Gesamteinsatz zur Erlangung des Heils
Der Einsatz für Allah "mit
Gut und Blut" wird im Koran
unmißverständlich
von jedem Gläubigen
verlangt. ►
jihad
Man kann sich durchaus die
Frage stellen, ob die Einführung eines expliziten Gewaltkonzeptes in das
religiöse Gebäude des Islam von den realen Bedingungen her gesehen
wirklich notwendig war. Immerhin waren die Muslime in Medina sicher und in
einem Stammesverband aufgehoben. Zudem standen das Gesetz der Blutrache
und die engen verwandtschaftlichen Bande der Ausgewanderten mit den
Mekkanern der Ausübung von Gewalt in grösserem Umfange eigentlich
entgegen. Auch die räumliche Entfernung zu Mekka (350 km), eine für
damalige Verhältnisse doch grosse Distanz, spricht dagegen,
daß
die Quraisch gegen
Mohammed kriegerisch vorgegangen wären. Ferner geht aus der Geschichte
klar hervor,
daß
nicht die Quraisch die
Aggression gegen Mohammed, sondern
daß
dieser durch seine
►
razzien die Feindseligkeiten eröffnet hat.
►
Die ersten 4 Kriegszüge
►
Nahla-Expedition
1. Die bisherigen
Botschaften
Die Frage nach der
Notwendigkeit von Gewalt ist zwar interessant, weil man annehmen darf,
daß
die Gemeinde auch ohne Expansionskampf überlebt hätte. Der Islam hätte
eine andere Entwicklung genommen und wäre möglicherweise eine regionale
Erscheinung geblieben. Solche Erwägungen bleiben allerdings Spekulation,
denn der im Koran dokumentierte Wille Allahs und Seine Befehle gehen ganz
offensichtlich in eine andere Richtung.
Gemäß
islamischem Dogma sind die im Koran niedergeschriebenen Offenbarungen die
letzte Botschaft des Einen Gottes.
►
tauhid Dieser
letzte Durchbruch göttlicher Willensbekundung in die Welt der Menschen
ergänzt, gemäss islamischer Theologie, die bisherigen Botschaften an die
Propheten und korrigiert all die angeblichen Verfälschungen und
Missdeutungen, deren sich Christen und Juden schuldig gemacht haben.
►
Schriftverfälschung.
"Gemäß islamischer
Sichtweise der Genesis der Welt wird diese in ihren Anfängen nicht von
einem, sondern von vielen verschiedenen Völkern bewohnt. Jedem wurde von
Allah eine eigene göttliche Ordnung mitgegeben. Zu jedem Volk sandte Er
einen Propheten, welcher dieses Gesetz übermittelte. Damit wurde eine
verbindliche Übereinkunft zwischen Ihm und dem jeweiligen Volk eingesetzt.
Die Welt vor Mohammed wird also nicht als einheitliche Welt aufgefasst
sondern als eine aus verschiedenen Teilen zusammengesetzte (eine
pluralistische Welt): Jedes Volk lebte entsprechend Allahs Geboten, die
ihm von seinem Propheten übermittelt worden waren. Aber alle, eines nach
dem anderen, haben ihre Verträge gebrochen und die Lehren der Propheten
korrumpiert. Es wurden viele (göttliche) Warnungen ausgesprochen, aber
alle erfolglos. Es drängte sich also für Allah zwingend auf, eine
abschliessende Anstrengung zu unternehmen und Er entschied sich dafür,
Mohammed als letzten Propheten (das ‘Siegel’ der Propheten) auf die Erde
zu entsenden, um alle verfälschten Lehren richtig zu stellen und eine
einheitliche Ordnung einzuführen. Mohammed warnte zuerst sein eigenes Volk
und rief dann die anderen Völker auf, seine Mission anzunehmen. Mohammeds
Lehren sollen also die endgültige Religion (versinnbildlicht mit dem
Begriff ‘Islam’) für alle Völker durchsetzen.“
(Majid
Khadduri, War and Peace in the Law of Islam, The Lawbook Exchange, Clark,
New Jersey, 2006, Seite 7f)
►
Die Botschaften an
alle Nationen und der Koran: die letzte Botschaft
Jetzt ist es Allah ernst. Jetzt soll aller Unglaube
ausgerottet werden, nötigenfalls mit Gewalt. Der Prophet und seine
Gemeinde folgen den göttlichen Geboten. Die in Mekka offenbarten Gebote
zum Verrichten des Gebetes und dem Spenden von Almosen wie zum Beispiel
in:
Sure 22, Vers 77:
O ihr, die ihr glaubt, beugt euch und werfet euch nieder und dienet eurem
Herrn und tut das Gute; vielleicht ergeht es euch wohl.
werden,
gemäß Ibn Ishaq, kurz vor der ►
hijra,
durch den ersten Kampfbefehl ergänzt:
Sure 22, Vers 39: Denjenigen, die
gegen die Ungläubigen kämpfen, ist die Erlaubnis zum Kämpfen erteilt
worden, weil ihnen vorher Unrecht geschehen ist. - Gott hat die Macht,
ihnen zu helfen.
Übersetzung nach R. Paret
In diesem Befehl wurde auch
die gedemütigte
Gemütsverfassung des Propheten berücksichtigt.
Der Rachegedanken, der den nun
beginnenden Kämpfen zugrunde liegt ist unverkennbar:
Sure 22, Vers 60: So wird es sein.
Und wer sich Recht verschafft nach dem Masse des Unrechts, das ihm
angetan ward, und alsdann wieder Gewalt erleidet, wahrlich, dem wird
Allah helfen. Siehe Allah ist vergebend, verzeihend.
Gegenüber den Widersachern
soll nun eine explizit aggressive Haltung eingenommen werden. Dies war in
Medina möglich, da Mohammed seine Kräfte nicht nur an Zahl der Gläubigen,
sondern auch logistisch bündeln und verstärken konnte. Die Offenbarungen
kommen also gerade zur rechten Zeit.
Der für den Leser
eigentümlich anmutende Umstand,
daß
die realen Taten, Erfahrungen und Erkenntnisse des Propheten immer von
passenden Offenbarungen begleitet werden, weist
gemäß islamischem Glaubensverständnis auf einen göttlichen
Plan und auf Allahs permanente Führung hin. Die ganze Entwicklung war
schon im seit Anbeginn bestehenden Buche festgelegt.
Es handelt sich dabei um das bei Allah aufbewahrte, seit Ewigkeit
existierende Original des Korans
►
Urschrift:
Sure 43, Vers 4: Und siehe, es ist
die Mutter der Schrift bei Uns - und wahrlich ein hohes, ein weises.
2.
jihad als Prüfung und Auszeichnung
Allahs
Daraus entnimmt der
Allmächtige all die Offenbarungen, die Er, portionenweise, jeweils immer
zum richtigen Ereignis, Seinem Propheten herniedersendet. Dazu R. Paret:
"Wichtig
ist,
daß
alle Geschichte, also auch das Zeitgeschehen, als Heilsgeschichte
verstanden wird, d.h. als Geschehen, das sich nach dem Ratschluss Gottes
vollzieht und den Menschen zum Heil dient."
(R. Paret, Mohammed
und der Koran, Seite 133, Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart, 1980).
Diese theozentrische
Weltsicht und Sinndeutung des "Heiligen Krieges" besagt,
daß
alle Schlachten, Raubzüge, Auftragsmorde, Niederlagen, Siege und
Übertretungen geltender Gesetze nicht nur mit dem Segen Allahs und unter
Seiner Oberaufsicht und Lenkung stattgefunden haben, sondern auch ein Akt
Seiner Barmherzigkeit an die Gläubigen sind. Diese sind von Allah dadurch
ausgezeichnet, daß
sie an den Kriegszügen teilnehmen dürfen:
Sure 4, Vers 95: Und nicht sind
diejenigen Gläubigen, welche daheim ohne Bedrängnis sitzen, gleich
denen, die in Allahs Weg streiten in Gut und Blut. Allah hat die, welche
mit Gut und Blut streiten, im Rang über die, welche daheim sitzen,
erhöht. Allen hat Allah das Gute versprochen; aber den Eifernden hat Er
vor den daheim Sitzenden hohen Lohn verheißen.
Sure 9, Vers 16:
Und wähnt ihr, ihr würdet verlassen sein, und dass Allah noch nicht
diejenigen kennt, die da stritten von euch und außer Allah und Seinem
Gesandten und den Gläubigen keinen zum Freund annahmen? Und Allah kennt
euer Tun.
Die Pflicht zum "Heiligen
Krieg" wird auch in folgender Offenbarung klar definiert. Hier kommt ganz
ausdrücklich der Wille Allahs zum Ausdruck,
daß der "Heilige Krieg" eine
Prüfung für jeden einzelnen Gläubigen ist. Wollte Allah, so könnte Er
diese Aufgabe selber erledigen. Er will dies aber nicht, sondern gibt
jedem Gläubigen mit der Verpflichtung zum "Heiligen Krieg" die
Möglichkeit, sich für den einzig wahren Glauben einzusetzen und
auszuzeichnen:
Sure 47, Vers 4:
Und wenn ihr die Ungläubigen trefft, dann herunter mit dem Haupt, bis
ihr ein Gemetzel unter ihnen angerichtet habt; dann schnüret die Bande.
Und dann entweder Gnade hernach oder Loskauf, bis der Krieg seine Lasten
niedergelegt hat. Solches! Und hätte Allah gewollt, wahrlich, Er hätte
selber Rache an ihnen genommen; jedoch wollte Er die einen von euch
durch die anderen prüfen. Und diejenigen, die in Allahs Weg getötet
werden, nimmer leitet Er ihre Werke irre.
Zum Gewaltkonzept schreibt
T. Nagel:
"Seitdem Mohammed in Medina erfolgreich das Gemeinwesen aufbaute, wurde
der lehrhafte Zug, der sich bisweilen schon in mekkanischen Suren zeigt,
immer bestimmender. Nicht mehr nur allgemein über das Wirken des Schöpfers
in der Geschichte mussten die Zuhörer aufgeklärt werden, auch unzählige
praktische Probleme, die sich nun stellten, harrten einer Lösung. Von
Belehrungen über alltägliche Verhaltensweisen bis hin zu allgemeinen
gesetzlichen Bestimmungen erweiterte sich jetzt der Inhalt des Korans.
Zudem gewann die Polemik, die gegen die Andersgläubigen geführt wurde,
zunehmend an Bestimmtheit und Schärfe.“
(T. Nagel: Der
Koran, Seite 76 f, Verlag C.H. Beck, München, 2002)
Sure 4, Vers 104: Und lasst nicht
nach in eurer Bereitschaft, den Feind aufzusuchen und zum Kampf zu
stellen! Wenn ihr unter den Beschwerden des Krieges zu leiden habt, so
hat er ebenso darunter zu leiden wie ihr. Ihr aber habt von Seiten
Gottes zu erhoffen, was er nicht zu erhoffen hat. Gott weiß Bescheid und
ist weise.
Sure 8, Vers 39: Und kämpfet wider sie, bis
kein Bürgerkrieg mehr ist und bis alles an Allah glaubt. Stehen sie ab,
siehe, so sieht Allah ihr Tun.
Sure 2, Vers 193: Und bekämpfet sie, bis die
Verführung zum Unglauben aufgehört hat, und der Glaube an Allah da ist.
Sure 61, Vers 4: Siehe, Allah liebt
diejenigen, welche in Seinem Weg in Schlachtordnung kämpfen, als wären
sie ein gefestigter Bau.
Das Kennzeichen
echter muslimischer Frömmigkeit findet sich in:
Sure 49, Vers 15:
Gläubige sind nur die, welche an Allah und seinen Gesandten glauben und
hernach nicht zweifeln und die mit Gut und Blut in Allahs Weg eifern.
Das sind die Wahrhaftigen.
3.
jihad als Kaufgeschäft
Nirgendwo deutlicher als in
folgenden Offenbarungen
definiert Allah, worum es beim "Heiligen Krieg" denn eigentlich geht,
nämlich um ein Kaufgeschäft. Allah
offeriert Beute und einen sicheren Platz im Paradies und die Gläubigen
erkaufen sich diese Güter indem sie
"töten und getötet werden".
Die Behauptung,
daß
derartig platte und gewalttätige Geschäfte schon in der Tora und im
Evangelium angeboten werden, ist eine der vielen Behauptungen des Korans
über die Schriften der "Schriftbesitzer":
Sure 4, Vers 74: Und so soll kämpfen
in Allahs Weg, wer das irdische Leben verkauft für das Jenseits. Und wer
da kämpft in Allahs Weg, falle er oder siege er, wahrlich dem geben wir
gewaltigen Lohn.
Sure 9, Vers 111:
Siehe Allah hat von den Gläubigen ihr Leben und ihr Gut für das Paradies
erkauft. Sie sollen kämpfen in Allahs Weg und töten und getötet werden.
Eine Verheißung hierfür ist gewährleistet in der Tora, im Evangelium und
im Koran; und wer hält seine Verheißung getreuer als Allah? Freut euch
daher des Geschäfts, das ihr abgeschlossen habt; und das ist eine große
Glückseligkeit.
4.
jihad als Darlehen an Allah
Etwas anders wird dieses
Kaufgeschäft in folgendem Vers beschrieben. Der Einsatz im Kampf wird als
Darlehen an den Herrn der Welten
gesehen, welches Dieser mehrfach verzinst:
Sure 2, Vers
244: Und
kämpfet in Allahs Weg und wisset, daß Allah hörend und wissend ist.
Sure 2, Vers 245: Wer ist es, der
Allah ein schönes Darlehen leiht? Er wird es ihm verdoppeln um viele
Male. Und Allah schließt und öffnet die Hand, und zu ihm müsst ihr
zurück.
Die Aufforderung, sich an
den Kampfhandlungen zu beteiligen
schließt
auch den
Einsatz von Gütern ein:
Sure 3, Vers 92: Nimmer erlangt ihr
Gerechtigkeit, ehe ihr nicht spendet von dem, was ihr liebt; und was
immer ihr spendet, siehe, Allah weiß es.
Das sind beileibe keine
Fehlinvestitionen, denn der Allmächtige wird
den vom
mujahid
in dieser Welt real getätigten Einsatz für Seine Sache am Ende der Tage
vergüten:
Bukhari V4 B52 N105: berichtet von
Abu Huraira: Der Prophet sagte: "Wenn jemand ein Pferd hält für die
Sache Allahs und durch seinen Glauben an Allah angetrieben ist und durch
seinen Glauben an sein Versprechen, dann wird er entlöhnt werden am
Jüngsten Tag für alles, was das Pferd gefressen und getrunken hat und
für seinen Mist und Urin."
Pferde, die für den
"Heiligen Krieg" verwendet werden sind also jedenfalls ein
gewinnbringender Einsatz, nicht erst im Jenseits, sondern schon hienieden:
Bukhari V4 B52 N104: berichtet von
Urwa Al-Bariqi: Der Prophet sagte: "Gott wird als bleibende Eigenschaft
auf der Stirne der Kampfpferde für den jihad bleiben bis zum Tage der
Auferstehung, damit sie entweder im Jenseits eine Belohnung bringen oder
Beute in dieser Welt."
Auf die weitreichenden Pläne
zur Eroberung der ganzen Welt, wozu Allah Seinen Propheten inspiriert und
verpflichtet hat, wurde schon hingewiesen. Die ahadith geben davon
Zeugnis:
Bukhari V4 B52 N187: berichtet von
Abdullah bin Abbas: Der Prophet Allahs schrieb einen Brief an Cäsar in
welchem er sagte: "Wenn du den Islam zurückweist, wirst du
verantwortlich sein für die Sünden deiner Landsleute."
Bukhari V4 B52 N189:
berichtet von Anas: Als der Prophet an den Führer der Byzantiner einen
Brief schreiben wollte wurde er darüber unterrichtet,
daß dieser Briefe
ohne Siegel nicht lesen würde. Also nahm der Prophet einen Silberring ….
und setzte auf den Brief den Stempel: "Muhammad, der Prophet Allahs."
Bukhari V4 B52 N190:
berichtet von Abdullah bin Abbas: Der Prophet Allahs sandte einen Brief
an Khusrau und trug dem Boten auf, diesen dem Herrscher von Bahrain zu
übergeben welcher den Brief dann Khusrau aushändigen sollte. Als Khusrau
den Brief gelesen hatte zerriss er ihn. Said bin Al-Musaiyab sagte: "Der
Prophet rief darauf Allah an, Khusrau völlig zu zerstören."