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Gewaltmonopol - bei Gott oder beim Menschen?

Das Gewaltmonopol liegt in allen Weltreligionen ausser dem Islam ausdrücklich bei Gott. Göttliche Gewalt, wie sie zum Beispiel im Alten Testament in vielfältigster Weise beschrieben wird, ist als Seine Strafe (Niederlage in Kriegen, Naturkatastrophen, Ausradierung der Schöpfung, Krankheiten, Vernichtung ganzer Völker etc.) zu verstehen und zwar wegen Ungehorsams gegen die von Ihm gesetzten Gebote.

Die mannigfachen göttlichen Befehle zu Gewaltanwendung gegen bestimmte Völker, sie zu bekriegen oder gar auszurotten, müssen als Willen des Schöpfers interpretiert werden, als gezielte einmalige göttliche Strafaktionen einer historisch klar abgegrenzten Periode, die vor mehr als 2500 Jahren ihren Abschluss gefunden hat. Kraft seiner unumschränkten Macht steht es gemäss dem alttestamentarischen Glaubensverständnis Gott frei, gewaltsam in die Geschicke der Menschen einzugreifen.

Die im Alten Testament beschriebenen göttlichen Aufrufe zur Gewalt gegen bestimmte Völker (übrigens auch gegen Sein auserwähltes Volk, die Israeliten) erfolgten situativ und lassen deshalb keine Generalisierung zu in dem Sinne, dass daraus für den Menschen das Recht, oder die Pflicht, "Heilige Kriege" zu führen abgeleitet werden kann.

Zum alttestamentarischen Verständnis von göttlicher Gewaltanwendung drängen sich eine ganze Reihe von Fragen auf, deren Beantwortung den Umfang dieser Arbeit sprengt. Die vordringlichste wäre sicher die, warum der Allmächtige denn ausgerechnet im Vorderen Orient so dramatisch in Erscheinung getreten ist und nur dort Götzen, andere Götter und verderbte Völker so heftig bekämpft hat (oder hat bekämpfen lassen) und nicht auch in Indien, China, Australien, Europa und Amerika. Jedenfalls fehlen von diesen Gebieten entsprechende Berichte des Einen Gottes und Seines eifersüchtigen Eingreifens.

Wir sind also betreffend Gewaltanwendung durch die koranische Botschaft des "Heiligen Krieges" mit einer grundlegenden Differenz betreffend deren Legitimation konfrontiert.

Das Gewaltmonopol ist im Islam eben nicht mehr bei Gott, sondern wird dem einzelnen Gläubigen als Pflicht übertragen.  Das islamische Dogma verändert das alttestamentarische Verständnis von Gewalt nicht graduell sondern substantiell.

Der Unterschied im Umgang mit Gewalt ist also ein theologischer. Eine weitere Darstellung, welche die Frage der Gewaltanwendung in den drei monotheistischen Religionen vertieft darstellt finden Sie in ►Anhang 5

 

© Arbeitskreis Religion und Menschenrechte