Tauhid und
die absolute Transzendenz Allahs
1.
Allah als Schöpfer der Welt und des
Menschen
Muslime vertreten einen
strikten Monotheismus. Dies kommt auch im
►Islamischen
Glaubensbekenntnis
zum Ausdruck:
»Es gibt keinen Gott außer
Gott«
Im Koran spricht Allah
unmissverständlich zu Seinem Propheten in der "Fatiha", der ersten
Sure des Korans:
Sure 1, Verse 1 - 7:
Lob sei Allah, dem Weltenherrn, dem Erbarmer, dem Barmherzigen, dem
König am Tag des Gerichts! Dir dienen wir und zu Dir rufen um Hilfe wir;
leite uns den rechten Pfad, den Pfad derer, denen Du gnädig bist, nicht
derer, denen Du zürnst und nicht der Irrenden.
Gemäss Erläuterungen von M.
Cook beansprucht Allah durch den Titel
"Weltenherr"
"nicht
nur unumschränkte Befehlsgewalt, sondern auch unumschränktes
Eigentumsrecht. Der so genannte "Thronvers" führt diesen Gedanken
weiter aus:
Sure 2, Vers 225:
Allah! es gibt keinen Gott ausser Ihm, dem Lebendigen, dem Ewigen! Nicht
ergreift Ihn Schlummer und nicht Schlaf. Sein ist, was in den Himmeln
und was auf Erden. Wer ist's, der da Fürsprache einlegt bei Ihm ohne
Seine Erlaubnis? Er weiss, was zwischen ihren Händen ist und was hinter
ihnen (er kennt Gegenwart und Zukunft), und nicht begreifen sie etwas
von Seinem Wissen, ausser was Er will. Weit reicht Sein Thron über die
Himmel und die Erde, und nicht beschwert Ihn beider Hut. Denn Er ist der
Hohe, der Erhabene.
Es gibt einen einfachen
Grund, warum die Welt so uneingeschränkt Gottes Eigentum ist: Er hat sie
erschaffen. So spricht Er zum Beispiel:
Sure 50, Vers 38:
Und wahrlich, Wir erschufen die Himmel und die Erde und was zwischen
beiden in sechs Tagen, und keine Ermüdung erfasste Uns.
Gott zeichnet also für die
Schaffung der groben Struktur des Universums verantwortlich. Aber Er
kümmert sich auch im die Einzelheiten … Insbesondere erschuf Er die
Menschen."
(M. Cook, Der
Koran, Seite 27f, Reclam, Stuttgart, 2002).
Die koranische Botschaft
beinhaltet demnach folgendes: Allah ist der einzige und ewige Gott und Er
hat Himmel, Erde und die Menschen geschaffen.
Eingedenk dessen spricht
Mohammed zu den ungläubigen Mekkanern:
Sure 2, Vers 22:
Dienet ihm, der euch die Erde zu einem Teppich und den Himmel zu einem
Bau gemacht hat, und der vom Himmel Wasser herabkommen ließ und dadurch,
euch zum Unterhalt, Früchte hervorbrachte. Darum behauptet nicht, dass
Gott andere Götter seinesgleichen neben sich habe, wo ihr doch wisst
dass er allein alles geschaffen hat!
Sure 109, Verse 1 - 6: Sprich: O ihr
Ungläubigen, Ich diene nicht dem, dem ihr dienet. und ihr seid nicht
Diener dessen, dem ich diene. Und ich bin nicht Diener dessen, dem ihr
dienet, und ihr seid nicht Diener dessen, dem ich diene. Euch euer
Glaube und mir mein Glaube.
Damit sind die Weichen für
die Verkündigung der Einheit und Einzigkeit Gottes gestellt. Für dieses
Dogma gibt es einen Fachbegriff: "Tauhid"
2. Die
Einheit Allahs
Die Einheit Gottes bedeutet,
dass der eine Gott nicht geschaffen wurde, schon immer existierte und bis
in alle Ewigkeit existieren wird:
Sure 112, Verse 1 -
4: Sprich: Er ist der eine Gott, der ewige
Gott; Er zeugt nicht und wird nicht gezeugt, und keiner ist Ihm gleich.
oder in der Übersetzung von
A.T. Khoury:
Sure 112, Vers 1 - 4:
Sprich: Er ist Gott, ein Einziger, Gott, der Undurchdringliche, Er hat
nicht gezeugt, und Er ist nicht gezeugt worden, und niemand ist Ihm
ebenbürtig.
Allah ist eine absolute und
für den Menschen unfassbare, unantastbare und nicht direkt erfahrbare
Instanz. Er ist für den Menschen nur über Seinen im Koran geäusserten
Willen erkennbar. In den koranischen Geboten kommt die Fürsorge Allahs zum
Ausdruck. Die Gebote wurden von Ihm als Akt der Gnade und Barmherzigkeit
geoffenbart. Dem Menschen wird damit eine umfassende Richtschnur an die
Hand gegeben, nach welcher er sein Leben auszurichten hat. Nur durch die
Einhaltung aller koranischen Gebote kann er ein Allah gefälliges Leben
führen. Für den Menschen ist diese Fürsorge Allahs ein Zeichen, an dem er
Gott als Schöpfer erkennen kann:
Sure 16, Vers 10:
Er ist's, der euch von dem Himmel Wasser herniedersendet. Von ihm ist
der Trank und von Ihm sind die Bäume, unter denen ihr weidet.
Sure 16, Vers 11:
Aufspriessen lässt er eich durch dasselbe die Saat und den Ölbaum und
die Palme und die Reben und allerlei Früchte. Siehe, hierin ist wahrlich
ein Zeichen für nachdenkende Leute.
Sure 16. Vers 12:
Und dienstbar machte Er euch die Nacht und den Tag; und die Sonne, der
Mond und die Sterne sind euch dienstbar auf Sein Geheiss. Siehe, hierin
ist wahrlich ein Zeichen für einsichtige Leute.
Sure 16, Vers 13:
Und was Er such erschuf auf Erden, verschieden an Farbe, siehe, ein
Zeichen ist wahrlich darin für Leute, die sich warnen lassen.
Jeder Mensch hat sich
vollkommen diesem einen Gott hinzugeben, sich Ihm vollständig zu
unterwerfen und alle Regeln und Gebote die Er geoffenbart hat
widerspruchslos anzunehmen. Dies ist die Bedeutung des Wortes Islam
(Unterwerfung). Allah hat die ganze Schöpfung hervorgebracht. Gleichzeitig
scheint Er doch von ihr getrennt zu sein, denn Er
"bedarf wahrlich nicht der
Welten":
Sure 29: Vers 5:
Wer da hofft, Allah zu begegnen - siehe, Allahs Termin trifft wahrlich
ein, und Er ist der Hörende, der Wissende.
Sure 29, Vers 6:
Und wer da eifert in Allahs Weg, der eifert zu seinem Besten. Siehe,
Allah bedarf wahrlich nicht der Welten.
Sure 29, Vers 7:
Und diejenigen, welche glauben und das Rechte tun, wahrlich, nehmen
wollen Wir von ihnen ihre Sünden und wollen sie nach ihren besten Taten
belohnen.
3. Die
Einzigkeit Allahs und die Beigesellung (Schirk)
Logisch folgerichtig und mit
der Lehre, es gebe nur den einen ewigen Gott untrennbar verbunden, ist die
koranische Botschaft von der Einzigkeit Allahs. Das heisst, dass Er nicht
in verschiedenen Erscheinungsformen auftritt. Er ist der alleinige Gott
neben dem es keine anderen wie auch immer geartete Helfer gibt:
Sure 40, Vers 65:
Er ist der Lebendige, es gibt keinen Gott ausser Ihm, darum rufet Ihn an
in lauterem Glauben. Das Lob sei Allah, dem Herrn der Welten!
Sure 40, Vers 66:
Sprich: "Siehe, mir ward verboten, denen zu dienen, die ihr ausser Allah
anruft, nachdem die deutlichen Zeichen von meinem Herrn zu mir kamen;
und geboten ward mir, mich zu ergeben dem Herrn der Welten."
Jede Vorstellung von einer
Teilhaberschaft Gottes durch weitere Götter oder gar durch unbelebte
Götzen ist Gotteslästerung. Allah lehnt die von Menschen praktizierte
Unsitte ab, Ihm Nebengötter beizugesellen. Diese "Beigesellung" (Schirk)
ist das Vergehen, welches der zentralen Botschaft des Korans stärker
zuwiderläuft als jede andere Sünde. Unter
"Beigesellung" ist
jede Form von Vielgottglauben (Polytheismus) zu verstehen:
Sure 29, Vers 65:
Und wenn sie auf den Schiffen fahren, rufen sie Allah reinen Glaubens
an. Hat Er sie aber ans Land errettet, dann geben sie Ihm Gefährten.
Sure 10, Vers 18: Und sie dienen neben
Allah dem, was ihnen weder schaden noch nützen kann; und sie sprechen:
"Dies sind unsere Fürsprecher bei Allah." Sprich: "Wollt ihr Allah
ansagen, was Er nicht kennt in den Himmeln und auf der Erde? Preis Ihm!
und erhaben ist Er ob dem, was wir Ihm beigesellt haben."
Sure 39, Vers 3:
Diejenigen aber, welche außer Ihm sich Schützer annahmen, sprechend:
"Wir dienen ihnen nur, damit sie uns Allah näher bringen." - siehe Allah
wird richten unter ihnen über das worin sie uneins waren.
Es ist nicht nötig, Allah zu
leugnen, vielmehr genügt es für die Verdammung eines Menschen, dem einen
Gott Allah Gefährten beizugesellen. Diese Gefährten sind allesamt
mutwillig erfunden, Allah kennt solche Helfer nicht, weder im Himmel noch
auf Erden:
Sure 5, Vers 76:
Sprich: "Wollt ihr anbeten neben Allah, was euch weder schaden noch
nützen kann?" Und Allah, Er ist der Hörende, der Wissende.
4. Die
Polytheisten
Diejenigen, die Allah
Teilhaber zuschreiben werden als Mushrikun bezeichnet, als
Polytheisten. Ihr Tun ist nicht nur sinnlos, weil ohne Wirkung, vielmehr
begehen Polytheisten eine unverzeihbare Sünde:
Sure 4, Vers 48:
Siehe »Gott vergibt nicht, dass man Ihm Götter beigesellt; doch verzeiht
Er was ausser diesem ist, wem Er will. Und wer Allah Götter beigesellt,
der hat eine gewaltige Sünde ersonnen.
Sure 4, Vers 116:
Siehe, Allah vergibt es nicht, dass ihm Götter zur Seite gesetzt werden,
doch vergibt Er alles ausser diesem, wem Er will. Wer Allah Götter zur
Seite setzt, der ist weit abgeirrt.
Sure 31, Vers 13: Und gedenke, da Luqman
zu seinem Sohne sprach, ihn ermahnend: "O mein Söhnlein, gib Allah keine
Gefährten; siehe, Vielgötterei ist ein gewaltiger Frevel."
Sure 6, Vers 106: Folge dem, was dir
offenbart ward von deinem Herrn; es gibt keinen Gott ausser Ihm; und
wende dich ab von denen, die Ihm Gefährten geben.
Sure 10, Vers 105: Und "Richte dein
Angesicht zu der wahren Religion in lauterem Glauben und gehöre nicht zu
jenen, die Allah Gefährten geben."
Auch beim Thema der
Beigesellung treffen wir wieder auf das Thema der
►
Irreleitung durch den Allmächtigen. Im folgenden Vers wird dem
Gläubigen versichert, dass Allah die Polytheisten willentlich in die Irre
führt, beziehungsweise dass sie, wenn Er nur wollte eben nicht weit
abirren würden und dass Mohammed sich deshalb nicht darum kümmern soll:
Sure 6, Vers 107:
Und so Allah es wollte, gäben sie Ihm keine Gefährten; und nicht machten
Wir dich zum Wächter über sie, und nicht bist du in Hüter über sie.
Die Lehre von Tauhid
richtet sich also gegen alle Menschen, die, in welcher Form auch immer,
dem Allmächtigen Helfer zur Seite stellen, seien es Götter, Heilige oder
Götzen. In erster Linie sind im Koran sicher die arabischen Polytheisten,
das heisst die mek-kanischen Widersacher Mohammeds und die Beduinen
gemeint.
Aber auch andere
Protagonisten aus dem Umfeld Mohammeds erregen den Zorn Allahs. Folgender
Vers handelt von den Juden, die entgegen Jahwes Forderung, nur ihm
zu huldigen, ein goldenes Kalb anbeteten:
Sure 7, Vers 152:
Siehe, diejenigen, die sich das Kalb nahmen, wahrlich, einholen wird sie
Zorn von ihrem Herrn und Schande im irdischen Leben. Und also belohnen
Wir diejenigen, die Lügen erdichten.
Die Juden haben sich also in
ihrer Geschichte gegen das Gebot des reinen Monotheismus versündigt.
Die schlimmste Sünde begehen
aber die Christen mit ihrer Lehre von der Dreifaltigkeit.
►
Trinität im Christentum Diese richtet sich, gemäss islamischem
Verständnis sowohl gegen die Einheit Allahs als auch gegen seine
Einzigkeit.
5. Die absolute
Transzendenz Allahs
Ch. Schirrmacher schreibt:
"Obschon es
zwischen dem transzendenten Schöpfer und dem vergänglichen Geschöpf, dem
Menschen, keinen Vergleich
Sure 42, Vers 11:
Der Schöpfer der Himmel und der Erde hat für euch Gattinnen gemacht von
euch selber, und von den Tieren Weibchen; hierdurch vermehrt Er euch.
Nichts ist gleich Ihm, und Er ist der hörende, der Schauende.
und keine eigentliche
Verbindung gibt, hat Gott dem Menschen doch seinen Willen offenbart und
ihm seine Schrift gesandt, auch wenn er selbst verborgen bleibt. Der
Mensch hätte von sich aus nichts dazu beitragen können, vom Willen Gottes
in Kenntnis gesetzt zu werden. Es ist unmöglich, dass der Mensch eine
Verbindung zu Gott herstellt. Ebenso undenkbar ist es aus islamischer
Sicht, dass Gott seine Transzendenz überschreitet, sichtbar wird, sich
selbst offenbart oder in die Welt kommt um selbst Geschöpf zu werden.
Nachdem Gott einmal seine Schrift offenbart hat, liegt es nun am Menschen,
die Gebote Gottes zu halten, ihm zu dienen und dankbar zu sein. So ist der
Bereich Gottes und des Menschen deutlich voneinander abgegrenzt."
(Ch.
Schirrmacher: Der Islam, Band 1, Seite 225, Verlag Hänssler,
Holzgerlingen, 2003):
Gemäss islamischem
Verständnis ist der Koran also nicht der Bericht über die
Offenbarung Allahs sondern die Offenbarung selbst und die
vollständige Sammlung Seiner Gebote. Diese Gebote sind unhinterfragt
einzuhalten. Allah kontrolliert Seine Schöpfung genau:
Sure 6, Vers 59:
Und bei Ihm sind die Schlüssel des Verborgenen; Er kennt sie allein; Er
weiss, was zu Land und Meer ist, und kein Blatt fällt nieder, ohne dass
Er es weiss; und kein Korn ist in den Finsternissen der Erde und nichts
Grünes und nichts Dürres, das nicht stünde in einem deutlichen Buch.
Um die Einhaltung seines
Willens zu kontrollieren, ist Er jedem
Menschen
"näher als seine Halsschlagader".
Ferner sind jedem Menschen zwei
Engel beigestellt und noch ein
"Aufpasser",
der jede Tat und jeden Gedanken eines jeden
Menschen aufschreibt. Auch hier
wird der totalitäre Anspruch des Islam sichtbar, er ist die logische Folge
der koranischen Doktrin. Allah befehligt die ganze Welt, nicht nur die der
Muslime:
Sure 50, Vers 16:
Wir haben doch seinerzeit den Menschen geschaffen. Und Wir wissen, was
er sich selber an bösen Gedanken einflüstert, und sind ihm näher als die
Halsschlagader.
Sure 50, Vers 17:
Nichts bleibt unberücksichtigt, wenn jene beiden Engel (die beiden Engel
Munkar und Nakir) seine Worte und Handlungen entgegennehmen, einer zur
Rechten und einer zur Linken sitzend.
Sure 50, Vers 18:
Er gibt keine Äußerung von sich, ohne dass ein Aufpasser bei ihm wäre,
bereit, alles aufzuzeichnen.
Sure 50, Vers 19:
Und der Todeskampf bringt schließlich die Wahrheit, so dass der Mensch
sich ihr nicht länger entziehen kann. Dann heißt es: 'Das ist es, vor
dem du zeitlebens ausgewichen bist'.
Sure 50, Vers 20:
Und es wird in die Trompete geblasen. Das ist der angedrohte Tag des
Gerichts.
(Übersetzung nach Rudi Paret)
Allah selbst
bleibt unbekannt, unerklärbar, unfassbar. Er entzieht sich eigentlich
jeder Beschreibung und bleibt vollkommen transzendent. Entsprechend dem
Umstand, dass der Mensch Allahs Eigentum ist, soll sich eine Beziehung zu
Ihm wie die Beziehung eines Sklaven zu seinem Herrn gestalten:
Sure 19, Vers 93:
Keiner in den Himmeln und auf Erden darf sich dem Erbarmer anders nahen
denn als Sklave.
Allahs Transzendenz
bedeutet, dass Er nicht ergründet werden kann, nur angebetet. Er kann
durch den menschlichen Geist nicht erreicht werden, Er ist grösser, als
der Mensch es fassen kann. Jeder Gedanke über ihn ist ungenügend und
falsch.
6. Die Konsequenzen der
vollständigen Unterwerfung (Islam)
Das Dogma von Tauhid
und der vollkommenen Unterwerfung ist grundlegend und umfassend und
stellt an die Lebensgestaltung des Gläubigen in der Welt klare
Anforderungen. T. Nagel erläutert dazu:
"In einer 1983 vom
Islamischen Zentrum in München herausgegebnen Anleitung zur Verbreitung
des Islams unter Nichtmuslimen hebt der Verfasser hervor, aus dem
Bekenntnis zum Christentum folge allenfalls die Verpflichtung, alle
Handlungen an einer bestimmten Ethik auszurichten; was das bedeute, müsse
im Einzelfall durch den Handelnden selber entschieden werden. Der Islam
dagegen gebe seinen Anhängern zahlreiche ganz konkrete Anweisungen an die
Hand. Diese schreiben vor, wie man die Riten auszuüben und wie man sich in
Alltagssituationen zu verhalten hat. Vereinfachend gesprochen, meint Islam
demnach die Übernahme vorgefertigter, auf Allah oder Mohammed
zurückgeführter Muster des Daseinsvollzugs - von Mustern überdies, die
unabhängig von jeglicher Geschichte über alle Zeiten hinweg gültig sein
sollen.
Während dem Christen
die Prüfung der jeweiligen Voraussetzungen seines Tuns und die
selbstkritische Befragung des Gewissens abverlangt werden, sieht sich der
Muslim verpflichtet, Allahs Gesetz unter Absehung von den gerade
obwaltenden Gegebenheiten der Welt und von den Regungen des Ichs zu
verwirklichen. Die Geschichte dieses eigentümlichen muslimischen
Spannungsverhältnisses zur "Welt" hängt mit der im Koran vorliegenden
partiellen Delegitimierung der Ratio zusammen: Der eigenmächtige Gebrauch
des Verstandes führt geradewegs in den Ungehorsam gegen Allah … Die Ratio
wird auf ein von Allah autorisiertes Tätigkeitsfeld beschränkt. Dieses
Feld wird durch den Koran und die Sunna abgesteckt, die nach der Meinung
der Mehrheit der Muslime möglichst wörtlich auszulegen sind. Die Folge ist
eine starke Spannung zwischen den Forderungen der Scharia und der
Wirklichkeit, und diese Spannung verschärfte sich in einem Masse, wie die
Muslime der Begegnung mit der ganz anders fundierten westlichen
Zivilisation ausgesetzt waren."
(T. Nagel, Gewalt
gegen Andersgläubige, NZZ, 17. März 2005)
Was die vollständige
Unterwerfung unter den Willen Allahs bedeutet, kann auch nach Lektüre des
Traktates "Die politische Struktur des Islam" von Maudoodi erahnt
werden:
Tauhid
bedeutet, dass Allah allein der Schöpfer, Erhalter und Gebieter des
Universums ist und von allem, was darin existiert, ob belebt oder
unbelebt. ER alleine hat das Recht zu gebieten. Anbetung und Gehorsam
werden nur IHM geschuldet. Kein einziger Aspekt des Lebens in all seinen
vielfältigen Formen (unsere Werkzeuge und unsere Fähigkeiten, die
offensichtliche Kontrolle welche wir über Gegenstände haben oder die
Gegenstände selbst) wurde zu unserer eigenen Verfügung erschaffen oder von
uns erworben. Vielmehr sind sie grosszügige Vorkehrungen
(Bereitstellungen) von Allah und wurden uns von IHM selbst übertragen.
Folglich haben nicht wir über den Sinn und Zweck unserer Existenz zu
urteilen oder die Grenzen unseres weltlichen Einflusses festzulegen. Auch
keine andere Person hat das Recht, für uns solche Entscheide zu treffen.
Dieses Recht liegt alleine bei Allah. Dieses Prinzip der Einheit von Allah
macht das Konzept der gesetzesmässigen und politischen Herrschaft des
Menschen bedeutungslos. Kein Individuum, keine Familie, Klasse oder Rasse
kann sich über Allah stellen. Allah alleine ist der Führer und SEINE
Befehle begründen das Gesetz des Islam.
Quelle:
http://www.jamaat.org/islam/HumanRightsPolitical.html