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Satane im Islam

Der im Koran namentlich erwähnte Iblis ist der oberste und gelehrteste aller Satane. Diese stellen wiederum eine Spezialabteilung der dschinn dar. C. Die dschinn Letztere wurden von Allah aus Feuer geschaffen wohingegen Er die Engel aus Licht entstehen ließ. Im Gegensatz zu diesen Lichtwesen verfügen die dschinn und damit auch die Satane über einen freien Willen.

 

1. Die Vertreibung von Iblis aus dem Paradies

Iblis wurde vom Allmächtigen verflucht, weil er sich auf dessen Befehl nicht wie alle anderen Engel im Himmel vor dem eben frisch aus Ton hergestellten Adam niederwerfen wollte:

Sure 18, Vers 50: Und da Wir zu den Engeln sprachen: “Werfet euch nieder vor Adam”, da warfen sie sich nieder, außer Iblis, welcher von den Dschinn war und wider seines Herrn Befehl frevelte. Und wollt ihr denn ihn und seine Nachkommenschaft eher den Mich zu Beschützern nehmen, die euch feind sind? Ein schlimmer Tausch für die Sünder!

Als Iblis sich weigerte, vor Adam auf die Knie zu gehen, sprach Allah:

Sure 38, Vers 75: “O Iblis, was hinderte dich, dich niederzuwerfen, vor dem, was Ich mit meinen Händen schuf? Bist du etwa hoffärtig oder einer der Hochmütigen?

Sure 38, Vers 76: Er sprach: “Ich bin besser als er; Du erschufst mich aus Feuer und hast ihn aus Ton erschaffen.”

Und Allah verfluchte und verbannte ihn wegen seines Hochmutes:

Sure 38, Vers 77: Er sprach: “So gehe hinaus aus dem Paradies, denn siehe, du bist mit Steinen vertrieben.”

Sure 38, Vers 78: Und siehe, auf dir ist Mein Fluch bis zum Tag der Erweckung.

Iblis informierte den islamischen Schöpfer noch über sein bösartiges Programm, bevor er das Paradies verliess:

Sure 38, Vers 82: Er sprach: “Drum, bei Deiner Macht, wahrlich, verführen will ich sie insgesamt,

Sure 38, Vers 83: Außer Deinen Dienern unter ihnen, den lauteren.”

Darauf gab der Allmächtige die Versicherung über den unguten Abgang von Iblis und seinen Helfern bekannt:

Sure 38, Vers 85: “Wahrlich, erfüllen will Ich Dschahannam mit dir und mit denen die dir folgen insgesamt.”

Die dramatische Konfrontation Allahs mit Iblis ist auch noch an einer weiteren Stelle im Koran beschrieben:

Sure 7, Vers 12: Er sprach: „Was hinderte dich, dich niederzuwerfen, als Ich dich hieß?“ Er sprach: „Ich bin besser als er. Du hast mich aus Feuer erschaffen, ihn aber erschufst Du aus Ton.“

Sure 7, Vers 13: Er sprach: „Hinab mit dir aus ihm (dem Paradies)! Nicht ist dir erlaubt, hoffärtig in ihm zu sein. Drum hinaus mit dir, siehe, du bist einer der Gedemütigten.“

Sure 7, Vers 14: Er sprach: „Gib mir Frist bis zum Tag der Auferstehung.“

Sure 7, Vers 15: Er sprach: „Siehe, dir ward Frist gegeben.“

Sure 7, Vers 16: Er (Iblis) sprach: „Darum, daß Du mich in die Irre geführt hast, will ich ihnen auflauern auf Deinem rechten Wege;

Sure 7, Vers 17: Alsdann will ich über sie kommen von vorn und von hinten, von ihrer Rechten und von ihrer Linken und nicht sollst Du die Mehrzahl von ihnen dankbar finden.“ Sure 7, Vers 18: Er sprach: „Hinaus aus ihm, verachtet und verstoßen! Wahrlich, wer von ihnen dir folgt, mit euch allzumal erfülle ich Dschahannam!“

 

Textanalyse:

1. Ausgerechnet Allah verlangt von Seinen Engeln, sich vor einem von Ihm geschaffenen Wesen niederzuwerfen - wo Er doch diesen Akt der absoluten Ergebenheit eigentlich ganz ausschließlich für Sich selber reserviert hat. Diese Begebenheit hat in der islamischen Theologie zu  Diskussionen geführt.

2. Es gibt im Islam nicht nur diesen einen Satan als Inkarnation des Bösen sondern deren mannigfache. Sie werden im Koran als „Nachkommenschaft“ bezeichnet. Wie haben sie sich vermehrt? Gemäß islamischer Erkenntnis können dschinn, und damit auch Satane, Nachkommen zeugen.

3. Iblis und seine Helfer betreiben ihr verwerfliches Tun mit voller Kenntnis und Billigung Allahs. "drum, bei Deiner Macht, wahrlich, verführen will ich sie insgesamt" Das Böse kommt in der islamischen Theologie also durch Iblis, diesen gefallenen Engel in die Welt. Allerdings stammte er von den dschinn ab - ein eher ungewöhnlicher Stammbaum für einen Engel. Vielleicht deshalb - weil mit eigenen Willen ausgestattet - versagte Iblis dem Herrn der Welten den Gehorsam.

Dies ist ein theologisch wichtiger Befund. Das Böse wird auch im Islam vom Göttlichen abgetrennt und tritt von außen in der Form von Iblis und seinen Satanen an den Menschen heran. Dies wird allerdings von Allah nicht nur sanktioniert, sondern sogar veranlaßt.

 

2. Satane der Menschen und der Dschinn

Entsprechend seiner Ankündigung vor der Vertreibung aus dem Paradies (siehe oben Sure 38, Verse 82 und 83) wird Iblis seine post-paradiesische Existenz darauf verwenden zu versuchen, Muslime vom Glauben an Allah abspenstig zu machen. Er wird sie dazu verführen, ihn oder aber andere Götter anzubeten. Ferner werden noch viele andere Satane daran arbeiten, Rechtgläubige in die Irre zu führen.

Ebenso wie die Satane werden gewisse Menschen versuchen, Muslime vom Glauben abwendig zu machen, Menschen, denen der Koran satanischen Eigenschaften attestiert.

Ein im Koran in Sure 22, Verse 3 und 4 beschriebenes Beispiel eines solchen satanischen Menschen ist die Gestalt von Al-Nadr bin Alharith, einem der „Satane“ der Quraisch aus Mekka. Er war einer derjenigen, die Mohammeds Bekehrungsversuche fortgesetzt in Frage stellten und deswegen nach der Schlacht von Badr erschlagen wurde.

3. Die Ermordung des Al-Nadr bin Alharith 

Sure 22, Vers 3: Und unter den Menschen ist einer, der über Allah ohne Wissen streitet und jedem rebellischen Satan folgt.

Tafsir al-Jalalayn 22, 3: Folgendes wurde betreffend Al-Nadr bin Alharith und seinen Gefährten offenbart: Unter den Menschen gibt es welche, die lassen sich in Streitgespräche über Allah ein ohne daß sie Kenner der Materie wären. Sie behaupten zum Beispiel, daß die Engel Allahs Töchter seien und der Koran nicht anderes als eine Sammlung alter Fabeln. Darüber hinaus leugnen sie die Auferstehung und das Wiederbeleben derer, welche ehemals zu Staub geworden sind. Dann gibt es auch solche die in ihrer Beweisführung etwelche rebellische Teufel nachäffen,

Sure 22, Vers 4: Geschrieben ist wider ihn, daß er den, der ihn zum Beschützer nimmt, irreführen und zur Strafe der Flamme leiten soll.

Tafsir al-Jalalayn 22, 4: Betreffend der Teufel wurde verfügt, daß wer immer sich einen solchen zum Freund nimmt und ihm nachfolgt, wird von ihm (dem Teufel) irregeleitet und letztendlich wird er ihn als Bestrafung zum flammenden Inferno hinführen.

Ungläubige generell, hier in der Gestalt von Al-Nadr bin Alharith, sind deshalb von abgrundtiefer Boshaftigkeit und Verderbtheit, weil sie wie Satane handeln. Dies vernehmen wir in Vers 112 aus Sure 6, welche in Mekka offenbart wurde:

Sure 6, Vers 112: Und also haben wir jedem Propheten einen Feind gegeben, die Satane der Menschen und der Dschinn; einer gibt dem anderen prunkende Rede ein zum Trug. Und so dein Herr es gewollt, hätten sie es nicht getan; darum verlass sie und was sie ersinnen. 

Tafsir al-Jalalayn 6, 112: So haben Wir also jedem Propheten einen Feind zugewiesen, genauso wie Wir euch eure Feinde, die Satane und Rebellen unter den Menschen und den Dschinn zuweisen. Sie flüstern  sich gegenseitig raffinierte Reden ein, versteckte Falschheit, die in die Irre führt. Hätte es jedoch euer Herr gewollt, so hätten sie dies nie getan. Also verlasst die Ungläubigen mit ihren Fabeln von Unglauben und anderen Torheiten und was alles für sie erdichtet wurde. Dies wurde vor dem Aufruf zum Jihad offenbart.

 

Textanalyse:

1. Der Vers wurde vor dem Befehl zum bewaffneten Kampf gegen die Ungläubigen offenbart und muß also, mindestens was seine Aufforderung zur Duldung des Unglaubens betrifft „darum verlaß sie und was sie ersinnen“ als abrogiert angesehen werden.

D Böses mit Gutem erwidern 

2. Muslime können der Versuchung fitna durch Satane und Ungläubige nur erliegen, wenn sie sich innerlich schon von Allah abgewendet haben. Damit dieser erste Schritt ins Verderben  nicht geschehen kann, sollen sich die Gläubigen, wenn immer möglich, vom destruktiven Einfluß der Ungläubigen fernhalten:

Sure 41, Vers 36: Und wenn dich ein Anreiz von Satan reizt, so nimm deine Zuflucht zu Allah; siehe, Er ist der Hörende, der Wissende.

Zweifelsfrei wird der Unglaube mit seiner "prunkenden Rede" eine zersetzende Wirkung auf die Rechtgläubigen ausüben. Jetzt ist der Moment gekommen, wo sich die "Satane der Menschen und der Dschinn" der Seele eines Muslims bemächtigen. Aber nicht nur durch aktives Abwerben sondern schon durch ihre schiere Existenz sind Ungläubige eine Gefahr, machen sich schuldig und werden dereinst besonders hart bestraft.

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5. Ungläubige machen von Allahs Weg abwendig
 

3. Hier wird also nicht nur vor Iblis und seinen Gesellen gewarnt. Vielmehr werden auch satanische Ungläubige versuchen, Rechtgeleitete vom Glauben abzubringen. Dies in Übereinstimmung mit Allahs Willen "und so dein Herr es gewollt, hätten sie es nicht getan". Allah selbst weist Seinen Rechtgeleiteten Satane und Rebellen unter den Menschen zu: genauso wie Wir euch eure Feinde, die Satane und Rebellen unter den Menschen und den Dschinn zuweisen“. Die mekkanischen Quraisch - von denen dieser Vers handelt - wiesen Mohammeds Religion zurück und beteten andere Götter an.

25. Sie sind die Helfer Satans
15. Den Ungläubigen wird von Allah ein Satan beigestellt

4. Die Satane - ob dschinn oder Mensch - werden also versuchen, die Gläubigen zu verleiten, ihnen zu gehorchen, wodurch sie zu Götzendienern werden:

Sure 6, Vers 121: Und esset nicht von dem, worüber Allahs Name nicht gesprochen ward; denn siehe wahrlich, es ist Sünde. Und siehe wahrlich, die Satane werden ihren Freunden eingeben, mit euch zu streiten; doch, so ihr ihnen gehorchet, siehe wahrlich, dann seid ihr Götzendiener.

Das Bild des Teufels, der zur Sünde verleitet, wird auch heute noch verwendet. So zum Beispiel in einem Werbefilm über die Empfehlung zum Tragen des Kopftuches (ab Position 2.35):

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Aber letztendlich sind Satane und ihre menschlichen Freunde machtlos gegenüber den wahrhaftigen Gläubigen, denn sie können nur wirken, wenn die Gläubigen verunsichert sind und den zersetzenden Einfluß zulassen. Andererseits beansprucht Allah auch jetzt noch, sämtliche  Fäden in der Hand zu halten. Dies tut Er, indem Er einzelne Mitglieder Seiner Gemeinde für ihren Wankelmut bestraft indem Er sie "nach Gebühr dem Irrtum übergeben" hat. Nicht nur die Ungläubigen werden also von Allah irregeleitet, sondern auch Gläubige "auf Messers Scheide" müssen damit rechnen, von der Beeinflussung des Allmächtigen erfaßt und "nach Gebühr dem Irrtum übergeben" zu werden: 

Sure 7, Vers 30: Einen Teil hat Er geleitet und einen Teil nach Gebühr dem Irrtum übergeben. Siehe, sie haben sich die Satane neben Allah zu Beschützern angenommen und wähnen, sie seien geleitet.

Die vollkommene und punktgenaue Erfüllung sowohl der religiösen Gebote und Riten als auch des islamischen Gesetzes scharia allein geben dem Muslim die Heilsgewißheit. Das Böse in Form des Unglaubens ist damit überwunden. Ein Ausdruck dieser Weltensicht ist die Pflicht zur Steinigung des Steinteufels anläßlich der Pilgerfahrt nach Mekka. Das Böse kommt von außen und wird demnach mit diesem symbolischen Akt auch außen überwunden.

  

3. Das Böse tritt von außen an den Menschen heran

Die Frage des Bösen und seines Wirkens in der Welt ist auch in der islamischen Theologie ein  Thema.  Theodizee (http://de.wikipedia.org/wiki/Theodizee) Der Islam gibt auf die offenen Fragen zu diesem Thema eine verblüffend einfache Antwort.

Iblis ist mit dem Wissen Allahs und damit mit Seiner Befugnis hienieden unterwegs, um Muslime vom Glauben abzubringen und Ungläubige zu seinem Werkzeug zu machen. Im Islam tritt das Böse von außen an den Menschen heran, welcher selbst weder mit der Erbsünde (Christentum) noch mit karmischen Schulden und Verstrickungen (Hinduismus, Buddhismus) noch mit familiären Belastungen aus der Ahnenreihe (Taoismus) belastet ist.

Sure 36, Vers 60: Machte ich nicht einen Bund mit euch, ihr Kinder Adams: Dienet nicht dem Satan, siehe, er ist euch ein offenkundiger Feind;

Sure 36, Vers 61: Sondern dienet Mir, das ist der rechte Pfad?

Sure 36, Vers 62: Aber wahrlich nun führte er eine große Schar von euch irre. Hattet ihr denn keine Einsicht?“

Sure 36, Vers 63: „Dies ist Dschahannam. die euch angedroht ward.

Sure 36, Vers 64: Brennet heute in ihr, darum daß ihr ungläubig waret.“

Ch. Schirrmacher schreibt dazu: „Der Mensch kann also bei allem, was er tut, zwischen Gutem und Bösem wählen. Gleichzeitig macht der Koran deutlich, daß der Satan mit Erlaubnis Allahs die Menschen zum Ungehorsam verführen kann. Nicht im Menschen selbst liegt das eigentliche Problem des Bösen, sondern in der von außen an ihn herangetragenen Versuchung, der er in seiner Schwachheit nachgeben kann, denn der Mensch ist „schwach geschaffen“ (4,28) ... Nach dem Zeugnis des Korans entstehen Haß, Unzucht, und Mordgedanken nicht im Herzen des Menschen ... sondern Versuchung und Sünde sind von Satan eingeflüsterte Irreführungen, um die Menschen auf die Probe zu stellen, ob sie wohl bei Allah Zuflucht nehmen:“

Sure 2, Vers 155: Und gewiß werden Wir euch prüfen durch Angst, Hunger und Minderung an Besitz, Menschenleben und Früchten. Doch verkündige den Geduldigen eine frohe Botschaft.

(Ch. Schirrmacher, Der Islam, Band 1, Hänssler, Holzgerlingen, 2003, Seite 262)

Wie ist es denn zu rechtfertigen, daß Allah Iblis und seine Helfer ins ewige Feuer wirft?

Sure 26, Vers 94: Und sie sollen häuptlings in sie (Dschahannam) hinabgestürzt werden, sie und die Verirrten

Sure 26, Vers 95: Und Iblis Scharen insgesamt.

Die Problematik der Existenz des Bösen ist allerdings noch nicht hinreichend erklärt mit dem Hinweis darauf, daß Iblis sein Teufelswerk mit Billigung Allahs betreibt und daß das Böse im Islam von außen an den Menschen herantritt. Die Frage des freien Willens und der göttlichen Vorherbestimmung des Menschenlebens einerseits wie auch die Tatsache der göttlichen Irreleitung andererseits sind bei der Sündhaftigkeit des Menschen und der Schuldfrage auch zu berücksichtigen.

Prädestination und freier Wille
Irreleitung

 

 

© Arbeitskreis Religion und Menschenrechte