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Gewaltmonopol - bei Gott oder beim Menschen?

Die höhere Tugend braucht keine Gewalt,
trotzdem bleibt nichts ungetan.
Die niedrige Tugend braucht Gewalt,
trotzdem erreicht sie damit nichts.

Laotse

 

Lesen Sie dieses Kapitel im Zusammenhang mit:
Sind Judentum und Christentum so gewalttätig wie der Islam?

Die Frage von religiös motiviertem Krieg gegen Andersgläubige hat in Bezug auf das muslimische Konzept des jihad, der Aufforderung zum „Einsatz für die Sache Allahs mit Gut und Blut“ zu nicht enden wollenden Diskussionen in der Beurteilung von Gewalt im Judentum und im Christentum geführt. Dabei werden unseres Erachtens regelmäßig zwei große Denkfehler gemacht:

 

1. Gewalt ist nicht Gewalt

Bei kriegerischer Gewalt ist zwischen Verteidigungskriegen und offensiven Kriegen zu unterscheiden. Die Indianer Nordamerikas waren zweifellos legitimiert, die eindringenden Europäer zu bekämpfen. Ebenso die Völker Europas, als sich die Mauren und Türken anschickten, den ganzen Kontinent zu überrennen. Das christliche Gebot der Feindesliebe sowie die Anweisung, „die andere Wange auch hinzuhalten“ wenn man geschlagen wurde, haben keine Gültigkeit für ein Staatswesen, auch nicht für eine christliche Nation. Ihre Obrigkeit hat die Pflicht, die Bürger gegen die Macht des Bösen, gegen feindliche Angriffe und Vernichtung zu schützen - nötigenfalls auch mit (kriegerischem) Einsatz. Würde man dem Bösen Raum geben, hätte man das Gute preisgegeben. Es gibt keine Feindesliebe zwischen Völkern und Staaten.

Den Feind zu lieben ist eine moralische Anweisung von hohem ethischem Wert und fordert den einzelnen Menschen. Sie soll den Reflex des Individuums zum Zurückschlagen überwinden und setzt die Bereitschaft zur Selbstbefragung und Überprüfung der eigenen Motivationslage voraus. „Die andere Wange hinzuhalten“ ist eine bildhafte Umschreibung der Aufforderung an Christen, den Gegner in seiner unbewußten Bedingtheit zu sehen und auch ihn einzuladen zu bedenken, was er getan hat.

Im zwischenmenschlichen Bereich soll die Spirale von Gewalt und Gegengewalt überwunden werden. Sie führt die Menschen in immer tiefere unauflösbare Verstrickungen. Gewalt ist nicht ein Naturgesetz, das sich jedenfalls Bahn brechen muß.

In der Tat ist (weitgehende) Gewaltfreiheit unabdingbare Grundlage für Rechtssicherheit und Freiheit des Individuums - ihrerseits Fundamente westlicher demokratischer Gesellschaftsformen.

 

2. Theologie und Geschichte werden verwechselt

Wenn Christen, Juden oder Muslime gewalttätig, d.h. kriegerisch gegen Andersgläubige in Aktion treten, muß man untersuchen, ob dieses Vorgehen mit dem jeweiligen Dogma in Übereinstimmung ist oder nicht. Mit anderen Worten: Finden wir in den heiligen Schriften dieser Religionen eine allgemein gültige zwingende Aufforderung Gottes an die Gläubigen, andere Völker zu bekämpfen mit der Absicht, sie zu bekehren - und dies mit einem offenen Zeithorizont? 

2.1. Altes Testament

Untersuchen wir dazu zuerst göttlich induzierte Gewalt, wie sie im Alten Testament beschrieben wird:

  • Naturkatastrophen

  • Sintflut

  • Krankheiten

  • Vernichtung ganzer Völker

  • Niederlage in Kriegen

  • Deportation in die Sklaverei

  • etc.

Diese gewalttätigen Eingriffe sind als Strafe des Einen Gottes zu verstehen und zwar wegen Ungehorsams gegen die von Ihm gesetzten Gebote.

Bezüglich dem Thema dieser Arbeit, dem „Heiligen Krieg“, interessieren allerdings nur die Stellen im Alten Testament, die von Gott im Sinne der „Aufforderung zum Krieg gegen Andersgläubige“ offenbart wurden. Dazu untersuchen wir die einzige Begebenheit, welche für die dogmatische Ausarbeitung einer religiös gerechtfertigten Eroberungs- und Unterwerfungsstrategie überhaupt in Frage kommen könnte. Es ist der Auszug der Israeliten aus Ägypten und die Eroberung des Landes Kanaan: Wir haben diese Geschichte detailliert dargestellt:

Landnahme von Kanaan

Die in diesem Bericht offenbarten mannigfachen göttlichen Befehle zur Gewaltanwendung gegen bestimmte Völker, sie zu bekriegen und auszurotten, müssen als Willen des Schöpfers interpretiert werden; als gezielte einmalige göttliche Strafaktionen einer historisch klar abgegrenzten Periode, die vor mehr als 2500 Jahren ihren Abschluß gefunden hat. Kraft Seiner unumschränkten Macht steht es gemäß dem alttestamentarischen Glaubensverständnis Gott frei, gewaltsam in die Geschicke der Menschen einzugreifen. 

Die vor allem in den Büchern Deuteronomium und Josua beschriebenen göttlichen Aufrufe zur Gewalt gegen bestimmte, namentlich erwähnte Völker wurden nicht als allgemeingültige Gebote erlassen. Sie können deshalb keine dogmatische Grundlage abgeben zugunsten einer Doktrin religiös legitimierter Gewaltanwendung zur Glaubensverbreitung. Man kann aus den deskriptiven Berichten des alten Testamentes kein Recht und keine Pflicht ableiten, wonach der Mensch „Heilige Kriege“ führen soll. Dementsprechend sind weder im Judentum noch im Christentum entsprechende Dogmen ausgearbeitet worden.

2.2. Neues Testament

Gemäß christlichem Verständnis zeigt sich die Allmacht Gottes in der (physischen) Erschaffung und Erhaltung der Welt, in Seiner bedingungslosen Liebe zum Menschen und in Seiner Beurteilung eines jeden Menschenlebens nach dessen Tod. Für religiös motivierte Gewalt, d.h. von Gott den Christen als Gebot auferlegte Kriegsanstrengungen mit dem Ziel, den christlichen Glauben anderen Menschen aufzuzwingen, finden wir im Neuen Testament keine Grundlagen.

Die Kreuzzüge dienten der Rückeroberung des „Heiligen Landes“, welches ja vor der Annektierung durch die Muslime christliches und jüdisches Kernland war und waren eine Verteidigungsanstrengung gegen die seit 470 Jahren andauernde massive islamische Aggression.

Es ist Zeit zu sagen: "Jetzt reicht es"
1400 Jahre islamische Expansion, islamischer Imperialismus und islamischer Sklavenhandel Der Kreuzzug gegen Mahdia

2.3. Koran

Um die völlige Andersartigkeit des islamischen Verständnisses von Gewaltentwicklung zur Glaubensverbreitung und die politische Dimension der zeitlich unlimitierten Pflicht zum jihad verständlich zu machen, haben wir hier auf einen Begriff aus dem Staatsrecht zurückgegriffen:

Das Gewaltmonopol

In jeder westlichen Demokratie mit funktionierender Gewaltentrennung ist das Gewaltmonopol beim Staat und wird durch die Polizeiorgane ausgeübt. Selbstjustiz und Gewaltanwendung in irgendeiner Form (außer Notwehr) sind verboten.

Wie steht es nun mit göttlicher sanktionierter Gewaltentwicklung und ausdrücklichen Legitimierung beziehungsweise Verpflichtung zu Gewaltanwendung durch die Muslime im Islam? Außer Betracht fallen in dieser Untersuchung gewalttätige Gebote wie das Steinigen von Ehebrechern, Blutrache, die Versklavung von Kriegsgefangenen, das Abhacken von Gliedmassen, das Schlagen von Frauen, Ehrenmorde, die Lynchjustiz an Andersdenkenden und die Ermordung von Apostaten. All diese gewalttätigen Gebote und Usanzen gehören zwar wesenhaft zum Islam aber wir konzentrieren uns in dieser Arbeit auf die Gewalt zur Glaubensverbreitung, den „Heiligen Krieg“.

Sure 9, Vers 38: O ihr, die ihr glaubt, was war euch, daß, als zu euch gesprochen ward: „Ziehet hinaus in Allahs Weg“, ihr euch schwer zur Erde neigtet? Habt ihr mehr Wohlgefallen am irdischen Leben als am Jenseits? Aber der Niesbrauch des irdischen Lebens ist gegenüber dem Jenseits nur ein winziger.

Sure 9, Vers 39: So ihr nicht ausziehet, wird Er euch strafen mit schmerzlicher Strafe, und ein anderes Volk an eure Stelle setzen; und ihr schadet Ihm nichts, denn Allah hat Macht über alle Dinge.

Sure 9, Vers 41: Ziehet aus, leicht und schwer, und eifert mit Gut und Blut in Allahs Weg. Solches ist besser für euch, so ihr es begreifet.

Auch in diesen Versen erteilt der islamische Gott Seinen Gläubigen den unmißverständlichen Befehl, „mit Gut und Blut in Allahs Weg“ zu kämpfen, ja Er droht Seinen Untergebenen sogar an, sie auszulöschen und „ein anderes Volk an eure Stelle zu setzen“, wenn sie dem Kampfbefehl nicht nachkommen und „mehr Wohlgefallen am irdischen Leben als am Jenseits“ haben.

Androhung von Strafe bei der Verweigerung der Loyalität
Die Strafgerichte der Völker - die Straflegenden

„Der Mensch im Islam wird nicht im Sinne seiner unverwechselbaren Individualität definiert und gefördert, sondern im Sinne des medinensischen Modellmuslim vereinheitlicht und manipuliert. Das Gesamte des Islam wird nicht im Sinne einer vom Glauben geförderten Vernunft aktiviert, sondern faßt sich als fundamentaler Gegensatz zum Unglauben auf, der mit einer umfassenden Gewaltlizenz ausgestattet ist.“ (H.P. Raddatz, Von Allah zum Terror?, Seite 83, Herbig Verlag, München, 2002)

Und diese Gewaltlizenz wird jedem einzelnen Gläubigen als Pflicht übergeben. Allah teilt Seine Allmacht mit den Gläubigen; in gewissem Sinne hat Er sie sogar aus der Hand gegeben, das Gewaltmonopol liegt bei den Muslimen. Außer Frage steht, daß die mujahidun, die Glaubenskämpfer, welche sich bei ihrem Tun der Rechtleitung Allahs erfreuen dürfen, die ausgefeilten schariatischen Kriegsregeln einhalten müssen, welche von der ulema aus der Trilogie abgeleitet wurden:

Der jihad im Spiegel der islamischen Rechtswissenschaft (fiqh)
Auszüge aus islamischen Gesetzeswerken zum jihad

Wir sind also betreffend Legitimation von Gewalt durch das koranische Diktat des "Heiligen Krieges" mit einer grundlegenden Differenz zu den Berichten des Alten Testamentes und der Botschaft des Neuen Testamentes konfrontiert. Der Unterschied im Umgang mit Gewalt ist ein theologischer.

Jeder Muslim ist aufgerufen, zur weltweiten Durchsetzung des Islam kriegerische Gewalt anzuwenden. Ja er ist sogar ausdrücklich dazu verpflichtet - und er soll die Ungläubigen (kafir) über seine wahren Absichten täuschen.

taqiyya: Krieg, Frieden und Täuschung im Islam

Das islamische Dogma verändert das alttestamentarische Verständnis von Gewalt nicht graduell sondern substantiell und gewinnt dabei eine eindeutig politische Dimension.

Koranverse zum "Heiligen Krieg" mit Exegese
Texte aus den ahadith zum jihad
Gesamteinsatz zur Erlangung des Heils 
Der "Heilige Krieg" als Pflicht und Prüfung für die Gläubigen
Mohammeds Handlungen sind von Allah göttlich legitimiert
Ziel des "Heiligen Krieges" 

Wie die beiden folgenden Untersuchungen belegen, ist das Gebot, die Sache Allahs mittels irdischer Gewaltanwendung zu befördern heute noch so aktuell wie während der langen Geschichte des Islam.

Große Gewaltbereitschaft unter jungen Muslimen

Die Welt, 20. Dezember 2007

Jeder vierte junge Anhänger des Islam ist laut einer Studie des Innenministeriums zu Gewalt gegen Andersgläubige bereit. Insgesamt hat die Religion für viele Muslime hierzulande eine große Bedeutung. Was das Verhältnis zur Demokratie angeht, sind sich allerdings Muslime und Nicht-Muslime sehr ähnlich.

Zahlreiche in Deutschland lebende Muslime sind laut einer Studie zu Gewalt gegen Andersgläubige bereit. Das treffe auf jeden vierten jungen Islam-Gläubigen hierzulande zu, schreibt die „Frankfurter Rundschau“ unter Berufung auf die von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) in Auftrag gegebene Studie. Zudem habe sich gezeigt, dass die Religion innerhalb der muslimischen Bevölkerung eine enorme, bei jungen Leuten noch wachsende, Bedeutung habe.

40 Prozent der Muslime ordne die Studie als fundamental orientiert ein, mit klaren religiösen Orientierungsmustern und Moralvorstellungen. Eine kleine Gruppe von sechs Prozent werde als „gewaltaffin“ eingestuft. Immerhin 14 Prozent der Befragten, von denen knapp 40 Prozent einen deutschen Pass hatten, stünden mit der Rechtsstaatlichkeit auf Kriegsfuß und zeigten eine problematische Distanz zur Demokratie, schreibt die Zeitung.

Laut der Erhebung der Hamburger Sozialforscher Peter Wetzel und Katrin Brettfeld identifizierten sich zwölf Prozent der Muslime in Deutschland mit einer stark religiös-moralischen Kritik an westlichen Gesellschaften, kombiniert mit der Befürwortung von Körperstrafen bis hin zur Todesstrafe. Schäuble sehe darin ein „ernstzunehmendes islamistisches Radikalisierungspotenzial“, schreibt die Zeitung.

Quelle: http://www.welt.de/politik/article1478928/Grosse_Gewaltbereitschaft_unter_jungen_Muslimen.html

 

Washington, 18. Dezember 2009 (UPI)

Gemäß einer neuen Studie betrachten es über 35% der befragten Ägypter und Saudis als ihre Pflicht, die Gotteskrieger (mujahedin) vor Ort finanziell zu unterstützen, meint ein Fachmann.

Private Umfragen von ägyptischen und saudiarabischen Bürgern zeigen Trends in der öffentlichen Meinung in bezug auf jihadi Gruppen wie al-Qaida.

David Pollock, ein Assistent am Institut für Nahostpolitik in Washington (The Washington Institute for Near East Policy) sagte, daß Umfragen ergäben, daß 35% der Befragten es als „eine islamische Pflicht“ betrachteten, muslimische Kämpfer weltweit zu unterstützen.

Er fügte hinzu, daß – obwohl viele der Befragten behaupteten, sie würden al-Qaida nicht unterstützen – allerdings über 40% sagten, sie nähmen an, daß jedoch andere muslimische Gruppierungen innerhalb der weltweiten islamischen Gemeinde (ummah) die militante Botschaft dieser Gruppe unterstützen würden.

Weiter sagte er, daß die öffentliche Unterstützung für den radikalen Islam zwar abnehme, daß hingegen die Annahme der Verpflichtung zu finanzieller Unterstützung besorgniserregend sei.

Quelle:
http://www.jihadwatch.org/2009/12/survey-35-of-egyptian-saudi-respondents-consider-it-a-religious-duty-to-support-jihad-financially.html

Die im obigen Artikel erwähnte Pflicht, den bewaffneten Kampf auch finanziell zu unterstützen leitet sich aus dem Koran ab:

Sure 2, Vers 195: Und spendet in Allahs Weg und stürzt euch nicht mit eigener Hand ins Verderben; und tut Gutes, denn siehe, Allah liebt die Gutes Tuenden.

Tafsir al-Jalalayn 2, 195: Und spendet in Allahs Weg indem ihr Ihm Mittels heiligem Kampf oder ähnlichen Handlungen gehorcht. Legt weder eure Hände in den Schoß noch werft euch in euer eignes Verderben indem ihr Spenden für jihad zurückhält oder ihn (den heiligen Kampf) ein für alle Mal aufgebt. Denn dies bietet eurem Feind einen Vorteil über euch. Seid tugendhaft im Spenden etc.; denn Allah liebt die Tugendhaften indem Er sie belohnt.

Auch die sunnah kommentiert diesen Vers:

Bukhari V6 B60 N41, berichtet von Abu Wail: Hudhaifa sagte: Vers 195 aus Sure 2 „Und spendet in Allahs Weg und stürzt euch nicht mit eigener Hand ins Verderben“ wurde offenbart im Zusammenhang mit  der „Sache Allahs“ d.h. dem jihad.

 

© Arbeitskreis Religion und Menschenrechte