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"Fitna" und der Kampf gegen die Polytheisten

Die Versuche, die Mekkaner zu bekehren, fruchteten herzlich wenig. Im Gegenteil, diese setzten ihrerseits die moslemischen Konvertiten massiv unter Druck.

In diesem Zusammenhang begegnen wir immer wieder dem Begriff der "fitna". A. Noth schreibt dazu: "Der Sinn von "fitna" im Koran … ist nicht überall mit Sicherheit zu bestimmen … doch darf man als zugrunde liegende Bedeutung "Probe", "Versuchung" annehmen. Eine solche Probe oder Versuchung kann Allah den Menschen auferlegen, um ihre Standfestigkeit im Glauben an ihn zu prüfen und die Gläubigen von den Ungläubigen oder Heuchlern zu sondern. Die göttliche "fitna" kann den Menschen reichlich unbequem werden, sie kann "Heimsuchung", "Unglück" bedeuten und für die Ungläubigen zur Strafe werden. Neben einer "fitna", die von Allah ausgeht:

Sure 29, Vers 2: Wähnen wohl die Menschen, in Frieden gelassen zu werden, wenn sie sprechen: "Wir glauben" - und nicht versucht zu werden?
Sure 29, Vers 3: Aber wahrlich, Wir versuchen diejenigen, die vor ihnen lebten, und wahrlich, Allah wird die Wahrhaften und die Lügner erkennen.
Sure 29, Vers 4: Oder glauben diejenigen, die Böses tun, dass sie Uns entgehen können? Übel ist ihr Urteil.
Sure 29, Vers 5: Wer da hofft, Allah zu begegnen - siehe, Allahs Termin trifft wahrlich ein, und Er ist der Hörende, der Wissender

kennt der Koran eine andere, deren Urheber die Menschen sind. So werden Güter und Kinder, die ein Muslim besitzt, als Versuchung "fitna" angesehen, die vom rechten Glauben und den rituellen Pflichten abhalten können:

Sure 8, Vers 28: Und wisset, dass euer Gut und eure Kinder nur eine Versuchung sind, und dass bei Allah gewaltiger Lohn ist.

Sure 63, Vers 9: O ihr, die ihr glaubt, lasset euch nicht durch euer Gut und eure Kinder von dem Gedenken an Allah abbringen. Wer solches tut, das sind die Verlorenen.

Sure 63, Vers 14: O ihr, die ihr glaubt, an euren Gattinnen und Kindern habt ihr einen Feind, so hütet euch vor ihnen. Doch so ihr vergebt und Nachsicht übt und verzeiht, siehe, so ist Allah verzeihend und barmherzig.

Sure 64, Vers 15: "Euer Gut und eure Kinder sind nur eine Versuchung, und Allah - bei ihm ist grosser Lohn."

Auch im Zusammenhang mit dringenden Spendenaufrufen Allahs für den "Heiligen Krieg" wird auf die Vergänglichkeit irdischen Glücks verwiesen, ja Güter und Kinder müssen sogar als Strafe angesehen werden, wenn darob das Almosengeben vernachlässigt wird:

Sure 9, Vers 53: Sprich: "Spendet willig oder unwillig, nimmer wird es von euch angenommen, Siehe ihr seid ein Volk von Frevlern
Sure 9, Vers 54: Und nichts anderes verhindert die Annahme ihrer Spenden, als dass sie nicht glauben an Allah und an Seinen Gesandten und nur mit Trägheit das Gebet verrichten und nur widerwillig spenden.
Sure 9, Vers 55: Lass dich deshalb ihr Gut und ihre Kinder nicht wundernehmen. Siehe, Allah will sie damit nur im irdischen Leben strafen, und damit ihre Seelen zugrunde gehen, während sie ungläubig sind.

Die stärkste und gefährlichste "fitna" erfahren Muslims jedoch von Seiten der sie umgebenden Ungläubigen" (Albrecht Noth, Heiliger Krieg und Heiliger Kampf in Islam und Christentum, Seite 14, Verlag Ludwig Röhrscheid, Bonn, 1966)

Sure 4, Vers 168: Siehe diejenigen, welche nicht glauben und Unrecht tun, nicht wird Allah ihnen verzeihen und nicht leitet Er sie des Weges,
Sure 4, Vers 169: Es sei denn des Weges nach Dschahannam, darinnen zu verweilen ewig und immerdar. Dieses ist Allah leicht.

"Die Anhänger des Propheten, besonders die aus den unteren Schichten der Bevölkerung, hatten eine schwere Zeit der Prüfung zu überstehen …. es ist von einer "Versuchung" oder "Prüfung" (fitna) die Rede, der die Anhänger Mohammeds von Seiten der Mekkaner unterworfen waren, mit dem Ergebnis, dass manche von ihnen den Glauben aufgegeben hätten."  (R. Paret, Mohammed und der Koran, Seite 106, Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart, 1980):

Sure 2, Vers 191: Und erschlagt die Ungläubigen, wo immer ihr auf sie stoßt, und vertreibt sie, von wannen sie euch vertrieben; denn Verführung zum Unglauben ist schlimmer als Totschlag ….
Sure 2, Vers 193:  Und bekämpfet sie, bis die Verführung zum Unglauben aufgehört hat, und der Glaube an Allah da ist.

Der Begriff "Fitna" hat sich bis in unsere Tage erhalten, und hat als Abwehrkonzept nichts von seiner grossen Bedeutung im Glaubenssystem des Islam eingebüsst. Er umfasst alles "unislamische", dem die Gläubigen zu widerstehen haben.

Schon der Unglaube an sich wird als Aggression erlebt.

Im angestrebten idealen islamischen Gottesstaat wird es dereinst keine Fitna mehr geben, jegliche Anfechtung durch Unglauben wird ausgemerzt sein:

Sure 8, Vers 39: Und kämpfet wider sie, bis kein Bürgerkrieg mehr ist und bis alles an Allah glaubt. Stehen sie ab, siehe, so sieht Allah ihr Tun.

In diesem paranoiden Abwehrkonzept hat auch das Gebot, Apostaten umzubringen seine logische Berechtigung Abfall vom Glauben.

Die Verführung zum Unglauben ist eigentlich schon durch seine schiere Existenz gegeben. Seine Bekämpfung ist deshalb bis heute ein zentrales Anliegen des Islam.

 

© Arbeitskreis Religion und Menschenrechte