Vergleiche:
►
Prädestination
und freier Wille
►
Allahs
Allmacht
►
Allahs Fügung und
Führung
Die
himmlischen Bücher beinhalten Allahs Allwissen und umfassen zwei
verschiedene Schriften:
„Es gehört
zum Allgemeinwissen der Nahostwissenschaftler, daß Allah sowohl ein
Inventar all dessen, was Er erschaffen hat in Aufbewahrung hält als auch
detaillierte Bücher der menschlichen Taten.“
(Encyclopaedia of the Qur’an,
Brill, Leiden + Boston, 2006, Seite 243) Die Bücher der menschlichen Taten
sind eine genaue Niederschrift der Handlungen eines jeden Menschen auf
dieser Welt und dienen beim Jüngsten Gericht als Grundlage für Allahs
Urteil.
►
Das Buch der menschlichen Taten
1.
Definition
Das
islamische Dogma behauptet, das oben erwähnte Inventar sei die Matrix
aller Offenbarungsschriften inklusive Bibel und Koran. Außerdem enthalte
es alle Verfügungen Allahs (al-Qadar), welche das Schicksal Seiner
Schöpfung festlegen. Es wurde in der Vor-Ewigkeit angelegt und gilt
demnach als unerschaffen.
„Die
Beschreibung aller vergangenen gegenwärtigen und zukünftigen Ereignisse
und die Quelle der Offenbarung auf welche sich die koranischen
Bezeichnungen
-
Mutter
des Buches (umm al-kitab) (43;4)
-
verborgene Tafel (kitab maknun) (56;78)
-
wohlverwahrte Tafel (lawh mahfuz) (85;22)
beziehen.
Entsprechend der Ansicht der meisten Koraninterpreten befindet sich das
himmlische Buch entweder rechterhand oder unterhalb von Allahs Thron und
oberhalb des siebten Himmels ... Das himmlische Buch dient Allah in zwei
Arten. Erstens ist es die Niederschrift aller Geschehnisse, die sich seit
der Schöpfung ereignet haben und die sich bis zum Jüngsten Gericht
ereignen werden ... In einem zweiten engeren Sinn ist dieses Buch die
Grundlage aller Offenbarungen, den Koran eingeschlossen.“
(Encyclopaedia of the Qur’an, Brill,
Leiden + Boston, 2006, Seite 412)
Diese Mutter des Buches soll also den
ewig gültigen Willen und somit die unveränderlichen Gesetze des
Allmächtigen beinhalten. Zur Begriffsdefinition lesen wir in der
„Enzyklopädie des Islam“:
„Unter
dem Begriff "Mutter des Buches" wird i.d.R. eine Art nichtverbale
Urschrift aller göttlichen Bücher und damit auch des Heiligen Koran
verstanden. Gemäß den Versen:
Sure 13, Vers 39: Allah löscht aus und bestätigt, was Er will und bei Ihm ist die
Mutter der Schrift.
und
Sure
43, Vers 4:
Und siehe, es ist die Mutter der Schrift bei Uns - wahrlich ein hohes, ein
weises.
befindet sich jene Mutter des Buches "bei“ Allah. Diese Formulierung hat
zu zahlreichen Kontroversen unter Muslimen im Laufe der Geschichte
geführt.
Sunniten glauben, daß jenes himmlische Exemplar wie Allah selbst
ungeschaffen sei und von Ewigkeit her "neben Ihm" bestehe. Diese
Auffassung wird von Schiiten abgelehnt, da es eine versteckte Form der
Zweieinigkeit wäre. Vielmehr handle es sich um eine Form des Willen
Gottes, der sich nicht von Gott trennen läßt ....“
(Quelle:
http://www.eslam.de/begriffe/m/mutter_des_buches.htm)
2. Die materielle
Wirklichkeit der Urschrift
Gemäß oben zitierter Definition des
Begriffes
„Mutter
des Buches“ handelt es
sich dabei um
„eine
Art nichtverbaler Urschrift aller göttlichen Bücher“.
Wie soll man sich nun diese Urschrift vorstellen, diese Mutter (Vorlage)
aller göttlichen Bücher?
Der Koran gibt darüber folgende
Auskunft:
Sure 85, Vers 21:
Ja, es ist ein ruhmvoller Koran
Sure
85, Vers 22:
Auf verwahrter Tafel.
Tafsir
al-Jalalayn 85, 21:
Es ist ein ruhmreicher, ein großartiger Koran.
Tafsir
al-Jalalayn 85, 22:
der – von jeglichen Teufeln und inhaltlichen Veränderungen geschützt – auf
einer hoch über dem siebten Himmel hängenden Tafel verewigt ist. Diese
Tafel ist so hoch wie die Distanz zwischen dem Himmel und der Erde und so
breit wie die Distanz zwischen dem Osten und dem Westen; sie ist aus
weißen Perlen gefertigt wie uns Ibn Abbas bestätigt hat. Möge Allah mit
ihm und seinem Vater Abbas zufrieden sein ...
Es scheint sich also um eine reale,
das heißt um eine substantiell existierende Tafel von gigantischen
Ausmaßen zu handeln, reich verziert und damit sehr wertvoll. Auch Maududi
spricht in seiner Exegese von einer
„wohlverwahrten Tafel bei Gott“:
85, 22:
Das heißt, daß das offenbarte, im Koran niedergeschriebene Wort
unveränderbar und unvergänglich ist. Es ist festgeschrieben auf der
wohlverwahrten Tafel bei Gott. Diese Tafel kann in keinerlei Art verändert
werden. Was immer auf ihr festgeschrieben steht muß erfüllt werden. Selbst
wenn die ganze Welt wollte kann sie ihre Erfüllung nicht verhindern.
(Quelle:
http://www.islamicstudies.info/tafheem.php)
Weitere
koranische Zeugnisse zur Urschrift:
Sure
43, Vers 4:
Und siehe, es ist die Mutter der Schrift bei Uns - wahrlich ein hohes, ein
weises.
Tafsir
al-Jalalayn 43, 4:
Und es
ist wahrhaftig in der Matrix des Buches, der Urquelle aller Schriften,
sprich der ewig währenden Tafel festgelegt. Sie ruht bei Mir und steht
höher steht als alles was zuvor verfaßt wurde. Darin ist ausgezeichnete
Weisheit enthalten.
Sure
27, Vers 75:
Und nichts Verborgenes ist im Himmel und auf Erden, das nicht in einem
deutlichen Buche stünde.
Tafsir
al-Jalalayn 27, 75:
Es gibt
nichts, was entweder im Himmel oder auf Erden verborgen wäre; alles ist
niedergeschrieben in dem offenkundigen Buch, sprich auf der ewig währenden
Tafel und in Allahs verborgenem Wissen. Ein Beispiel dafür wäre die
Züchtigung der Ungläubigen.
Sure
56, Vers 77:
Siehe, es ist wahrlich ein edler Koran,
Sure
56, Vers 78:
In einem verborgenen Buch.
Sure
50, Vers 4:
Wir wissen wohl, was die Erde von ihnen verzehrt, und bei Uns ist ein
Buch, das achtgibt.
Tafsir
al-Jalalayn 50, 4:
Wir wissen wohl, was die Erde von den Toten verzehrt und bei Uns ist ein
gut geschütztes Buch, namentlich die wohl aufbewahrte Tafel, die alles
enthält, was von Allah je verfügt wurde.
Die Vorstellung eines im Himmel
aufbewahrten unveränderbaren Buches, einer auf reich verzierten
Steintafeln festgeschriebenen Urschrift ist einer der tragenden Eckpfeiler
der islamischen theologischen Doktrin, denn untrennbar damit verbunden ist
die Vorstellung der Unerschaffenheit des Korans und der Vorherbestimmung
der ganzen Schöpfung.
Entsprechend der zentralen Bedeutung
dieses himmlischen Buches sind die koranischen Zeugnisse zahlreich. Das
himmlische Buch ist einerseits Grundlage und Bestätigung für die
islamische Lehre der Prädestination und der Allmacht Allahs als auch
andererseits die Quelle sämtlicher Botschaften, welche Allah je einem Volk
hat zukommen lassen.
Der besseren Lesbarkeit wegen und um
die beiden unterschiedlichen Bedeutungen - Dekret des Schicksals von
Allahs Schöpfung und Grundlage aller Offenbarungsschriften - unabhängig
voneinander untersuchen zu können haben wir die entsprechenden Inhalte in
zwei verschiedenen Kapiteln dargestellt.
3. Das
Inventar
der Schöpfung - das Buch des Schicksals
Das Inventar der Schöpfung ist demnach ein Teil des
himmlischen Buches:
„Der
Koran verkündet auch, daß alles, was einem Individuum oder dem ganzen
Universum vorherbestimmt ist in einem ursprünglichen Buch des Schicksals (kitab
oder kitab mu’ajjal) festgeschrieben steht.“
(Encyclopaedia of the Qur’an, Brill, Leiden + Boston, 2006, Seite 523)
Sämtliche individuellen und
universellen Ereignisse in ihrer absoluten Totalität - ob sie nun in der
Vergangenheit stattgefunden haben, sich heute oder in der Zukunft ereignen
- sind also von Allah schon in der Vor-Ewigkeit auf dieser Tafel
festgeschrieben worden:
Sure
57, Vers 22:
Kein Unheil geschieht auf Erden oder euch, das nicht in einem Buch stünde,
bevor Wir es geschehen ließen. Siehe, solches ist Allah leicht.
Sure
27, Vers 75:
Und nichts Verborgenes ist im Himmel und auf Erden, das nicht in einem
deutlichen Buche stünde.
Tafsir
al-Jalalayn 27, 75:
Es gibt
nichts, was entweder im Himmel oder auf Erden verborgen wäre; alles ist
niedergeschrieben in dem offenkundigen Buch, sprich auf der ewig währenden
Tafel und in Allahs verborgenem Wissen. Ein Beispiel dafür wäre die
Züchtigung der Ungläubigen.
Sure
50, Vers 4:
Wir wissen wohl, was die Erde von ihnen verzehrt, und bei uns ist ein
Buch, das achtgibt.
Tafsir
al-Jalalayn 50, 4:
Wir wissen wohl, was die Erde von den Toten verzehrt und bei Uns ist ein
gut geschütztes Buch, namentlich die wohl aufbewahrte Tafel, die alles
enthält, was von Allah je verfügt wurde.
Sure 6,
Vers 38:
Kein Getier gibt’s auf Erden und keinen Vogel, der mit seinen Schwingen
fliegt, die nicht wären Völker gleich euch. Nichts haben wir in der
Schrift übergangen, alsdann werden sie zu ihrem Herrn versammelt.
Sure 22,
Vers 70:
Weißt du
nicht, daß Allah kennt, was im Himmel und auf Erden ist? Siehe, dies steht
in einem Buch; siehe, dies ist leicht für Allah.
Sure 35,
Vers 11:
Und Allah hat euch erschaffen aus Staub, alsdann aus einem Samentropfen,
alsdann machte Er euch zu zwei Geschlechtern. Und kein Weib wird schwanger
oder kommt nieder ohne Sein Wissen, und kein Alternder altert oder nimmt
ab an Alter, ohne daß es in einem Buch steht. Siehe, dieses ist Allah
leicht.
Weitere Definitionen zur Doktrin der Verfügung des ganzen
Weltenverlaufs durch Allah in der Vor-Ewigkeit finden wir auf einer
islamischen Internetseite:
„Das Stammwort „k-t-b“ in der Bedeutung von „erlassen“ oder „veranlassen“
kommt im Koran an mehreren Stellen vor. Laut dem islamischen
Glaubenssystem hat Allah erst die Schreibfeder geschaffen welcher er in
der Folge befahl, in einem Buch alles aufzuschreiben und
festzuhalten, was sich ereignen sollte. Mit anderen Worten hat Allah alles
veranlaßt oder erlassen, was sich in der Zukunft abspielen soll. Wir haben
also drei Bestandteile: Schreibfeder, Buch und den Akt des
Niederschreibens. Auf Arabisch heißt Schreibfeder „Qalam“, das Buch
„Umm al-Kitab“, abgekürzt „Kitab“ oder manchmal auch die bewachte Tafel
„al-Lauh al-Mahfuth“ und der Akt des Niederschreibens „kataba“ oder „satara“.
„Maktoob“ ist das passive Partizip von „kataba“ und bedeutet das, „was
aufgrund von Allahs Befehl im Buch durch die Schreibfeder
niedergeschrieben und festgehalten wurde.“
(Quelle:
http://forum.wordreference.com/showthread.php?t=231807)
Die Sunnah bezeugt, daß diese Schreibfedern nun nicht mehr
gebraucht werden, das heißt
„trocken
sind“ weil alles festgelegt ist:
Muslim B033 N6402
berichtet von Jabir:
Suriqa b.
Malik b. Ju’shuin kam vorbei und fragte folgendes: „Gesandter Allahs,
bitte erkläre uns unsere Religion als ob wir gerade erst entstanden seien.
Geschehen unsere heutigen Handlungen weil die Schreibfedern, nachdem sie
diese aufgeschrieben haben, trocken sind und die Schicksalsabläufe also
schon ablaufen oder kommt das Schicksal erst später zum tragen?“ Der
Prophet antwortete: „Die Schreibfedern sind trocken und die
Schicksalsabläufe zugange.“ Der Fragesteller wollte nun weiter wissen:
„Wenn dem so ist, was nützt es dann, gute Taten zu vollbringen?“ ... Die
Antwort war: „Handle (einfach), denn dasjenige wird dir leichter von der
Hand gehen, was in deiner Absicht gelegen hat.“
Die Schreibfeder wird auch
im Koran erwähnt:
Sure
68, Vers 1:
Bei der Feder
und was
sie schreiben,
Tafsir
al-Jalalayn 68, 1:
... von der Schreibfeder, mit welcher Er die Aufzeichnungen für alle
Kreaturen auf der
wohlverwahrten Tafel
gemacht hat und was die Engel des Guten und Rechtschaffenen darauf
eingemeißelt haben.
Das Konzept des Inventars der Schöpfung beinhaltet, daß in
der Tat nichts auf dieser Welt je geschehen ist und wird, welches nicht
schon im großen Buch vorgemerkt wäre. Das ist im übrigen die Bestätigung
der auch im nächsten Kapitel (Die
Urschrift aller Offenbarungen)
gewonnenen Erkenntnis, daß der ganze
Weltenverlauf vorherbestimmt sein muß. In der Enzyklopädie des Koran
lesen wir:
„Gottes
Allwissen schließt auch sein Vorwissen aller zukünftigen Ereignisse ein;
sie sind in einem klaren Buch (kitab mubin) oder himmlischen Buch (umm
al-kitab) niedergeschrieben.“
(Encyclopaedia of the Qur’an, Brill, Leiden + Boston, 2006, Seite 523)
Es wurde schon herausgearbeitet, daß
Vorwissen und Vorherbestimmung im islamischen Dogma als kongruente
Begriffe zu behandeln sind.
►
Das
Vorwissen
Wir lesen dazu
ebenfalls in der Enzyklopädie des Koran:
„Die
spätere Entwicklung des muslimischen theologischen Denkens machte ein
Problem sichtbar, welches dem koranischen Konzept der Prädestination
innewohnt und im Zusammenhang steht mit Gottes Wohlwollen gegenüber Seinen
Kreaturen. Der Koran versteht sowohl den Himmel respektive die Hölle als
größtes Glück oder Unglück das der Menschheit zuteil werden kann. Ob man
die Freuden der Gärten oder die Torturen des Feuers erleben wird
entscheidet sich anläßlich des Jüngsten Gerichtes in Abwägung der guten
und schlechten Handlungen. Diese sind im Buch der
menschlichen Taten aufgeschrieben.
►
Das Buch der menschlichen Taten
Dieses
soll nicht mit dem Inventar der Schöpfung
verwechselt werden, welches das Schicksal des einzelnen Individuums als
auch des ganzen Kosmos enthält.
Man muß
folgern, daß ein menschliches Wesen nur bestraft oder belohnt wird für
Handlungen, welche
auch wirklich von ihm begangen wurden. Natürlich muß man die persönliche
Verantwortung der Idee von Bestrafung/Belohnung zugrunde legen.
Dennoch
kann die Frage nach der endgültigen Verantwortung für die begangenen Taten
nicht entschieden werden und es gibt keine eindeutige Antwort darauf. Sind
sie das Resultat der freien Entscheidung des Menschen oder von Allahs
Vorherbestimmung für diese Handlungen und Entscheidungen?
Eine wohlfeile koranische
Antwort auf diese Problematik findet sich in:
Sure 16, Vers 93:
Und
so Allah es gewollt, hätte Er euch zu einer einzigen Gemeinde gemacht;
jedoch führt Er irre, wen Er will, und leitet recht, wen Er will; und
wahrlich zur Rechenschaft gezogen werdet ihr für euer Tun.
Die
koranische Botschaft endet an diesem Punkt und fragt nie direkt danach,
wieso Allah diejenigen bestraft, die Er in die Irre geleitet hat, oder wie
es möglich ist, daß Er die Quelle schlechter Taten sein kann.“
(Encyclopaedia of the Qur’an,
Brill, Leiden + Boston, 2006, Seite 269f)
4. Die Urschrift aller
Offenbarungen
Ein Teil der wohlverwahrten Tafel
beinhaltet all die Offenbarungen, welche die Grundlage der Botschaften
Allahs an alle Nationen sind. Denn die islamische Geschichtsschreibung
geht davon aus, daß Allah zu jedem Volke einmal einen Propheten mit Seiner
Botschaft gesendet hat:
Sure
43, Vers 4:
Und siehe, es ist die Mutter der Schrift bei Uns - wahrlich ein hohes, ein
weises.
Tafsir
al-Jalalayn 43, 4:
Und es
ist wahrhaftig in der Matrix des Buches, der
Urquelle aller Schriften,
sprich der ewig währenden Tafel festgelegt. Sie ruht bei Mir und steht
höher steht als alles was zuvor verfaßt wurde. Darin ist ausgezeichnete
Weisheit enthalten.
Die obige Exegese zu Vers 4 aus Sure
43 weist darauf hin, daß die Urschrift noch weitere Botschaften
beinhaltet, als sie der Koran transportiert. Die Mutter der Schrift ist
demnach die
„Urquelle
aller Schriften“. Folgender
nächster Vers weist explizit auf diesen Tatbestand hin:
Sure 13, Vers 38:
Und wahrlich, schon vor dir entsandten Wir Gesandte und gaben ihnen
Gattinnen und Nachkommenschaft. Kein Gesandter aber konnte ohne Allahs
Erlaubnis ein Zeichen bringen.
Jedes
Zeitalter hat sein Buch.
Tafsir al-Jalalayn
13, 38:
Und als sie sich über Mohammed lustig machten, weil er so viele Frauen
hatte wurde das folgende offenbart: Wahrlich Wir sandten schon Boten vor
dir, und Wir versorgten sie mit Frauen und Frucht, das heißt Kindern - und
du bist wie sie; und keiner von ihnen konnte ohne Allahs Erlaubnis ein
Zeichen bringen weil sie alle nur seine Diener waren, gefesselt an Ihn.
Für jede Zeit, für jede Periode gibt es ein Buch, in welchem seine
Begrenzung, seine spezifische Gültigkeit festgeschrieben ist.
Wie erwähnt, behauptet der Koran, daß Allah zu allen
Völkern dieser Welt einmal einen Propheten entsandt hat,
►
Die bisherigen Botschaften mit einer
jeweils leicht veränderten Offenbarungsbotschaft, eben einem Buch, einer
eigenen göttlichen Ordnung
„in welchem seine
Begrenzung, seine spezifische Gültigkeit festgeschrieben ist“.
Die zentrale Botschaft in all diesen Büchern ist zweifelsfrei die Einheit
und Einzigkeit Allahs, die Todsünde von
►
Schirk
und die Verdammung der Ungläubigen. Darüber hinaus
weichen sie in einem nicht genau definierten (und eruierbaren) Maß
voneinander ab.
5. Der Koran als Teil der
Urschrift
Sure 56, Vers 77:
Siehe, es ist wahrlich ein edler Koran
Sure 56, Vers 78:
In einem
verborgenen Buch.
Tafsir al-Jalalayn
56, 77:
Was euch hier nämlich vorgetragen wird, ist wahrhaftig der edle Koran,
Tafsir al-Jalalayn
56, 78: in
einem Buch niedergeschrieben, behütet, erhalten auf alle Ewigkeit, das
ursprünglich gesammelte Werk.
Da die Mutter der Schrift
unerschaffen ist, gilt dies auch für den Koran. Er ist
ein Teil der Urschrift und wurde dem Propheten Mohammed ab dem Jahre 610
durch den Engel Gabriel offenbart. Seine Herniedersendung begann gemäß
Sure 97 in der Nacht al-Qadr, der „Nacht der Herrlichkeit“ oder der „Nacht
der Allmacht“:
Sure 97, Vers 1:
Wir haben ihn in der Nacht al-Qadr offenbart.
Sure 97, Vers 2:
Und was lehrt dich wissen, was die Nacht al-Qadr ist?
Sure 97, Vers 3:
Die Nacht al-Qadr ist besser als tausend Monde.
Sure 97, Vers 4:
Hinabsteigen die Engel und der Geist in ihr mit ihres Herrn Erlaubnis zu
jeweiligem Geheiß.
Sure 97, Vers 5:
Frieden ist sie bis zum Aufgang der Morgenröte.
Auch an einer zweiten Stelle wird auf diese Nacht
hingewiesen:
Sure 44, Vers 2:
Bei dem deutlichen Buch!
Sure 44, Vers 3:
Siehe, Wir haben es hinabgesandt in einer gesegneten Nacht - siehe, Wir
waren Warner -
Tafsir al-Jalalayn
44, 3:
Wahrlich, Wir offenbarten den Koran in einer gesegneten Nacht, der Nacht
der Bestimmung (laylat al-qadr), in der Mitte des Monats Sha’aban, als er
von der Urschrift (Umm
al Kitab) entnommen und vom siebten Himmel hinunter in den Himmel dieser
Erde transferiert wurde. Tatsächlich, Wir gaben den Menschen durch den
Koran Anlaß zu Angst vor Allah.
Der Ausruf
in Vers 2 der Sure 44
„Bei dem deutlichen
Buch!“ ist ein Schwur des Allmächtigen auf Sein
eigenes Buch. Wie soll man sich nun diesen Schwur und die Herabsendung des
deutlichen Buches, dieser wortgetreuen Abschrift aus der Urschrift
vorstellen? Maududi führt aus, daß einige Kommentatoren die Meinung
vertreten, daß der Koran als Ganzes, also alle zu offenbarenden Verse
zusammen in dieser Nacht den Engeln übertragen und anvertraut wurde. Von
dort entnahm der Engel Gabriel dann Stück um Stück, je nach
Offenbarungsereignis, mal von hier, mal von dort, um Mohammed, dem
Propheten des Islam, den jeweiligen Inhalt situationsbezogen mitzuteilen.
Es ist bekannt, daß dieser ganze Prozeß 23 Jahre dauerte. Andere Exegeten
sind der Ansicht, daß die gesegnete Nacht lediglich den Beginn der
Übertragungstätigkeit markierte. Demnach wäre der Koran nicht in ein
Zwischendepot verfrachtet, sondern immer direkt der Urschrift entnommen
worden:
44,
1:
Die
Bedeutung, ein Gelübde auf einem “deutlichen Buch“ abzulegen wurde schon
in der 43. Sure abgehandelt. Es wird auch hier darauf bestanden, daß nicht
Mohammed der Autor dieses Buches ist, sondern „Wir“. Das Buch selbst gibt
genügend Anlass, dies zu bezeugen. Außerdem wurde berichtet, daß die
Nacht, in welcher das Buch herabgesandt wurde, voller Segen war. Die
dummen und unwissenden Leute jedoch, welche nicht wähnen, was für sie oder
andere gut ist, betrachten die Offenbarungen dieses Buches als eine
Katastrophe und sie sind zutiefst in Sorge, wie sie es wohl loswerden
könnten. Die Stunde, in welcher „Wir“ sich entschied, das Buch hernieder
zu senden um die Unwissenden aufzuwecken, war jedoch für die gesamte
Menschheit eine hochgradig gesegnete. Manche Kommentatoren meinten, daß
die Bedeutung, den Koran in dieser bestimmten Nacht herabzusenden, damit
zu tun habe, daß seine Offenbarung in jener Nacht begonnen hatte. Andere
wiederum denken, daß der gesamte Koran von der „Mutter der Schrift“ (umm
al-kitab) auf die Träger der Offenbarung (Engel) übertragen und ihnen
anvertraut wurde, um dann dem heiligen Propheten später und je nach Bedarf
– bestimmt durch gewisse Ereignisse und Umstände
(Offenbarungsereignis)
während 23 Jahren – eingegeben zu werden. Was sich nun wahrhaftig
abgespielt hat, das weiß Allah wohl selbst am besten. Dieselbige Nacht
wird auch die „Nacht des Schicksals/Macht“ (lailat-ul-qadr, 97. Sure)
genannt. In diesem Vers wurde auch gesagt: “Wir sandten ihn herab in einer
ruhmreichen Nacht“ oder “Wir sandten ihn herab in einer gesegneten Nacht“
(44, 3). Im Koran selber steht, daß es sich um eine bestimmte Nacht
während des Ramadan Monates handle (2, 185).
(Quelle:
http://www.islamicstudies.info/tafheem.php)
Wie hat sich im Denken Mohammeds
die Idee der Urschrift herausgebildet?
Dazu R. Paret:
"Die
Vorstellung, daß Offenbarung und heilige Schrift irgendwie
zusammengehören, hat sich bei Mohammed im Laufe der Zeit immer mehr
festgesetzt … Und aus dieser These, daß alle Offenbarung dem Inhalt nach
identisch sei, ergab sich schließlich als letzte Folgerung die Vorstellung
von einer bei Gott befindlichen
Urschrift,
aus der jeweils einzelne Teile, in arabische Sprache umgesetzt,
"eingegeben" oder "herabgesandt" werden."
(R. Paret, Mohammed und der Koran, Seite 60, Verlag
W. Kohlhammer, Stuttgart, 1980)
Vielleicht wurde Mohammed auch von
der Geschichte von Moses und der steinernen Gesetzestafel aus dem Alten
Testament zur Idee der Urschrift, der
„hoch über dem siebten Himmel hängenden Tafel“
inspiriert?
6. Textanalyse
des Korans als Teil der Urschrift
In den
folgenden Kapiteln werden einige textliche und dogmatische Spezialitäten
zusammengestellt, die sich aus der Prämisse der Unerschaffenheit der
koranischen Botschaft ergeben, das heißt der in der Vor-Ewigkeit erfolgten
Festschreibung eines jeden Verses auf der immerwährenden Steintafel.
Betrachten
wir im Gegensatz dazu die oben erwähnte Erzählung der Offenbarung der zehn
Gebote. Wir dürfen davon ausgehen, daß der Schöpfer nicht zu Hammer und
Meißel gegriffen hat, um seine Botschaft an Moses zu übermitteln, sondern
daß dieser gottergebene Prophet dieselbe in einem Moment der Hingabe
„empfangen“ hat. Wie auch immer: Es handelt sich um eine Botschaft, von
der erzählt wird, daß sie an einem bestimmten Ort und zu einem bestimmten
Zeitpunkt erfolgt ist; die Offenbarung selbst ist aber nicht an bestimmte
Umstände und einen spezifischen Moment gebunden, sie könnte auch heute
empfangen werden, ohne etwas von ihrer Aussage einzubüssen.
Demgegenüber sind viele Verse des Korans an ihre spezifischen
Offenbarungsereignisse gebunden - und meist nur mit dem dazugehörenden
biographischen Wissen verstehbar.
►
Einleitung
Ein
prägnantes Beispiel für diese Abhängigkeit ist die Geschichte von Al-Nadr
bin Alharith. Er war einer der Widersacher Mohammeds in Mekka und wies
darauf hin, daß sich dessen Offenbarungen nicht von den Geschichten
unterscheiden, die den Mekkanern schon von den Christen und Juden
überbracht worden waren. Zudem verwahrte er sich gegen die Verunglimpfung
von Gottheiten, die ihm heilig waren. Der Koran nimmt an acht Stellen
Bezug auf diesen Polytheisten. Al-Nadr bin Alharith wurde von Ali auf
Geheiß des Gesandten Allahs nach der Schlacht bei Badr erschlagen.
►
Die Ermordung des Al-Nadr bin Alharith
Dieser
Mekkaner musste zu eben dieser Zeit geboren werden und er musste ein
Widersacher Mohammeds sein, denn sonst hätten die entsprechenden Verse
nicht offenbart werden können.
Ein
weiterer Hinweis auf die präzis festgelegte Entwicklung (und damit
Vorherbestimmung) der Weltengeschichte sind diejenigen Verse, die
innerhalb der 23 Jahre dauernden Tätigkeit des Propheten abrogiert
wurden, d.h. deren zeitlich begrenzte Gültigkeit schon bei ihrer
Offenbarung festgelegt war: nämlich bis zur Außerkraftsetzung durch
anderslautende Anweisungen.
Daraus ergibt sich, daß sich der
ganze Weltenverlauf bis zum jeweiligen Offenbarungsereignis genau so hat
ereignen müssen, damit genau zu jenem Zeitpunkt die dafür vorhergesehene
Botschaft erfolgen konnte. Das ist der wichtigste Beweis der
vollständigen Vorherbestimmung der Weltgeschichte seit dem Akt der
Schöpfung.
6.1. Ergänzungen der
Offenbarung
Einzelne
Belehrungen wurden während dem Offenbarungsereignis, will sagen
unter dessen Einfluß modifiziert. So geschehen zum Beispiel anläßlich der
Übertragung der Verse 95 bis 97 aus Sure 4, in welchen Allah den
unbedingten Einsatz aller Gläubigen für die Sache des „Heiligen Krieges“
fordert. Die Stelle in Vers 97, wo die Engel mit den Toten sprechen,
„welche
wider sich gesündigt hatten“
thematisiert den Umstand, daß einzelne bekehrte Muslime nach der Hijra in
Mekka blieben und dann später mit den Quraisch in die Schlacht nach Badr
zogen. Sie wurden von den (ausgewanderten) Muslimen totgeschlagen und
mußten sich im Jenseits vor den Engeln rechtfertigen
"wir
sind die Schwachen im Land“
Diese Entschuldigung wurde von Allah nicht angenommen. Dies ist auch
verständlich, denn erstens haben diese Leute den Glauben nicht höher
bewertet als ihre familiären Bande und sind demnach dem Propheten nicht
nach Medina gefolgt
"Ist
nicht Allahs Land weit genug, daß ihr hättet auswandern können in das
selbe?" und zweitens haben sie
auf der falschen Seite gekämpft:
Sure 4,
Vers 95:
Und nicht sind diejenigen Gläubigen, welche daheim ohne Bedrängnis sitzen,
gleich denen, die in Allahs Weg streiten mit Gut und Blut. Allah hat die,
welche mit Gut und Blut streiten, im Rang über die, welche daheim sitzen,
erhöht. Allen hat Allah das Gute versprochen; aber den Eifernden hat Er
vor den daheim Sitzenden hohen Lohn verheißen,
Sure 4,
Vers 96:
Rangstufen von Ihm und Vergebung und Barmherzigkeit; denn Allah ist
nachsichtig und barmherzig.
Sure 4,
Vers 97:
Siehe, diejenigen, welche wider sich gesündigt hatten, nahmen die Engel
fort und sprachen zu ihnen: "Wozu gehört ihr?" Sie sprachen: "wir sind die
Schwachen im Land." Sie sprachen: "Ist nicht Allahs Land weit genug, daß
ihr hättet auswandern können in das selbe?" Und jene, … ihre Behausung ist
Dschahannam, und schlimm ist die Fahrt dorthin:
Während dem Offenbarungsgeschehen
meldete sich ein blinder Mann zu Wort, der verständlicherweise über sein
Seelenheil im Jenseits besorgt war. Das führte dazu, daß die göttliche
Nachricht ergänzt wurde. Dazu der Bericht aus den Ahadit:
Bukhari
V6 B61 N512,
berichtet von Al-Bara:
Nachdem folgendes offenbart wurde: „Und nicht sind die Gläubigen ... “
sagte der Prophet: „Ruft Zaid zu mir und laßt ihn das Tintenfaß und den
Schulterknochen bringen.“ Dann sagte er zu Zaid: „ Schreib: „Und nicht
sind die Gläubigen ... “. Da sagte Amr bin Um Maktum, ein blinder Mann,
der hinter dem Propheten saß: „Oh Gesandter Allahs, was bedeutet dein
Befehl für mich da ich doch blind bin?“ und da wurde statt dessen
folgender Vers offenbart:
Sure 4, Vers 98:
Außer den Schwachen unter den Männern und Frauen und Kindern, die sich
nicht zu helfen vermögen und nicht des Weges geleitet sind.
6.2. Wiederholungen im Koran
Wiederholungen, teils identisch, teils in leicht
veränderter Form sind im Koran allgegenwärtig. Es drängt sich daher die
Frage auf, was zur Kernbotschaft der jeweiligen Offenbarung denn wirklich
in der Urschrift steht. Es werden hier zwei Beispiele beleuchtet:
Im Zusammenhang mit Allahs Verurteilung von Homosexualität
wurde die Geschichte von Lot offenbart. Aber nicht nur einmal, sondern
gleich sieben Mal, jedesmal mit leicht verändertem Text.
►
Die Geschichte von Lot
Wie ist es möglich, daß sieben
unterschiedliche Versionen offenbart wurden, wenn der Koran die absolut
wortgetreue Kopie der Urschrift ist? Welche Wiedergabe - wenn nicht alle
sieben - steht nun wirklich in der Mutter der Schrift?
Ein weiteres Beispiel von redundanten
Teilen der koranischen Botschaft sind die Hinweise Allahs zur Irreleitung
der Ungläubigen und die (allerdings abrogierte) Freiwilligkeit der
Glaubensannahme.
►
Anhang 40
►
Freier Wille
Über die Entstehungsgeschichte dieser
Verse gibt folgendes Kapitel Auskunft:
►
Die Entstehung der Verse über den vorherbestimmten Unglauben und die
Irreleitung
Was steht denn nun zu Irreleitung und
Rückweisung der Rechtleitung wirklich in der Mutter des Buches?
6.3. Spezialfall Sure 13,
Vers 39:
Im schon am Anfang dieses Kapitels
zitierten Vers 39 aus Sure 13 stoßen wir auf eine Mitteilung des Herrn der
Welten, die aufhorchen läßt. Vers 39 liest sich im Zusammenhang mit dem
vorhergehenden Vers 38. Man muß daraus folgern, daß Allah die eherne
Botschaft auf der Steintafel, von welcher Er auch die koranische Botschaft
entnommen hat manchmal ad hoc abgeändert hat.
„Jedes
Zeitalter hat sein Buch“
bezieht sich hier auf den Koran - und aus dieser Botschaft löscht der
Allmächtige offenbar gewisse Stellen, oder Er fügt welche hinzu
„was
Er will“:
Sure 13, Vers 38:
Und wahrlich, schon vor dir entsandten Wir Gesandte und gaben ihnen
Gattinnen und Nachkommenschaft. Kein Gesandter aber konnte ohne Allahs
Erlaubnis ein Zeichen bringen. Jedes Zeitalter hat sein Buch.
Sure 13,
Vers 39:
Allah löscht aus und bestätigt, was Er will und bei Ihm ist die Mutter der
Schrift.
Sure 13,
Vers 39:
Und Gott löscht (seinerseits), was Er will, aus, oder läßt es bestehen.
Bei ihm ist die Urschrift (in der alles verzeichnet ist).
(Übersetzung nach R. Paret)
Tafsir
al-Jalalayn 13, 39:
Allah löscht aus
diesem Buch, was immer Er will und er schreibt darin fest, was immer Er
will an Geboten und anderen Dingen und bei Ihm ist die Mutter der Schrift.
Es ist die originale Quelle in welcher niemals etwas geändert wurde und
sie enthält, was Er in der Vor-Ewigkeit darin festgeschrieben hat.
Folgen wir diesen exegetischen Betrachtungen enthält der
Koran auch Teile, die eben nicht unerschaffen sind, sondern von Allah
ergänzt oder eliminiert wurden!
6.4. Der Furqan - Die
Unterscheidung
Die ersten achtzig Verse der 3. Sure
offenbarte Allah, um die Unterschiedlichkeit Seiner Lehre zu derjenigen
der Christen und Juden festzulegen.
►
Die Unterscheidung
Sure 3, Vers 3:
Herabgesandt hat Er auf dich das Buch in Wahrheit, bestätigend, was ihm
vorausging. Und herabsandte Er die Tora und das Evangelium zuvor als eine
Leitung für die Menschen und sandte nun die Unterscheidung
(furqan)
Dies war notwendig geworden weil
Mohammed erkannt hatte, daß seine Botschaft nicht, wie er anfangs
angenommen hatte mit derjenigen der Christen und Juden übereinstimmte. Da
lag für ihn die Schlußfolgerung nahe, daß diese ihre Schriften verfälscht
hatten.
►
Verfälschung der Schrift
Die koranische Offenbarung ist, wie
wir gesehen haben, in ihrer Geschichtlichkeit vollständig gefangen. Da sie
aber das unerschaffene Wort Allahs ist, muß man annehmen, daß sogar die
Schriftverfälschung der „Leute der Schrift“ vorherbestimmt war. Denn
sonst hätten diese achtzig Verse, mangels geschichtlicher Relevanz, nicht
offenbart werden können. Auch diese Episode läßt nur eine
Interpretation offen: Der Hergang der ganzen Weltgeschichte bis zum
Zeitpunkt der Offenbarung, das heisst bis zum auslösenden
Offenbarungsereignis ist vorherbestimmt.
6.5. Verse,
die den Koran interpretieren und rühmen
Einige der
koranischen Zeugnisse verweisen darauf, daß der Koran ein Teil der
Urschrift ist und versichern dem Leser zudem, daß es sich bei eben diesem
Koran um ein ganz vortreffliches Buch handle:
Sure 85, Vers 21:
Ja, es ist ein ruhmvoller Koran
Sure 85, Vers 22:
Auf verwahrter Tafel.
Tafsir al-Jalalayn
85, 21:
Nein wahrlich, dies ist ein großartiger, ein prächtiger Koran,
Tafsir al-Jalalayn
85, 22:
der – von jeglichen Teufeln und inhaltlichen Veränderungen geschützt – auf
einer hoch über dem siebten Himmel hängenden Tafel verewigt ist. Diese
Tafel ist so hoch wie die Distanz zwischen dem Himmel und der Erde und so
breit wie die Distanz zwischen dem Osten und dem Westen; sie ist aus
weißen Perlen gefertigt wie uns Ibn Abbas bestätigt hat. Möge Allah mit
ihm und seinem Vater Abbas zufrieden sein ...
Auf die
skurrile Tatsache, daß es sich beim Koran sowohl um eine
Offenbarungsschrift, nämlich das unerschaffene Wort Allahs und
gleichzeitig um eine Art Werbebotschaft in eigener Sache handelt verweist
u.a. auch Vers 77 aus Sure 56:
Sure 56, Vers 77:
Siehe, es ist wahrlich ein edler Koran.
Alle Verse
im Koran, die von der Urschrift handeln, enthalten zuerst den Hinweis auf
die Entstehung der „Mutter der Schrift“, welche auf einer
„hoch über dem
siebten Himmel hängenden Tafel“ verewigt ist. Dann
wird erwähnt, daß der Koran aus diesem Grundlagenwerk entnommen wurde.
Schließlich wird die eindringliche Versicherung abgegeben, daß es sich bei
diesem Buch um ein sehr wertvolles Dokument handelt. Vom Herrn der Welten
vor der Erschaffung von Himmel und Erde verfaßt (ebenso unerschaffen wie
Er und seit Anbeginn Seiend), eingraviert auf Steintafeln von gigantischem
Ausmaß „diese
Tafel ist so hoch wie die Distanz zwischen dem Himmel und der Erde und so
breit wie die Distanz zwischen dem Osten und dem Westen.“.
Weitere Verse beteuern die
zweifelsfreie Rechtleitung dieser Schrift:
Sure 2,
Vers 1:
Dies
Buch, daran ist kein Zweifel, ist eine Leitung für die Gottesfürchtigen.
Daraus ergibt sich die Frage, welche Kornverse aus der
Urschrift stammen und welche Verse lediglich kommentierenden Charakter
haben: „Was
ist dieses Buch, von welchem dieses Buch immerzu spricht? ... Das
bleibende Rätsel des koranischen Textes ist, daß er neben Versen, die als
zeitlose göttliche Verlautbarungen auszulegen sind eine große Anzahl von
Kommentaren über seine eigene Offenbarung enthält, welche die äußeren zum
Zeitpunkt der Offenbarung vorliegenden Umständen reflektieren. Man muß
sich wundern, wie diese beiden Verstypen nicht nur Seite an Seite stehen,
sondern im selben Dokument miteinander verwoben sind. Wie kann der
Koran beständig auf sich selber verweisen und gleichzeitig behaupten, eine
Einheit zu sein? Wie kann er sich selber definieren und verteidigen
während er selber offenbart wird?“
Der Koran ist beides:
sich selber und über sich selbst. Sogar in seiner vorliegenden endgültigen
Form scheint er noch immer ein „work in progress“ zu sein, sich selber
sorgfältig beobachtend und kommentierend. Das macht den Koran so
rätselhaft als kanonisierter und kodifizierter Text. Was man „zwischen den
beiden Deckeln“ findet bleibt eine Überraschung weil es nicht als Einheit
daherkommt, nicht als Kopie eines schon vor der Zeit bestehenden
himmlischen Buches.“
(Ecyclopaedia of the Qur'an, Brill, Leiden +
Boston, 2006, Seite 249 f)
In der Tat sind die Verse, die sich interpretierend auf
den Koran selber beziehen zahlreich. Der Koran ist das einzige religiöse
Grundlagenwerk, das ständig beteuert, wie wunderbar es ist ...
6.6.
Abrogation
Die Außerkraftsetzung von
Offenbarungen durch spätere, die vorrangigen aufhebende Verse ist eine
Spezialität des Korans. Früher offenbarte Verse welche von später
gelieferten außer Kraft gesetzt wurden, sind im Koran häufig zu finden.
►
Abrogation
Ein Beispiel ist das Weinverbot, das
gleichsam tröpfchenweise herniedergesendet wurde, wobei die späteren Verse
die früheren insofern abrogieren, als sie das Verbot immer grundsätzlicher
festlegen:
„Später
verurteilt der Koran zunächst ein Übermaß an berauschendem Getränk:
Sure 4,43 warnt vor dem Betrunkensein beim Gebet, und einige frühe
Korankommentatoren berichten, daß die Prophetengefährten Trinkgelage
abhielten und ihnen anschließend Fehler im rituellen Gebet unterliefen.
Sure 2,219 räumt noch ein, daß Wein und Losspiel zwar bisweilen Nutzen
bringen können, daß aber die Sünde hierbei größer sei als der Nutzen. Nach
Sure 5,90-91, der mit etwa im Jahr 626 zuletzt offenbarten
Koranstelle zum Thema Alkohol, sind "Wein, Glücksspiel, Opfersteine und
Lospfeile ... ein Greuel und des Satans Werk!", denn, so die Begründung,
"der Satan will durch Wein und Glücksspiel nur Feindschaft und Haß
zwischen euch aufkommen lassen und euch so vom Gedenken Gottes und vom
Gebet abhalten."
(Quelle:
http://www.islaminstitut.de/Artikelanzeige.41+M5168c401d6a.0.html)
Die wichtigste Außerkraftsetzung
betrifft das den Ungläubigen in Mekka von Allah noch zugestandenen Recht
auf Glaubensverweigerung. Er
hat es, entsprechend Seinem Haß gegen die Ungläubigen, in Medina
aufgehoben, sobald Sein Gesandter personell und logistisch stark genug
war, Seine Rechtleitung hienieden mit dem Schwert durchzusetzen.
►
Freier Wille
►
Der Eingriff
Daß Abrogation innerhalb des
Offenbarungsgeschehens überhaupt notwendig ist, beweist die umfassende
Geschichtsbezogenheit des koranischen Dogmas.
7. Das Buch der menschlichen
Taten
Das Buch der menschlichen Taten wird
gemäß islamischer Erkenntnis über jeden Menschen während seiner ganzen
Lebensspanne angelegt und bildet die Grundlage für den Richtspruch Allahs
anläßlich des Jüngsten Gerichtes.
►
Das Verhör
Dafür sind jedem Menschen zeitlebens
„Hüter“ zugeteilt:
Sure
82, Vers 10:
Aber siehe, über euch sind wahrlich Hüter,
Sure
82, Vers 11:
Edle, schreibende,
Sure
82, Vers 12:
Welche wissen, was ihr tut.
Es handelt es sich bei diesen Hütern
um zwei Engel mit Namen Kiramun und Katibun. Sie vermerken alle Handlungen
des Menschen in einem Buch. Patrik Hughes schreibt unter dem Stichwort:
KIRAMUN KATIBUN
Bedeutet wörtlich „Die berühmten Autoren“. Sie sind die zwei Engel, welche
angeblich jedem Menschen zur Seite stehen um dessen Un/Taten schriftlich
festzuhalten. Derjenige auf der „rechten“ Seite schreibt jeweils die
guten Handlungen auf, der andere – „linke“ – notiert die üblen
Machenschaften. Sie werden auch im Koran erwähnt, z. B. in Sure 82, Vers
10, 11 und 12. ...
In den
sunnitischen „Mishkat al-Masabih“Ahadith (Buch 4, Kapitel 8, Vers 1) wird
berichtet, daß der Prophet seine Getreuen angehalten hat, weder nach
vorne noch nach rechts, sondern in die linke Richtung zu spucken, weil da
derjenige Engel steht, welcher die üblen Taten aufschreibt.
Es wird
angenommen, daß diese Engel jeden Tag ausgewechselt werden. Deshalb werden
sie „mu’aqqibat“ (diejenigen welche einander ablösen) genannt.
(Thomas Patrick Hughes, A Dictionary
of Islam, W.H. Allen & Co, 1895)