Lügen im Islam
1. Allgemeine Definition
Lügen bedeutet, bewußt die
Unwahrheit zu sagen um sich dadurch einen Nutzen zu verschaffen. Der
Nutzen kann auch ganz einfach darin bestehen, sich einen Fehler nicht
eingestehen zu wollen. Somit wird das Gegenüber geschädigt, sei es
wirtschaftlich, gesellschaftlich oder moralisch. Lügen kann demnach auch
als Täuschung oder als Einsatz von List zur Erlangung eines Vorteils
gegenüber seinem Mitmenschen verstanden werden.
2. Lügen im Koran / Ableugnung
der islamischen Heilsbotschaft
Was sagt das islamische Dogma
zum Lügen? Lügen ist in der islamischen Heilsbotschaft nicht generell eine
Sünde. Im Gegenteil, der Umgang mit Wahrheit/Unwahrheit wird sehr
pragmatisch angegangen, es ist in der islamischen Ideologie auch bei
diesem Thema das schwere Defizit einer übergeordneten Moral im Sinne der
„Goldenen Regel“ erkennbar.
►
Taqiyya: Krieg, Frieden und Täuschung im Islam
Wie wir sehen werden, hat die
Sünde des Lügens im Koran eine ganz andere Bedeutung.
Das islamischen Standardwerk „Reliance of the Traveller“ gibt unter dem
Oberkapitel „Book P Enormities“ (was so viel bedeutet wie
„Ungeheuerlichkeiten“ oder „schwere Sünden“) im Unterkapitel p24.0 „Der
unverbesserliche Lügner“ zwei Koranverse an. (Ahmad ibn Naqib al-Misri,
Reliance of the Traveller, amana publications, Beltsville Maryland, USA,
1994, Seite 669) (http://en.wikipedia.org/wiki/Umdat_al-Salik_wa_Uddat_al-Nasik)
Sure 51, Vers 10:
Tod den Lügnern.
Sure 51, Vers 10:
Verflucht (wörtlich: Getötet) seien alle, die immer nur Mutmaßungen
anstellen (statt Sicheres zu wissen),
Übersetzung R. Paret
Sure 51, Vers 11:
Die sorglos sind in einer Flut von
Unwissenheit.
Tafsir al-Jalalayn 51,10:
Vernichtet diejenigen, welche
Mutmaßungen anstellen; verflucht seien die Lügner, welche eine andere
Meinung vertreten.
Tafsir al-Jalalayn 51,11:
Sie befinden sich in einem
Zustand der Stumpfheit und des Unwissens, der sie betäubt hat; achtlos
sind sie und nehmen keine Notiz vom Jenseits.
Der nächste Vers macht die
gleiche Aussage. Hier wird versichert, daß der
„gläubige Mann“ eben
deshalb kein Lügner ist, weil er die
„deutlichen
Zeichen von eurem Herrn“
kundtut:
Sure 40, Vers 28:
Und es sprach ein gläubiger Mann von Pharaos Haus, der seinen Glauben
verbarg: “Wollt ihr einen Mann töten, weil er spricht: “Mein Herr ist
Allah” wo er zu euch kam mit den deutlichen Zeichen von eurem Herrn? Wenn
er ein Lügner ist, so komme seine Lüge auf ihn; ist er jedoch wahrhaftig,
so wird euch ein Teil von dem, was er euch androht, treffen. Siehe, Allah
leitet keinen Übertreter und Lügner.”
Tafsir al-Jalalayn 40, 28:
Ein im Versteckten gläubiger Verwandter des Pharao ... sagte folgendes:
„Würdest du einen Mann umbringen, der behauptet, daß sein Herr Allah sei,
obwohl er dir ebenfalls deutliche Zeichen und offenkundige Wunder von
deinem Herrn gebracht hat? Falls er lügt, wird seine Verlogenheit zu
seinem Nachteil gereichen, d.h. der durch sein Lügen verursachte Schaden
wird ihn selbst treffen. Falls er aber wahrhaftig ist, so wird dich bald
ein Teil womit er dich bedroht, als Strafe treffen. Wahrlich, Allah leitet
nicht den Verlorenen, den Götzendiener, den Lügner.
In diesen Versen aus der
mekkanischen Zeit wird von der Zurückweisung - oder eben Leugnung - von
Allahs Versicherung Seiner eigenen Existenz und des Jüngsten Gerichtes
gesprochen.
Die Enzylopädie
des Koran schreibt zum Thema des Lügens:
„Die
streitbare Art der koranischen Offenbarung und ihre weitschweifige Natur
erwähnen als eine der häufigsten Sünden die Lüge. Darüber hinaus
beschreibt sich der Koran oft als „die Wahrheit“ und stellt fest, daß
Allah die Welt „in Wahrheit“ erschaffen hat.
Sure
46, Vers 3: Wir erschufen
die Himmel und die Erde und was zwischen beiden allein in Wahrheit und zu
einem bestimmten Termin; aber die Ungläubigen wenden sich von der
Wahrheit, die ihnen wird, ab.
►
Verse, die den Koran interpretieren und rühmen
Damit
wird Unehrlichkeit
(Ableugnung des Islam und Beigesellung anderer Götter)
ein
zentrales Charakteristikum von Unglauben (kufr) und Polytheismus (schirk)“
Sure
16, Vers 39: Auf daß er
ihnen klarmacht, worüber sie uneins sind, und damit die Ungläubigen
wissen, daß sie Lügner waren.
Sure
29, Vers 17: Ihr dienet
außer Allah nur Götzenbildern und schufet eine Lüge. Siehe, diejenigen,
denen ihr außer Allah dienet, vermögen euch nicht zu versorgen. Drum
begehret von Allah die Versorgung und dienet Ihm und danket Ihm; zu Ihm
kehrt ihr zurück.
Die
Schwere des Sakrilegs der Lüge kommt in der wiederholten Frage:
„Wer ist sündiger, als wer wider Allah eine Sünde ersinnt und Seine
Zeichen der Lüge zeiht?“
zum
Ausdruck. Sie wird an neun Stellen gestellt: 6.21; 6,93; 6,144; 7,37;
10,17; 11,18; 18,15; 29,68; 61,7“
(Encyclopaedia of the Qur’an,
Brill, Leiden + Boston, 2006, Seite 181)
Die Forderung, nicht falsches
Zeugnis abzulegen, bedeutet demnach, keine Lügen gegen Allah auszusprechen
und Ihm keine Götter zur Seite zu stellen.
„Aus dem Munde von
Ungläubigen wird solche Falschheit als eine der schlimmsten Sünde
angesehen.“
(Ebenda):
Sure 4, Vers 50: Schau
wie sie Lüge gegen Allah ersinnen; und dies genügt als offenkundige Sünde.
Sure 6, Vers 21: Und wer
ist sündiger, als wer wider Allah eine Lüge ersinnt und Seine Zeichen der
Lüge zeiht? Siehe, den Sündern geht es nicht wohl.
Sure 7, Vers 37: Und wer
ist sündiger, als wer wider Allah eine Lüge ersinnt oder Unsere Zeichen
der Lüge zeiht? ...
Die Sünde des
Lügens wird im Koran also als Zurückweisung und Infragestellung - oder
eben Verleugnung - der Heilsbotschaft Allahs definiert, was die
Beigesellung
►
Schirk
einschließt.
Der Islam
erkennt in der Lüge demnach die schwere Sünde des Unglaubens.
Die Zurückweisung des Islam
macht sich bei Ungläubigen logischerweise durch einen Lebensvollzug
bemerkbar, der sich in religiöser, gesellschaftlicher und politischer
Hinsicht vom islamischen unterscheidet. Das müssen nun die Rechtgeleiteten
nicht einfach hinnehmen. Im Kapitel
►
Ungläubige machen von Allahs Weg abwendig
behandeln wir einen Vers,
welcher darauf hinweist, daß sich Ungläubige mit ihrem Unglauben nicht nur
Allah gegenüber schuldig machen - nein, durch ihre schiere Existenz
hindern sie Muslime daran, gottgefällig leben zu können.
Ungläubige sind demnach allein schon durch ihren Unglauben schuldig.
Es droht für die Rechtgeleiteten Versuchung.
►
Fitna
Folgerichtig
wird im ersten (51;10) der hier zitierten Verse der Tod der Ungläubigen
gefordert: „Tod
den Lügnern”.
Einmal mehr kann man feststellen, daß Allah das Gewaltkonzept des Islam
schon in Mekka anlegte.
In Medina ließ Er es von Seinem Gesandten dann in die Tat umsetzen.
Auch in einem Hadith-Beleg wird
der große Wert von Wahrhaftigkeit hervorgehoben. Es geht hier ebenfalls um
die Annahme bzw. Zurückweisung der koranischen Botschaft, denn die
Formulierung „ein
Mensch
mag solange lügen bis ihn Allah als
Lügner deklariert“
besagt, daß spätestens am Tage
des Gerichts die Wahrheit offenkundig wird:
Bukhari V8 B73 N116 berichtet von Abdullah:
Der Prophet sagte: „Wahrhaftigkeit führt zu
Rechtschaffenheit, Rechtschaffenheit zum Paradies. Ein Mensch muß
unaufhörlich die Wahrheit sprechen, bevor er wahrhaftig werden kann.
Unwahrheit führt zu Verruchtheit (Al-Fajur), Verruchtheit zum
Höllenfeuer. Ein Mensch mag solange lügen bis ihn Allah als Lügner
deklariert.
Verse, welche
die Ableugnung von Allahs Offenbarungen beinhalten sind im Koran extrem
redundant. Der Allmächtige hat bei jeder Auseinandersetzung Seines
Gesandten mit den mekkanischen Polytheisten wie auch mit Christen und
Juden eine Offenbarung ähnlichen Inhalts herniedergesendet. Zu jeder
Offenbarung gehört ein Offenbarungsereignis.
►
Wiederholungen im Koran
Die
Enzyklopädie des Koran schreibt
dazu:
„Im
Koran werden verschiedene Formen des Verbs „kadhaba“ (lügen) zweiundachzig
mal verwendet, „iftara“ (Lüge ersinnen) sechzig mal und „ifk“ im Sinne von
„Lüge“ dreizehn mal.“
(Encyclopaedia of the Qur’an, Brill, Leiden + Boston, 2006, Seite 181) Das
Themenregister des Koran „Lan Tabur“ führt unter dem Stichwort „Lüge“
zweiundvierzig Verse auf,
unter dem Stichwort „lügen“ zwei und unter dem Stichwort „Lügner“
vierzehn. (Lan Tabur, Verlag Islamische Bibliothek, Köln, 1993, Seiten 623
f) Die unterschiedliche Zählart hat mit den unterschiedlichen
Übersetzungen zu tun.
Wie die untenstehende
Zusammenstellung belegt, sind in der Tat die meisten Verse über die
schwere Sünde der Ableugnung der koranischen Heilsbotschaft in
Mekka und nicht in
Medina offenbart worden.
Das entspricht auch der gängigen Erkenntnis: es hat sich aufgrund der
Verfügbarkeit weltlicher Macht in Medina für Mohammed (bzw. Allah)
weitgehend erübrigt, die Ungläubigen nur zu belehren und ihnen jenseitige
Strafe anzudrohen. Jetzt werden sie mit dem Schwert bekämpft:
3;61, 3;71, 3;78, 3;94, 4;48, 4;50, 5;103,
6;5, 6;21, 6;24, 6;28, 6;34, 6;57, 6;66,
6;93, 6;140, 6;144, 6;150, 7;37, 7;89, 9;107, 10;17, 10;41, 10;59, 10;60,
10;69, 11;18, 11;50, 15;91, 16;39, 16;62, 16;86, 16;105, 16;116, 18;15,
20;61, 21;18, 22;30, 22;44, 22;62, 23;44,
24;11,
25;4, 29;3, 29;13, 29;17, 29;68, 34;8, 34;43, 35;4, 35;25, 37;86, 37;151,
38;12, 39;3, 39;32, 39;60, 40;28, 42;24, 45;7, 45;27, 46;11, 46;28, 50;12,
51;10,
61;7,
72;5