat sich keine
Genossin genommen und keinen Sohn.
und:
Sure 6, Vers 101:
Der Schöpfer der Himmel und der Erde, woher sollte Er ein Kind haben, wo
Er keine Gefährtin hat? Und erschaffen hat Er jedes Ding, und Er kennt
jedes Ding.
Die Ablehnung der Trinität
beruht hier also auf einer
biologischen Argumentation:
Allah zeugt kein
Kind, weil Er, der Einzige und
Unteilbare, keine Gefährtin haben kann. Dabei ist zu beachten, daß die
Christen Maria als „Mutter Gottes“ bezeichnen und Gott als „Vater“
ansprechen. Um Jesus, den „Sohn“ hervorbringen zu können müßte,
entsprechend dieser biologischen Argumentation, ein himmlischer
Zeugungsakt vorausgegangen sein. Der Koran reflektiert offensichtlich die
Ideenwelt der christlichen Sekten im historischen Umfeld Mohammeds und
interpretiert
das Dogma der Trinität als Trias
von gleichgestellten Göttern.
Er verkennt die christliche
Vorstellung von Dreifaltigkeit, die sie als Zusammenwirken von drei
zueinander in Beziehung stehenden Elementen des göttlichen Wirkens
interpretiert.
Folgerichtig verdeutlicht der
Allmächtige, weshalb Er die Unterstellung einer
Zeugungstätigkeit ablehnt: Diese Sichtweise beinhaltet nicht nur eine
ungerechtfertigte Einschränkung Seiner allumfassenden Möglichkeiten. Er
bedarf insbesondere keiner gegengeschlechtlichen Hilfe, wenn Er etwas
erschaffen will:
Sure 39, Vers 4:
Hätte Allah einen Sohn haben wollen, wahrlich, erwählt hätte er sich von
dem, was Er erschaffen, was Er will. Preis Ihm, Er ist Allah, der Einige,
der Allmächtige.
Sure 4, Vers 171:
O Volk der Schrift, überschreitet nicht euren Glauben und sprechet von
Allah nur die Wahrheit. Der Messias Jesus, der Sohn der Maria, ist der
Gesandte Allahs und Sein Wort, das Er in Maria legte, und Geist von Ihm.
So glaubet an Allah und Seinen Gesandten und sprechet nicht:
"Drei".
Stehet ab davon, gut ist's euch. Allah ist nur ein einiger Gott; Preis
Ihm, daß Ihm sein sollte ein Sohn! Sein ist, was in den Himmeln und was
auf Erden, und Allah genügt als Beschützer.
Vers 171 aus Sure 4 beinhaltet zwei
wichtige Hinweise:
1.
Wir finden hier die koranische Version der Zeugung Jesu:
„Der
Messias Jesus, der Sohn der Maria, ist der Gesandte Allahs und Sein Wort,
das Er in Maria legte...“
Jesus wurde nicht von einem
Menschen gezeugt; vielmehr bewirkte Allah durch Seinen Willen (Sein
Wort) die Schwangerschaft
Marias. Die vollständige Begebenheit ist in Sure 19, Verse 17 bis 22
beschrieben. Allah informierte Maria über die ihr zuteilwerdende Gnade
durch Seinen Engel Gabriel:
Sure 19, Vers 17: Und sie sich vor ihnen verschleierte, da sandten Wir unseren
Geist. und er erschien ihr als vollkommener Mann.
Sure 19, Vers 18: Sie sprach: „Siehe, ich nehme meine Zuflucht vor dir zum Erbarmer,
so du Ihn fürchtest.“
Sure 19, Vers 19: Er sprach: „Ich bin nur der Gesandte deines Herrn, um dir einen
reinen Knaben zu bescheren.“
Sure 19, Vers 20: Sie Sprach: „Woher soll mir ein Knabe werden, wo mich kein Mann
berührt hat und ich keine Dirne bin?“
Sure 19: Vers 21: Er sprach: „Also sei’s! Gesprochen hat dein Herr: „Das ist Mir ein
Leichtes“; und wir wollen ihn zu einem Zeichen für die Menschen machen und
einer Barmherzigkeit von Uns. Und dies ist eine beschlossene Sache.“
Sure 19, Vers 22: Und so empfing sie ihn und zog sich mit ihm an einen entlegenen
Ort zurück.
Diese Verse sind auch eine Bestätigung
des obenstehenden Verses 4 aus Sure 39. Der Koran stellt sehr deutlich
fest, daß Allah mit der von Ihm bewirkten Schwangerschaft Marias der Welt
lediglich „einen
reinen Knaben“ bescheren wollte
und daß der islamische Isa nicht Sein leiblicher Sohn ist.
Damit teilt der Koran den
christlichen Glauben an Jesus’ Zeugung ohne einen biologischen
Vater als Wunder Gottes und Zeichen Seiner Macht.
2.
Allah hat Jesus offenbar mit
göttlicher Weisheit und göttlichem Wissen gesegnet:
„ ...
und Geist von Ihm.“
Auch an weiteren Stellen weist der
Koran darauf hin, daß Allah Jesus „die
deutlichen Zeichen“ gab
und ihn
„mit dem Heiligen Geist“
stärkte. (Vergleiche dazu das
folgende Kapitel:)
Zurück
zur koranischen Kritik
am Dogma der Trinität; sie findet sich in weiteren Versen:
Sure 3, Vers 64: Sprich: „ O Volk der Schrift, kommt herbei zu einem gleichen Wort
zwischen uns, daß wir nämlich Allah allein dienen und nichts neben Ihn
stellen und daß nicht die einen von uns die anderen zu Herren annehmen
neben Allah.“ ...
Sure 5, Vers 72:
Wahrlich, ungläubig sind, welche sprechen: "Siehe, Allah, das ist der
Messias, der Sohn der Maria." Und es sprach doch der Messias: "O ihr
Kinder Israel, dienet Allah meinem Herrn und eurem Herrn." Siehe, wer
Allah Götter an die Seite stellt, dem hat Allah das Paradies verwehrt, und
seine Behausung ist das Feuer; und die Ungerechten finden keine Helfer.
Sure 5, Vers 73:
Wahrlich, ungläubig sind, die da sprechen: "Siehe, Allah ist ein dritter
von drei." Aber es gibt keinen Gott denn einen einigen Gott. Und so sie
nicht ablassen von ihren Worten, wahrlich, so wird den Ungläubigen unter
ihnen schmerzliche Strafe.
Sure 5, Vers 74:
Wollen sie denn nicht umkehren zu Allah und Ihn um Verzeihung bitten? Und
Allah ist verzeihend und barmherzig.
Sure 5, Vers 75:
Nicht ist der Messias, der Sohn der Maria, etwas anderes als ein
Gesandter; vorausgingen ihm Gesandte, und seine Mutter war aufrichtig.
Beide aßen Speise. Schau, wie Wir ihnen die Zeichen deutlich erklären!
Alsdann schau, wie sie sich abwenden.
Sure 5, Vers 76:
Sprich: "Wollt ihr anbeten neben Allah, was euch weder schaden noch nützen
kann?" Und Allah, Er ist der Hörende, der Wissende.
Sure 5, Vers 77:
Sprich: "O Volk der Schrift, übertretet nicht in eurem Glauben die
Wahrheit und folget nicht den Gelüsten von Leuten, die bereits zuvor
abgeirrt sind und viele irregeführt haben und abirrten von dem ebenen
Weg."
Aus allen
hier erwähnten Versen geht allerdings klar hervor, daß die koranische
Botschaft jegliche
"Beigesellung"
ablehnt, wie auch immer sie
ausformuliert sein mag.
3. Der „Heilige Geist“ ist im Koran nicht der dritte Teil der Trinität
In keinem der bisher zitierten Verse
wird der "Heilige Geist" als dritte Größe der ungerechtfertigten
„Beigesellung“ aufgeführt. Dies belegt, daß er im Koran nicht als dritter
Teil der Lehre der Trinität erkannt wird. Der „Heilige Geist“ wird
zusätzlich zum oben zitierten Vers 171 aus Sure 4 noch in zwei weiteren,
von der koranischen Polemik gegen die „Beigesellung“ unabhängigen Versen
erwähnt. Im ersten beschuldigt Allah die Juden für ihre Ablehnung und
Ermordung von Propheten:
Sure 2, Vers 87:
Und dem Moses gaben Wir die Schrift und ließen ihm Gesandte nachfolgen;
und Wir gaben Jesus, dem Sohn der Maria, die deutlichen Zeichen und
stärkten ihn mit dem Heiligen Geist. Sooft euch aber ein Gesandter
brachte, was euch nicht gefiel, wurdet ihr da nicht hoffärtig und ziehet
einen Teil der Lüge und erschlugt andere?
Sure 2, Vers 253:
Jene Gesandten - die einen bevorzugten wir vor den anderen; zu einigen von
ihnen sprach Allah und erhöhte andere um Stufen. Und wir gaben Jesus, dem
Sohn der Maria, die deutlichen Zeichen und stärkten ihn mit dem Heiligen
Geist, und so Allah wollte, so hätten die Späteren nicht gestritten,
nachdem zu ihnen die deutlichen Zeichen kamen; aber sie waren uneins und
die einen von ihnen glaubten und die anderen waren ungläubig. Und so Allah
wollte, hätten sie nicht gestritten, jedoch tut Allah, was Er will.
4. Maria als Göttin
Laut Koran sind die drei Götter, die
von den Christen angeblich angebetet werden, also neben Allah Jesus
und - entsprechend der biologischen Argumentation seiner Zeugung - Maria.
Der Kontakt Mohammeds mit
verschiedenen christlichen Sekten hat im Koran seinen Niederschlag
gefunden wie zum Beispiel im bereits zitierten Vers 32 aus Sure 30:
"wie
jene, die ihren Glauben spalteten und in Sekten zerfielen, von denen sich
jede Partei ihrer eigenen Meinung erfreut."
Ob nun
-
deren Gottsetzung Marias mit
entsprechender Anbetung,
-
die teils hohe
Marienverehrung anderer Sekten oder
-
das biologische Verständnis
der Zeugung Jesu
folgendem
Vers zugrunde liegen, kann nicht abschließend eruiert werden:
Sure 5, Vers 116:
Und wenn Allah sprechen wird: "O Jesus, Sohn der Maria, hast du zu den
Menschen gesprochen: "Nehmet mich und meine Mutter als zwei Götter neben
Allah an?" Dann wird er sprechen: "Preis sei Dir! Es steht mir nicht zu,
etwas zu sprechen, was nicht wahr ist. Hätte ich es gesprochen, dann
wüßtest Du es. Du weißt, was in meiner Seele ist, ich aber weiß nicht, was
in Deiner Seele ist. Siehe, Du bist der Wisser der Geheimnisse."
Hier wird behauptet, daß Allah
Jesus (anläßlich des Jüngsten
Gerichts?) zur Version der Trinität als Trias von Gott, Maria und Jesus
befragen wird, und dieser in Abrede stellen wird, diese selbst postuliert
zu haben.
Diese göttliche Befragung von
Jesus:
„Und wenn Allah sprechen wird“
die der Allmächtige Seinem
Propheten Mohammed
im genauen Wortlaut
schon
in
medinensischer Zeit offenbart, kann aus drei Gründen nicht
göttlichen Ursprungs sein:
1.
Eine herausragende Eigenschaft Allahs ist Allwissenheit. In diesem Vers
unterstellt Er sich allerdings selber Unwissenheit, sonst würde Er nicht
Jesus befragen.
2.
Das islamische Dogma stattet alle Propheten, nicht nur Mohammed, mit
absoluter Sündenlosigkeit aus. Es ist also völlig undenkbar, daß der
islamische Jesus „Isa“ die Absurdität seiner eigenen Beigesellung
behauptet haben könnte (und dies zudem noch in einer falschen Version).
Isa hätte damit die schlimmste aller
möglichen Sünden - die der
„Beigesellung“ - auf sich geladen.
3.
Nicht nur die im vorliegenden Vers erwähnte Sichtweise der Trinität als
Trias von Gott, Maria und
Jesus ist nicht gemäß der christlichen Lehre, sondern auch Jesus’
Behauptung seiner eigenen Gottsetzung. Allah müßte das wissen, weshalb
sich dieses göttliche Verhör eigentlich erübrigt ...
Vers 116 aus Sure 5 ist gleichsam
dreifach unlogisch.
Zum Thema "Beigesellung" erläutert R.
Paret:
"… Daß
er die christliche Trinitätslehre nicht auf Gott Vater, Sohn und Heiligen
Geist, sondern auf Gott, Jesus und Maria bezogen hat, ... jedenfalls
brachte er über das Leben und Wirken von Jesus herzlich wenig in
Erfahrung."
(R. Paret, Mohammed und der
Koran, Seite 15, Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart, 1980) Wir finden auch in
diesem Kommentar die von Islamwissenschaftern oft vorgenommene
Interpretation der Botschaften Allahs als Aussagen des Menschen Mohammed.
Darauf wurde schon hingewiesen.
►
III
„Heiliger Krieg“
In diesem Fall ist es allerdings zwingend, die Aussagen im Koran Mohammed
zuzuschreiben und nicht Allah.
Ein weiterer, im Koran
aufgeführter Beweis dafür, daß weder Jesus noch Maria Götter sein können,
erscheint auf den ersten Blick einleuchtend:
"Beide aßen Speise."
Sure 5, Vers 75:
Nicht ist der Messias, der Sohn der Maria, etwas anderes als ein
Gesandter; vorausgingen ihm Gesandte, und seine Mutter war aufrichtig.
Beide aßen Speise. Schau, wie Wir ihnen die Zeichen deutlich erklären!
Alsdann schau, wie sie sich abwenden.
Götter essen also nicht. Diese
Tatsache wird als deutliches Zeichen gewertet. Allerdings ist auch diese
offenbarte Beweisführung ein logisches Unding: Allah sollte es doch nicht
nötig haben,
Seine Einheit
und
Seine Einzigkeit
►
Tauhid
in
Seinem eigenen Buch, dem Koran damit zu beweisen, daß der
Prophet Jesus und dessen Mutter deshalb nicht Götter sein können, weil sie
gegessen haben!
Nachdem sich Allah also - gemäß
Darstellung im Koran - mit Hilfe der Befragung von Jesus darüber
vergewissert hat, daß nicht dieser die Mähr (seiner eigenen) Beigesellung
in die Welt gesetzt hat, bleiben für deren Inkraftsetzung nur noch die
Christen selber übrig.
Deshalb wird
der Vorwurf der Gottsetzung von
Maria und Jesus im Koran nicht
gegen Jesus erhoben,
sondern gegen die Christen, welche sich damit
der schlimmsten aller
möglichen Sünden
schuldig machen.
Alles kann Allah in
Seiner Huld vergeben, nur das nicht. Der folgende Vers findet sich sogar
zwei Mal im Koran:
Sure 4, Vers 48:
Siehe, Allah vergibt nicht, daß man Ihm Götter beigesellt; doch verzeiht
Er, was außer diesem ist, wem Er will. Und wer Allah Götter beigesellt,
der hat eine gewaltige Sünde ersonnen.
Sure 4, Vers 116:
Siehe, Allah vergibt es nicht, daß Ihm Götter zur Seite gesetzt werden,
doch vergibt er alles außer diesem, wem Er will. Wer Allah Götter zur
Seite setzt, der ist weit abgeirrt.
In einem nächsten Vers wendet
sich Allah gegen die Christen und Juden, weil sie Ihm nicht nur Jesus und
Maria, sondern auch noch Mönche bzw. Rabbiner
"zur Seite setzen".
Dieser Vorwurf muß seinen Grund darin haben, daß die christlichen
Gemeinschaften zur Zeit Mohammeds auch Heilige hoch verehrten, was
offenbar den Eindruck erweckte, daß diese zu Göttern gemacht wurden. Damit
werden die Christen und Juden zu eigentlichen Polytheisten erklärt, was
das Verwerflichste ist, zu dem sich Menschen hinreißen lassen können.
Gleichzeitig versichert der Allmächtige, daß solcherlei unsinniges Tun Ihn
nicht erreichen kann:
Sure 9, Vers 31:
Sie nehmen ihre Rabbiner und Mönche neben Allah und dem Messias, dem Sohn
der Maria, zu Herren an, wo ihnen doch allein geboten ward, einem einzigen
Gott zu dienen, außer dem es keinen Gott gibt. Preis Ihm, Er steht hoch
über dem, was sie neben Ihn setzen.
5. Jesus als Diener Allahs
Daß der Koran die Trinität
falsch versteht, belegt auch Vers 172 aus Sure 4:
Sure 4, Vers 172:
Nimmer ist der Messias zu stolz, ein Diener Allahs zu sein, und nicht auch
die nahe stehenden Engel. Und wer zu stolz ist, Ihm zu dienen und voll
Hoffart ist, versammeln wird Er sie zu sich insgesamt.
Der Satz
"Nimmer ist der Messias zu stolz, ein Diener Allahs zu sein"
ist ein zusätzlicher Hinweis auf
die von der koranischen Botschaft vertretene Meinung, daß Jesus durch das
Konzept der Gottessohnschaft von den "Schriftbesitzern" zu einem
eigenständigen Gott gemacht
wird und damit zu Allah selbst in Konkurrenz tritt. Deshalb weist Er hier
darauf hin, daß Jesus
mitnichten zu stolz sei, ein Diener Gottes zu sein. Nirgends in den
Evangelien wird das Gegenteil behauptet, vielmehr wird dort berichtet, daß
Jesus in die Welt gekommen sei, um die Menschen zu Gott hinzuführen.
Im folgenden Vers versichert
Mohammed, daß die (im Koran selbst vorgenommene) Gottsetzung Jesu nichtig
ist, denn sonst würde er diesem hypothetischen Gott dienen:
Sure 43, Vers 81:
Sprich: "Wenn der Erbarmer einen Sohn hätte, so wäre ich der erste, ihm zu
dienen.“
6.
Textanalyse / Zusammenfassung
Mohammed hat rund 300 Jahre nach
der Inkraftsetzung
des christlichen Dogmas der Trinität gewirkt. Es war in jener Zeit den
großen christlichen Kirchen allgemein bekannt und verbindlich. Trotzdem
wird es im Koran nicht sachgerecht reflektiert:
1.
Christen werden als Tri- (oder sogar Polytheisten) angesehen.
2.
Der „Heilige Geist“ wird zwar erwähnt, aber nicht als Teil der Trinität
erkannt. Vielmehr wird entsprechend dem Vers:
"Siehe, Allah ist ein dritter von drei."
an die dritte Stelle Maria
gesetzt.
3.
Ob die im Koran vorgenommene
Gottsetzung Marias die Sichtweise der erwähnten Sekten widerspiegelt,
oder die hohe Marienverehrung einzelner christlicher Vertreter, mit denen
Mohammed in Berührung kam, bleibt unklar. Sicher ist jedenfalls, daß der
Koran die Trinität auf Gott, Jesus und Maria bezieht. Ferner wird der
Zeugungsakt Jesu als
biologischer Vorgang
verstanden und zwar auf Grund der Bezeichnung „Vater“ für Gott, „Mutter“
für Maria und „Sohn“ für Jesus,
deren sich die Christen
bedienten. Deshalb wird diese Vorstellung in den eingangs
zitierten
Versen 3 aus Sure 72 und 101 aus Sure 6 so heftig bekämpft. Als weitere
Gegenargumente gegen die Göttlichkeit Jesu wird
auch noch angeführt, daß
sowohl Jesus als auch Maria gegessen haben und Jesus ein Diener seines
Gottes ist.
Das „Lexikon des Islam“ schreibt
dazu:
„Allerdings
trifft dieser Vorwurf des Korans nicht die authentische christliche
Trinitätsauffassung. Hier wird der christliche Dreifaltigkeitsglaube als
Tritheismus, als Glaube an drei Götter, mißverstanden und möglicherweise
als eine Trias aus Gott (Vater), Maria (Mutter) und Jesus (Kind) aufgefaßt:
Sure
5, Vers 116:
Und wenn Allah sprechen wird: „O Jesus, Sohn der Maria, hast du zu den
Menschen gesprochen: „Nehmet mich und meine Mutter als zwei Götter neben
Allah an?“ ...
Damit
wäre der christliche Glaube an den dreifaltigen Gott als den Vater, den
Sohn und den Heiligen Geist mißverstanden. Die Zurückweisung des den
Christen unterstellten Trinitätsverständnisses – Gott als Vater, Maria als
Mutter und Jesus als Sohn – beruht durchweg auf einer
biologisch-unitarischen Argumentation: Gott kann kein Kind zeugen:
Sure
112, Verse 1 - 4:
Sprich: Er ist der eine Gott, Der ewige Gott; Er zeugt nicht und wird
nicht gezeugt, Und keiner ist Ihm gleich.
Das
arabische Verbum in beiden Satzteilen gehört zum Stamm w-l-d mit einem
grundsätzlich biologischen Inhalt: ein Kind zur Welt bringen oder zeugen.
Unter dieser Voraussetzung und aufgrund dieses Vorverständnisses scheint
der Koran den christlichen Glauben an die Trinität mißverstanden zu
haben.“
(Digitale Bibliothek: A.T.
Khoury, L. Hagemann, P. Heine: Lexikon des Islam, S. 724, Verlag Herder,
2004)
Und weiter:
"Der
islamische Vorwurf gegen die Christen, an drei Götter zu glauben, beruht -
wie wir gesehen haben - auf einem Missverständnis mit weitreichenden
Folgen, vom Unverständnis bis hin zur Unversöhnlichkeit."
(Digitale Bibliothek:
A.T. Khoury, L. Hagemann, P. Heine: Lexikon des Islam, S. 320, Verlag
Herder, 2004)
4.
Muslime sollen sich von „Schriftbesitzern“ fernhalten, dies vor allem auch
wegen ihrem, mit dem Islam nicht kompatiblen Dogma der Trinität:
Sure
6, Vers 106:
Folge dem, was dir offenbart ward von deinem Herrn; es gibt keinen Gott
außer Ihm; und wende dich ab von denen, die Ihm Gefährten geben.
In folgendem Vers wird sogar
festgeschrieben, daß sich Muslime des Abfalls vom Islam schuldig machen,
und sich nicht mehr Seiner Rechtleitung erfreuen dürfen, wenn sie Christen
zu Freunden nehmen:
Sure 5, Vers 51:
O ihr, die ihr glaubt, nehmt euch nicht die Juden und Christen zu
Freunden, sie sind untereinander Freunde, und wer von euch sie zu Freunden
nimmt, siehe, der ist von ihnen. Siehe, Allah leitet nicht die ungerechten
Leute.