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Die himmlischen Bücher

Vergleiche:

Prädestination und freier Wille
Allahs Allmacht
Allahs Fügung und Führung

Die himmlischen Bücher beinhalten Allahs Allwissen und umfassen zwei verschiedene Schriften: „Es gehört zum Allgemeinwissen der Nahostwissenschaftler, daß Allah sowohl ein Inventar all dessen, was Er erschaffen hat in Aufbewahrung hält als auch detaillierte Bücher der menschlichen Taten.“ (Encyclopaedia of the Qur’an, Brill, Leiden + Boston, 2006, Seite 243) Die Bücher der menschlichen Taten sind eine genaue Niederschrift der Handlungen eines jeden Menschen auf dieser Welt und dienen beim Jüngsten Gericht als Grundlage für Allahs Urteil.

Das Buch der menschlichen Taten

 

1. Definition

Das islamische Dogma behauptet, das oben erwähnte Inventar sei die Matrix aller Offenbarungsschriften inklusive Bibel und Koran. Außerdem enthalte es alle Verfügungen Allahs (al-Qadar), welche das Schicksal Seiner Schöpfung festlegen. Es wurde in der Vor-Ewigkeit angelegt und gilt demnach als unerschaffen. „Die Beschreibung aller vergangenen gegenwärtigen und zukünftigen Ereignisse und die Quelle der Offenbarung auf welche sich die koranischen Bezeichnungen

  • Mutter des Buches (umm al-kitab) (43;4)

  • verborgene Tafel (kitab maknun) (56;78)

  • wohlverwahrte Tafel (lawh mahfuz) (85;22)

beziehen. Entsprechend der Ansicht der meisten Koraninterpreten befindet sich das himmlische Buch entweder rechterhand oder unterhalb von Allahs Thron und oberhalb des siebten Himmels ... Das himmlische Buch dient Allah in zwei Arten. Erstens ist es die Niederschrift aller Geschehnisse, die sich seit der Schöpfung ereignet haben und die sich bis zum Jüngsten Gericht ereignen werden ... In einem zweiten engeren Sinn ist dieses Buch die Grundlage aller Offenbarungen, den Koran eingeschlossen.“

(Encyclopaedia of the Qur’an, Brill, Leiden + Boston, 2006, Seite 412)

Diese Mutter des Buches soll also den ewig gültigen Willen und somit die unveränderlichen Gesetze des Allmächtigen beinhalten. Zur Begriffsdefinition lesen wir in der „Enzyklopädie des Islam“:

„Unter dem Begriff "Mutter des Buches" wird i.d.R. eine Art nichtverbale Urschrift aller göttlichen Bücher und damit auch des Heiligen Koran verstanden. Gemäß den Versen:

Sure 13, Vers 39: Allah löscht aus und bestätigt, was Er will und bei Ihm ist die Mutter der Schrift.

und

Sure 43, Vers 4: Und siehe, es ist die Mutter der Schrift bei Uns - wahrlich ein hohes, ein weises.

befindet sich jene Mutter des Buches "bei“ Allah. Diese Formulierung hat zu zahlreichen Kontroversen unter Muslimen im Laufe der Geschichte geführt.

Sunniten glauben, daß jenes himmlische Exemplar wie Allah selbst ungeschaffen sei und von Ewigkeit her "neben Ihm" bestehe. Diese Auffassung wird von Schiiten abgelehnt, da es eine versteckte Form der Zweieinigkeit wäre. Vielmehr handle es sich um eine Form des Willen Gottes, der sich nicht von Gott trennen läßt ....“

(Quelle: http://www.eslam.de/begriffe/m/mutter_des_buches.htm)

 

2. Die materielle Wirklichkeit der Urschrift

Gemäß oben zitierter Definition des Begriffes „Mutter des Buches“ handelt es sich dabei um  „eine Art nichtverbaler Urschrift aller göttlichen Bücher“. Wie soll man sich nun diese Urschrift vorstellen, diese Mutter (Vorlage) aller göttlichen Bücher?

Der Koran gibt darüber folgende Auskunft:

Sure 85, Vers 21: Ja, es ist ein ruhmvoller Koran

Sure 85, Vers 22: Auf verwahrter Tafel.

Tafsir al-Jalalayn 85, 21: Es ist ein ruhmreicher, ein großartiger Koran.

Tafsir al-Jalalayn 85, 22: der – von jeglichen Teufeln und inhaltlichen Veränderungen geschützt – auf einer hoch über dem siebten Himmel hängenden Tafel verewigt ist. Diese Tafel ist so hoch wie die Distanz zwischen dem Himmel und der Erde und so breit wie die Distanz zwischen dem Osten und dem Westen; sie ist aus weißen Perlen gefertigt wie uns Ibn Abbas bestätigt hat. Möge Allah mit ihm und seinem Vater Abbas zufrieden sein ...

Es scheint sich also um eine reale, das heißt um eine substantiell existierende Tafel von gigantischen Ausmaßen zu handeln, reich verziert und damit sehr wertvoll. Auch Maududi spricht in seiner Exegese von einer „wohlverwahrten Tafel bei Gott“:

85, 22: Das heißt, daß das offenbarte, im Koran niedergeschriebene Wort unveränderbar und unvergänglich ist. Es ist festgeschrieben auf der wohlverwahrten Tafel bei Gott. Diese Tafel kann in keinerlei Art verändert werden. Was immer auf ihr festgeschrieben steht muß erfüllt werden. Selbst wenn die ganze Welt wollte kann sie ihre Erfüllung nicht verhindern.

(Quelle: http://www.islamicstudies.info/tafheem.php)

Weitere koranische Zeugnisse zur Urschrift:

Sure 43, Vers 4: Und siehe, es ist die Mutter der Schrift bei Uns - wahrlich ein hohes, ein weises.

Tafsir al-Jalalayn 43, 4: Und es ist wahrhaftig in der Matrix des Buches, der Urquelle aller Schriften, sprich der ewig währenden Tafel festgelegt. Sie ruht bei Mir und steht höher steht als alles was zuvor verfaßt wurde. Darin ist ausgezeichnete Weisheit enthalten.

Sure 27, Vers 75: Und nichts Verborgenes ist im Himmel und auf Erden, das nicht in einem deutlichen Buche stünde. 

Tafsir al-Jalalayn 27, 75: Es gibt nichts, was entweder im Himmel oder auf Erden verborgen wäre; alles ist niedergeschrieben in dem offenkundigen Buch, sprich auf der ewig währenden Tafel und in Allahs verborgenem Wissen. Ein Beispiel dafür wäre die Züchtigung der Ungläubigen.

Sure 56, Vers 77: Siehe, es ist wahrlich ein edler Koran,

Sure 56, Vers 78: In einem verborgenen Buch.

Sure 50, Vers 4: Wir wissen wohl, was die Erde von ihnen verzehrt, und bei Uns ist ein Buch, das achtgibt.

Tafsir al-Jalalayn 50, 4: Wir wissen wohl, was die Erde von den Toten verzehrt und bei Uns ist ein gut geschütztes Buch, namentlich die wohl aufbewahrte Tafel, die alles enthält, was von Allah je verfügt wurde.

Die Vorstellung eines im Himmel aufbewahrten unveränderbaren Buches, einer auf reich verzierten Steintafeln festgeschriebenen Urschrift ist einer der tragenden Eckpfeiler der islamischen theologischen Doktrin, denn untrennbar damit verbunden ist die Vorstellung der Unerschaffenheit des Korans und der Vorherbestimmung der ganzen Schöpfung.

Entsprechend der zentralen Bedeutung dieses himmlischen Buches sind die koranischen Zeugnisse zahlreich. Das himmlische Buch ist einerseits Grundlage und Bestätigung für die islamische Lehre der Prädestination und der Allmacht Allahs als auch andererseits die Quelle sämtlicher Botschaften, welche Allah je einem Volk hat zukommen lassen. 

Der besseren Lesbarkeit wegen und um die beiden unterschiedlichen Bedeutungen - Dekret des Schicksals von Allahs Schöpfung und Grundlage aller Offenbarungsschriften - unabhängig voneinander untersuchen zu können haben wir die entsprechenden Inhalte in zwei verschiedenen Kapiteln dargestellt.

 

3. Das Inventar der Schöpfung - das Buch des Schicksals

Das Inventar der Schöpfung ist demnach ein Teil des himmlischen Buches: „Der Koran verkündet auch, daß alles, was einem Individuum oder dem ganzen Universum vorherbestimmt ist in einem ursprünglichen Buch des Schicksals (kitab oder kitab mu’ajjal) festgeschrieben steht.“ (Encyclopaedia of the Qur’an, Brill, Leiden + Boston, 2006, Seite 523) 

Sämtliche individuellen und universellen Ereignisse in ihrer absoluten Totalität - ob sie nun in der Vergangenheit stattgefunden haben, sich heute oder in der Zukunft ereignen - sind also von Allah schon in der Vor-Ewigkeit auf dieser Tafel festgeschrieben worden:

Sure 57, Vers 22: Kein Unheil geschieht auf Erden oder euch, das nicht in einem Buch stünde, bevor Wir es geschehen ließen. Siehe, solches ist Allah leicht.

 

Sure 27, Vers 75: Und nichts Verborgenes ist im Himmel und auf Erden, das nicht in einem deutlichen Buche stünde. 

Tafsir al-Jalalayn 27, 75: Es gibt nichts, was entweder im Himmel oder auf Erden verborgen wäre; alles ist niedergeschrieben in dem offenkundigen Buch, sprich auf der ewig währenden Tafel und in Allahs verborgenem Wissen. Ein Beispiel dafür wäre die Züchtigung der Ungläubigen.

Sure 50, Vers 4: Wir wissen wohl, was die Erde von ihnen verzehrt, und bei uns ist ein Buch, das achtgibt.

Tafsir al-Jalalayn 50, 4: Wir wissen wohl, was die Erde von den Toten verzehrt und bei Uns ist ein gut geschütztes Buch, namentlich die wohl aufbewahrte Tafel, die alles enthält, was von Allah je verfügt wurde.

Sure 6, Vers 38: Kein Getier gibt’s auf Erden und keinen Vogel, der mit seinen Schwingen fliegt, die nicht wären Völker gleich euch. Nichts haben wir in der Schrift übergangen, alsdann werden sie zu ihrem Herrn versammelt.

 

Sure 22, Vers 70: Weißt du nicht, daß Allah kennt, was im Himmel und auf Erden ist? Siehe, dies steht in einem Buch; siehe, dies ist leicht für Allah.

 

Sure 35, Vers 11: Und Allah hat euch erschaffen aus Staub, alsdann aus einem Samentropfen, alsdann machte Er euch zu zwei Geschlechtern. Und kein Weib wird schwanger oder kommt nieder ohne Sein Wissen, und kein Alternder altert oder nimmt ab an Alter, ohne daß es in einem Buch steht. Siehe, dieses ist Allah leicht.

Weitere Definitionen zur Doktrin der Verfügung des ganzen Weltenverlaufs durch Allah in der Vor-Ewigkeit finden wir auf einer islamischen Internetseite: „Das Stammwort „k-t-b“ in der Bedeutung von „erlassen“ oder „veranlassen“ kommt im Koran an mehreren Stellen vor. Laut dem islamischen Glaubenssystem hat Allah erst die Schreibfeder geschaffen welcher er in der Folge befahl, in einem Buch alles aufzuschreiben und festzuhalten, was sich ereignen sollte. Mit anderen Worten hat Allah alles veranlaßt oder erlassen, was sich in der Zukunft abspielen soll. Wir haben also drei Bestandteile: Schreibfeder, Buch und den Akt des Niederschreibens. Auf Arabisch heißt Schreibfeder „Qalam“, das Buch „Umm al-Kitab“, abgekürzt „Kitab“ oder manchmal auch die bewachte Tafel „al-Lauh al-Mahfuth“ und der Akt des Niederschreibens „kataba“ oder „satara“. „Maktoob“ ist das passive Partizip von „kataba“ und bedeutet das, „was aufgrund von Allahs Befehl im Buch durch die Schreibfeder niedergeschrieben und festgehalten wurde.“ 

(Quelle: http://forum.wordreference.com/showthread.php?t=231807)

Die Sunnah bezeugt, daß diese Schreibfedern nun nicht mehr gebraucht werden, das heißt  „trocken sind“ weil alles festgelegt ist:

Muslim B033 N6402 berichtet von Jabir:  Suriqa b. Malik b. Ju’shuin kam vorbei und fragte folgendes: „Gesandter Allahs, bitte erkläre uns unsere Religion als ob wir gerade erst entstanden seien. Geschehen unsere heutigen Handlungen weil die Schreibfedern, nachdem sie diese aufgeschrieben haben, trocken sind und die Schicksalsabläufe also schon ablaufen oder kommt das Schicksal erst später zum tragen?“ Der Prophet antwortete: „Die Schreibfedern sind trocken und die Schicksalsabläufe zugange.“ Der Fragesteller wollte nun weiter wissen: „Wenn dem so ist, was nützt es dann, gute Taten zu vollbringen?“ ­ ... Die Antwort war: „Handle (einfach), denn dasjenige wird dir leichter von der Hand gehen, was in deiner Absicht gelegen hat.“  

Die Schreibfeder wird auch im Koran erwähnt:

Sure 68, Vers 1: Bei der Feder und was sie schreiben,

Tafsir al-Jalalayn 68, 1: ... von der Schreibfeder, mit welcher Er die Aufzeichnungen für alle Kreaturen auf der wohlverwahrten Tafel gemacht hat und was die Engel des Guten und Rechtschaffenen darauf eingemeißelt haben.

Das Konzept des Inventars der Schöpfung beinhaltet, daß in der Tat nichts auf dieser Welt je geschehen ist und wird, welches nicht schon im großen Buch vorgemerkt wäre. Das ist im übrigen die Bestätigung der auch im nächsten Kapitel (Die Urschrift aller Offenbarungen) gewonnenen Erkenntnis, daß der ganze Weltenverlauf vorherbestimmt sein muß. In der Enzyklopädie des Koran lesen wir: „Gottes Allwissen schließt auch sein Vorwissen aller zukünftigen Ereignisse ein; sie sind in einem klaren Buch (kitab mubin) oder himmlischen Buch (umm al-kitab) niedergeschrieben.“ (Encyclopaedia of the Qur’an, Brill, Leiden + Boston, 2006, Seite 523) 

Es wurde schon herausgearbeitet, daß Vorwissen und Vorherbestimmung im islamischen Dogma als kongruente Begriffe zu behandeln sind. Das Vorwissen

Wir lesen dazu ebenfalls in der Enzyklopädie des Koran: „Die spätere Entwicklung des muslimischen theologischen Denkens machte ein Problem sichtbar, welches dem koranischen Konzept der Prädestination innewohnt und im Zusammenhang steht mit Gottes Wohlwollen gegenüber Seinen Kreaturen. Der Koran versteht sowohl den Himmel respektive die Hölle als größtes Glück oder Unglück das der Menschheit zuteil werden kann. Ob man die Freuden der Gärten oder die Torturen des Feuers erleben wird entscheidet sich anläßlich des Jüngsten Gerichtes in Abwägung der guten und schlechten Handlungen. Diese sind im Buch der menschlichen Taten aufgeschrieben. Das Buch der menschlichen Taten Dieses soll nicht mit dem Inventar der Schöpfung verwechselt werden, welches das Schicksal des einzelnen Individuums als auch des ganzen Kosmos enthält.

Man muß folgern, daß ein menschliches Wesen nur bestraft oder belohnt wird für Handlungen, welche auch wirklich von ihm begangen wurden. Natürlich muß man die persönliche Verantwortung der Idee von Bestrafung/Belohnung zugrunde legen.

Dennoch kann die Frage nach der endgültigen Verantwortung für die begangenen Taten nicht entschieden werden und es gibt keine eindeutige Antwort darauf. Sind sie das Resultat der freien Entscheidung des Menschen oder von Allahs Vorherbestimmung für diese Handlungen und Entscheidungen?

Eine wohlfeile koranische Antwort auf diese Problematik findet sich in:

Sure 16, Vers 93: Und so Allah es gewollt, hätte Er euch zu einer einzigen Gemeinde gemacht; jedoch führt Er irre, wen Er will, und leitet recht, wen Er will; und wahrlich zur Rechenschaft gezogen werdet ihr für euer Tun.

Die koranische Botschaft endet an diesem Punkt und fragt nie direkt danach, wieso Allah diejenigen bestraft, die Er in die Irre geleitet hat, oder wie es möglich ist, daß Er die Quelle schlechter Taten sein kann.“ (Encyclopaedia of the Qur’an, Brill, Leiden + Boston, 2006, Seite 269f) 

 

4. Die Urschrift aller Offenbarungen

Ein Teil der wohlverwahrten Tafel beinhaltet all die Offenbarungen, welche die Grundlage der Botschaften Allahs an alle Nationen sind. Denn die islamische Geschichtsschreibung geht davon aus, daß Allah zu jedem Volke einmal einen Propheten mit Seiner Botschaft gesendet hat:

Sure 43, Vers 4: Und siehe, es ist die Mutter der Schrift bei Uns - wahrlich ein hohes, ein weises.

Tafsir al-Jalalayn 43, 4: Und es ist wahrhaftig in der Matrix des Buches, der Urquelle aller Schriften, sprich der ewig währenden Tafel festgelegt. Sie ruht bei Mir und steht höher steht als alles was zuvor verfaßt wurde. Darin ist ausgezeichnete Weisheit enthalten.

Die obige Exegese zu Vers 4 aus Sure 43 weist darauf hin, daß die Urschrift noch weitere Botschaften beinhaltet, als sie der Koran transportiert. Die Mutter der Schrift ist demnach die  Urquelle aller Schriften“. Folgender nächster Vers weist explizit auf diesen Tatbestand hin:

Sure 13, Vers 38: Und wahrlich, schon vor dir entsandten Wir Gesandte und gaben ihnen Gattinnen und Nachkommenschaft. Kein Gesandter aber konnte ohne Allahs Erlaubnis ein Zeichen bringen. Jedes Zeitalter hat sein Buch.

Tafsir al-Jalalayn 13, 38: Und als sie sich über Mohammed lustig machten, weil er so viele Frauen hatte wurde das folgende offenbart: Wahrlich Wir sandten schon Boten vor dir, und Wir versorgten sie mit Frauen und Frucht, das heißt Kindern - und du bist wie sie; und keiner von ihnen konnte ohne Allahs Erlaubnis ein Zeichen bringen weil sie alle nur seine Diener waren, gefesselt an Ihn. Für jede Zeit, für jede Periode gibt es ein Buch, in welchem seine Begrenzung, seine spezifische Gültigkeit festgeschrieben ist.

Wie erwähnt, behauptet der Koran, daß Allah zu allen Völkern dieser Welt einmal einen Propheten entsandt hat, Die bisherigen Botschaften mit einer jeweils leicht veränderten Offenbarungsbotschaft, eben einem Buch, einer eigenen göttlichen Ordnung „in welchem seine Begrenzung, seine spezifische Gültigkeit festgeschrieben ist“. Die zentrale Botschaft in all diesen Büchern ist zweifelsfrei die Einheit und Einzigkeit Allahs, die Todsünde von Schirk und die Verdammung der Ungläubigen. Darüber hinaus weichen sie in einem nicht genau definierten (und eruierbaren) Maß voneinander ab.

 

5. Der Koran als Teil der Urschrift

Sure 56, Vers 77: Siehe, es ist wahrlich ein edler Koran

Sure 56, Vers 78: In einem verborgenen Buch.

Tafsir al-Jalalayn 56, 77: Was euch hier nämlich vorgetragen wird, ist wahrhaftig der edle Koran,

Tafsir al-Jalalayn 56, 78: in einem Buch niedergeschrieben, behütet, erhalten auf alle Ewigkeit, das ursprünglich gesammelte Werk.

Da die Mutter der Schrift unerschaffen ist, gilt dies auch für den Koran. Er ist ein Teil der Urschrift und wurde dem Propheten Mohammed ab dem Jahre 610 durch den Engel Gabriel offenbart. Seine Herniedersendung begann gemäß Sure 97 in der Nacht al-Qadr, der „Nacht der Herrlichkeit“ oder der „Nacht der Allmacht“:

Sure 97, Vers 1: Wir haben ihn in der Nacht al-Qadr offenbart.

Sure 97, Vers 2: Und was lehrt dich wissen, was die Nacht al-Qadr ist?

Sure 97, Vers 3: Die Nacht al-Qadr ist besser als tausend Monde.

Sure 97, Vers 4: Hinabsteigen die Engel und der Geist in ihr mit ihres Herrn Erlaubnis zu jeweiligem Geheiß.

Sure 97, Vers 5: Frieden ist sie bis zum Aufgang der Morgenröte. 

Auch an einer zweiten Stelle wird auf diese Nacht hingewiesen:

Sure 44, Vers 2: Bei dem deutlichen Buch!

Sure 44, Vers 3: Siehe, Wir haben es hinabgesandt in einer gesegneten Nacht - siehe, Wir waren Warner -

Tafsir al-Jalalayn 44, 3: Wahrlich, Wir offenbarten den Koran in einer gesegneten Nacht, der Nacht der Bestimmung (laylat al-qadr), in der Mitte des Monats Sha’aban, als er von der Urschrift (Umm al Kitab) entnommen und vom siebten Himmel hinunter in den Himmel dieser Erde transferiert wurde. Tatsächlich, Wir gaben den Menschen durch den Koran Anlaß zu Angst vor Allah.

Der Ausruf in Vers 2 der Sure 44 „Bei dem deutlichen Buch!“ ist ein Schwur des Allmächtigen auf Sein eigenes Buch. Wie soll man sich nun diesen Schwur und die Herabsendung des deutlichen Buches, dieser wortgetreuen Abschrift aus der Urschrift vorstellen? Maududi führt aus, daß einige Kommentatoren die Meinung vertreten, daß der Koran als Ganzes, also alle zu offenbarenden Verse zusammen in dieser Nacht den Engeln übertragen und anvertraut wurde. Von dort entnahm der Engel Gabriel dann Stück um Stück, je nach Offenbarungsereignis, mal von hier, mal von dort, um Mohammed, dem Propheten des Islam, den jeweiligen Inhalt situationsbezogen mitzuteilen. Es ist bekannt, daß dieser ganze Prozeß 23 Jahre dauerte. Andere Exegeten sind der Ansicht, daß die gesegnete Nacht lediglich den Beginn der Übertragungstätigkeit markierte. Demnach wäre der Koran nicht in ein Zwischendepot verfrachtet, sondern immer direkt der Urschrift entnommen worden:

44, 1: Die Bedeutung, ein Gelübde auf einem “deutlichen Buch“ abzulegen wurde schon in der 43. Sure abgehandelt. Es wird auch hier darauf bestanden, daß nicht Mohammed der Autor dieses Buches ist, sondern „Wir“. Das Buch selbst gibt genügend Anlass, dies zu bezeugen. Außerdem wurde berichtet, daß die Nacht, in welcher das Buch herabgesandt wurde, voller Segen war.  Die dummen und unwissenden Leute jedoch, welche nicht wähnen, was für sie oder andere gut ist, betrachten die Offenbarungen dieses Buches als eine Katastrophe und sie sind zutiefst in Sorge, wie sie es wohl loswerden könnten.  Die Stunde, in welcher „Wir“ sich entschied, das Buch hernieder zu senden um die Unwissenden aufzuwecken, war jedoch für die gesamte Menschheit eine hochgradig gesegnete. Manche Kommentatoren meinten, daß die Bedeutung, den Koran in dieser bestimmten Nacht herabzusenden, damit zu tun habe, daß seine Offenbarung in jener Nacht begonnen hatte. Andere wiederum denken, daß der gesamte Koran von der „Mutter der Schrift“ (umm al-kitab) auf die Träger der Offenbarung (Engel) übertragen und ihnen anvertraut wurde, um dann dem heiligen Propheten später und je nach Bedarf – bestimmt durch gewisse Ereignisse und Umstände (Offenbarungsereignis) während 23 Jahren – eingegeben zu werden. Was sich nun wahrhaftig abgespielt hat,  das weiß Allah wohl selbst am besten. Dieselbige Nacht wird auch die „Nacht des Schicksals/Macht“ (lailat-ul-qadr, 97. Sure) genannt. In diesem Vers wurde auch gesagt: “Wir sandten ihn herab in einer ruhmreichen Nacht“ oder “Wir sandten ihn herab in einer gesegneten Nacht“ (44, 3). Im Koran selber steht, daß es sich um eine bestimmte Nacht während des Ramadan Monates handle (2, 185). (Quelle: http://www.islamicstudies.info/tafheem.php)

Wie hat sich im Denken Mohammeds die Idee der Urschrift herausgebildet? Dazu R. Paret: "Die Vorstellung, daß Offenbarung und heilige Schrift irgendwie zusammengehören, hat sich bei Mohammed im Laufe der Zeit immer mehr festgesetzt … Und aus dieser These, daß alle Offenbarung dem Inhalt nach identisch sei, ergab sich schließlich als letzte Folgerung die Vorstellung von einer bei Gott befindlichen Urschrift, aus der jeweils einzelne Teile, in arabische Sprache umgesetzt, "eingegeben" oder "herabgesandt" werden." (R. Paret, Mohammed und der Koran, Seite 60, Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart, 1980)

Vielleicht wurde Mohammed auch von der Geschichte von Moses und der steinernen Gesetzestafel aus dem Alten Testament zur Idee der Urschrift, der „hoch über dem siebten Himmel hängenden Tafel“ inspiriert?

 

6. Textanalyse des Korans als Teil der Urschrift

In den folgenden Kapiteln werden einige textliche und dogmatische Spezialitäten zusammengestellt, die sich aus der Prämisse der Unerschaffenheit der koranischen Botschaft ergeben, das heißt der in der Vor-Ewigkeit erfolgten Festschreibung eines jeden Verses auf der immerwährenden Steintafel.

Betrachten wir im Gegensatz dazu die oben erwähnte Erzählung der Offenbarung der zehn Gebote. Wir dürfen davon ausgehen, daß der Schöpfer nicht zu Hammer und Meißel gegriffen hat, um seine Botschaft an Moses zu übermitteln, sondern daß dieser gottergebene Prophet dieselbe in einem Moment der Hingabe „empfangen“ hat. Wie auch immer: Es handelt sich um eine Botschaft, von der erzählt wird, daß sie an einem bestimmten Ort und zu einem bestimmten Zeitpunkt erfolgt ist; die Offenbarung selbst ist aber nicht an bestimmte Umstände und einen spezifischen Moment gebunden, sie könnte auch heute empfangen werden, ohne etwas von ihrer Aussage einzubüssen.

Demgegenüber sind viele Verse des Korans an ihre spezifischen Offenbarungsereignisse gebunden - und meist nur mit dem dazugehörenden biographischen Wissen verstehbar.

Einleitung

Ein prägnantes Beispiel für diese Abhängigkeit ist die Geschichte von Al-Nadr bin Alharith. Er war einer der Widersacher Mohammeds in Mekka und wies darauf hin, daß sich dessen Offenbarungen nicht von den Geschichten unterscheiden, die den Mekkanern schon von den Christen und Juden überbracht worden waren. Zudem verwahrte er sich gegen die Verunglimpfung von Gottheiten, die ihm heilig waren. Der Koran nimmt an acht Stellen Bezug auf diesen Polytheisten. Al-Nadr bin Alharith wurde von Ali auf Geheiß des Gesandten Allahs nach der Schlacht bei Badr erschlagen.

Die Ermordung des Al-Nadr bin Alharith

Dieser Mekkaner musste zu eben dieser Zeit geboren werden und er musste ein Widersacher Mohammeds sein, denn sonst hätten die entsprechenden Verse nicht offenbart werden können.

Ein weiterer Hinweis auf die präzis festgelegte Entwicklung (und damit Vorherbestimmung) der Weltengeschichte sind diejenigen Verse, die innerhalb der 23 Jahre dauernden Tätigkeit des Propheten abrogiert wurden, d.h. deren zeitlich begrenzte Gültigkeit schon bei ihrer Offenbarung festgelegt war: nämlich bis zur Außerkraftsetzung durch anderslautende Anweisungen.

Daraus ergibt sich, daß sich der ganze Weltenverlauf bis zum jeweiligen Offenbarungsereignis genau so hat ereignen müssen, damit genau zu jenem Zeitpunkt die dafür vorhergesehene Botschaft erfolgen konnte. Das ist der wichtigste Beweis der  vollständigen Vorherbestimmung der Weltgeschichte seit dem Akt der Schöpfung.

 

6.1. Ergänzungen der Offenbarung

Einzelne Belehrungen wurden während dem Offenbarungsereignis, will sagen unter dessen Einfluß modifiziert. So geschehen zum Beispiel anläßlich der Übertragung der Verse 95 bis 97 aus Sure 4, in welchen Allah den unbedingten Einsatz aller Gläubigen für die Sache des „Heiligen Krieges“ fordert. Die Stelle in Vers 97, wo die Engel mit den Toten sprechen, welche wider sich gesündigt hatten“ thematisiert den Umstand, daß einzelne bekehrte Muslime nach der Hijra in Mekka blieben und dann später mit den Quraisch in die Schlacht nach Badr zogen. Sie wurden von den (ausgewanderten) Muslimen totgeschlagen und mußten sich im Jenseits vor den Engeln rechtfertigen "wir sind die Schwachen im Land“ Diese Entschuldigung wurde von Allah nicht angenommen. Dies ist auch verständlich, denn erstens haben diese Leute den Glauben nicht höher bewertet als ihre familiären Bande und sind demnach dem Propheten nicht nach Medina gefolgt "Ist nicht Allahs Land weit genug, daß ihr hättet auswandern können in das selbe?" und zweitens haben sie auf der falschen Seite gekämpft:

Sure 4, Vers 95: Und nicht sind diejenigen Gläubigen, welche daheim ohne Bedrängnis sitzen, gleich denen, die in Allahs Weg streiten mit Gut und Blut. Allah hat die, welche mit Gut und Blut streiten, im Rang über die, welche daheim sitzen, erhöht. Allen hat Allah das Gute versprochen; aber den Eifernden hat Er vor den daheim Sitzenden hohen Lohn verheißen,

Sure 4, Vers 96: Rangstufen von Ihm und Vergebung und Barmherzigkeit; denn Allah ist nachsichtig und barmherzig.

Sure 4, Vers 97: Siehe, diejenigen, welche wider sich gesündigt hatten, nahmen die Engel fort und sprachen zu ihnen: "Wozu gehört ihr?" Sie sprachen: "wir sind die Schwachen im Land." Sie sprachen: "Ist nicht Allahs Land weit genug, daß ihr hättet auswandern können in das selbe?" Und jene, … ihre Behausung ist Dschahannam, und schlimm ist die Fahrt dorthin:

Während dem Offenbarungsgeschehen meldete sich ein blinder Mann zu Wort, der verständlicherweise über sein Seelenheil im Jenseits besorgt war. Das führte dazu, daß die göttliche Nachricht ergänzt wurde. Dazu der Bericht aus den Ahadit:

Bukhari V6 B61 N512, berichtet von Al-Bara: Nachdem folgendes offenbart wurde: „Und nicht sind die Gläubigen ... “ sagte der Prophet: „Ruft Zaid zu mir und laßt ihn das Tintenfaß und den Schulterknochen bringen.“ Dann sagte er zu Zaid: „ Schreib: „Und nicht sind die Gläubigen ... “. Da sagte Amr bin Um Maktum, ein blinder Mann, der hinter dem Propheten saß: „Oh Gesandter Allahs, was bedeutet dein Befehl für mich da ich doch blind bin?“ und da wurde statt dessen folgender Vers offenbart:

 

Sure 4, Vers 98: Außer den Schwachen unter den Männern und Frauen und Kindern, die sich nicht zu helfen vermögen und nicht des Weges geleitet sind.

 

6.2. Wiederholungen im Koran

Wiederholungen, teils identisch, teils in leicht veränderter Form sind im Koran allgegenwärtig. Es drängt sich daher die Frage auf, was zur Kernbotschaft der jeweiligen Offenbarung denn wirklich in der Urschrift steht. Es werden hier zwei Beispiele beleuchtet:

Im Zusammenhang mit Allahs Verurteilung von Homosexualität wurde die Geschichte von Lot offenbart. Aber nicht nur einmal, sondern gleich sieben Mal, jedesmal mit leicht verändertem Text. Die Geschichte von Lot

Wie ist es möglich, daß sieben unterschiedliche Versionen offenbart wurden, wenn der Koran die absolut wortgetreue Kopie der Urschrift ist? Welche Wiedergabe - wenn nicht alle sieben - steht nun wirklich in der Mutter der Schrift?

Ein weiteres Beispiel von redundanten Teilen der koranischen Botschaft sind die Hinweise Allahs zur Irreleitung der Ungläubigen und die (allerdings abrogierte) Freiwilligkeit der Glaubensannahme.

Anhang 40
Freier Wille

Über die Entstehungsgeschichte dieser Verse gibt folgendes Kapitel Auskunft:

Die Entstehung der Verse über den vorherbestimmten Unglauben und die Irreleitung

Was steht denn nun zu Irreleitung und Rückweisung der Rechtleitung wirklich in der Mutter des Buches?

 

6.3. Spezialfall Sure 13, Vers 39:

Im schon am Anfang dieses Kapitels zitierten Vers 39 aus Sure 13 stoßen wir auf eine Mitteilung des Herrn der Welten, die aufhorchen läßt. Vers 39 liest sich im Zusammenhang mit dem vorhergehenden Vers 38. Man muß daraus folgern, daß Allah die eherne Botschaft auf der Steintafel, von welcher Er auch die koranische Botschaft entnommen hat manchmal ad hoc abgeändert hat. „Jedes Zeitalter hat sein Buch“ bezieht sich hier auf den Koran - und aus dieser Botschaft löscht der Allmächtige offenbar gewisse Stellen, oder Er fügt welche hinzu was Er will“:

Sure 13, Vers 38: Und wahrlich, schon vor dir entsandten Wir Gesandte und gaben ihnen Gattinnen und Nachkommenschaft. Kein Gesandter aber konnte ohne Allahs Erlaubnis ein Zeichen bringen. Jedes Zeitalter hat sein Buch.

 

Sure 13, Vers 39: Allah löscht aus und bestätigt, was Er will und bei Ihm ist die Mutter der Schrift.

 

Sure 13, Vers  39: Und Gott löscht (seinerseits), was Er will, aus, oder läßt es bestehen. Bei ihm ist die Urschrift (in der alles verzeichnet ist).     (Übersetzung nach R. Paret)

Tafsir al-Jalalayn 13, 39: Allah löscht aus diesem Buch, was immer Er will und er schreibt darin fest, was immer Er will an Geboten und anderen Dingen und bei Ihm ist die Mutter der Schrift. Es ist die originale Quelle in welcher niemals etwas geändert wurde und sie enthält, was Er in der Vor-Ewigkeit darin festgeschrieben hat.

Folgen wir diesen exegetischen Betrachtungen enthält der Koran auch Teile, die eben nicht unerschaffen sind, sondern von Allah ergänzt oder eliminiert wurden!

 

6.4. Der Furqan - Die Unterscheidung

Die ersten achtzig Verse der 3. Sure offenbarte Allah, um die Unterschiedlichkeit Seiner Lehre zu derjenigen der Christen und Juden festzulegen. Die Unterscheidung

Sure 3, Vers 3: Herabgesandt hat Er auf dich das Buch in Wahrheit, bestätigend, was ihm vorausging. Und herabsandte Er die Tora und das Evangelium zuvor als eine Leitung für die Menschen und sandte nun die Unterscheidung (furqan)

Dies war notwendig geworden weil Mohammed erkannt hatte, daß seine Botschaft nicht, wie er anfangs angenommen hatte mit derjenigen der Christen und Juden übereinstimmte. Da lag für ihn die Schlußfolgerung nahe, daß diese ihre Schriften verfälscht hatten.

Verfälschung der Schrift

Die koranische Offenbarung ist, wie wir gesehen haben, in ihrer Geschichtlichkeit vollständig gefangen. Da sie aber das unerschaffene Wort Allahs ist, muß man annehmen, daß sogar die Schriftverfälschung der „Leute der Schrift“ vorherbestimmt war. Denn sonst hätten diese achtzig Verse, mangels geschichtlicher Relevanz, nicht offenbart werden können. Auch diese Episode läßt nur eine Interpretation offen: Der Hergang der ganzen Weltgeschichte bis zum Zeitpunkt der Offenbarung, das heisst bis zum auslösenden Offenbarungsereignis ist vorherbestimmt.

 

6.5. Verse, die den Koran interpretieren und rühmen

Einige der koranischen Zeugnisse verweisen darauf, daß der Koran ein Teil der Urschrift ist und versichern dem Leser zudem, daß es sich bei eben diesem Koran um ein ganz vortreffliches Buch handle:

Sure 85, Vers 21: Ja, es ist ein ruhmvoller Koran

Sure 85, Vers 22: Auf verwahrter Tafel.

Tafsir al-Jalalayn 85, 21: Nein wahrlich, dies ist ein großartiger, ein prächtiger Koran,

Tafsir al-Jalalayn 85, 22: der – von jeglichen Teufeln und inhaltlichen Veränderungen geschützt – auf einer hoch über dem siebten Himmel hängenden Tafel verewigt ist. Diese Tafel ist so hoch wie die Distanz zwischen dem Himmel und der Erde und so breit wie die Distanz zwischen dem Osten und dem Westen; sie ist aus weißen Perlen gefertigt wie uns Ibn Abbas bestätigt hat. Möge Allah mit ihm und seinem Vater Abbas zufrieden sein ...

Auf die skurrile Tatsache, daß es sich beim Koran sowohl um eine Offenbarungsschrift, nämlich das unerschaffene Wort Allahs und gleichzeitig um eine Art Werbebotschaft in eigener Sache handelt verweist u.a. auch Vers 77 aus Sure 56:

Sure 56, Vers 77: Siehe, es ist wahrlich ein edler Koran.

Alle Verse im Koran, die von der Urschrift handeln, enthalten zuerst den Hinweis auf die Entstehung der „Mutter der Schrift“, welche auf einer „hoch über dem siebten Himmel hängenden Tafel“ verewigt ist. Dann wird erwähnt, daß der Koran aus diesem Grundlagenwerk entnommen wurde. Schließlich wird die eindringliche Versicherung abgegeben, daß es sich bei diesem Buch um ein sehr wertvolles Dokument handelt. Vom Herrn der Welten vor der Erschaffung von Himmel und Erde verfaßt (ebenso unerschaffen wie Er und seit Anbeginn Seiend), eingraviert auf Steintafeln von gigantischem Ausmaß „diese Tafel ist so hoch wie die Distanz zwischen dem Himmel und der Erde und so breit wie die Distanz zwischen dem Osten und dem Westen.“.

Weitere Verse beteuern die zweifelsfreie Rechtleitung dieser Schrift:

Sure 2, Vers 1: Dies Buch, daran ist kein Zweifel, ist eine Leitung für die Gottesfürchtigen.

Daraus ergibt sich die Frage, welche Kornverse aus der Urschrift stammen und welche Verse lediglich kommentierenden Charakter haben: „Was ist dieses Buch, von welchem dieses Buch immerzu spricht? ... Das bleibende Rätsel des koranischen Textes ist, daß er neben Versen, die als zeitlose göttliche Verlautbarungen auszulegen sind eine große Anzahl von Kommentaren über seine eigene Offenbarung enthält, welche die äußeren zum Zeitpunkt der Offenbarung vorliegenden Umständen reflektieren. Man muß sich wundern, wie diese beiden Verstypen nicht nur Seite an Seite stehen, sondern im selben Dokument miteinander verwoben sind. Wie kann der Koran beständig auf sich selber verweisen und gleichzeitig behaupten, eine Einheit zu sein? Wie kann er sich selber definieren und verteidigen während er selber offenbart wird?“

Der Koran ist beides: sich selber und über sich selbst. Sogar in seiner vorliegenden endgültigen Form scheint er noch immer ein „work in progress“ zu sein, sich selber sorgfältig beobachtend und kommentierend. Das macht den Koran so rätselhaft als kanonisierter und kodifizierter Text. Was man „zwischen den beiden Deckeln“ findet bleibt eine Überraschung weil es nicht als Einheit daherkommt, nicht als Kopie eines schon vor der Zeit bestehenden himmlischen Buches.“ (Ecyclopaedia of the Qur'an, Brill, Leiden + Boston, 2006, Seite 249 f)

In der Tat sind die Verse, die sich interpretierend auf den Koran selber beziehen zahlreich. Der Koran ist das einzige religiöse Grundlagenwerk, das ständig beteuert, wie wunderbar es ist ...

 

6.6. Abrogation

Die Außerkraftsetzung von Offenbarungen durch spätere, die vorrangigen aufhebende Verse ist eine Spezialität des Korans. Früher offenbarte Verse welche von später gelieferten außer Kraft gesetzt wurden, sind im Koran häufig zu finden. Abrogation

Ein Beispiel ist das Weinverbot, das gleichsam tröpfchenweise herniedergesendet wurde, wobei die späteren Verse die früheren insofern abrogieren, als sie das Verbot immer grundsätzlicher festlegen: Später verurteilt der Koran zunächst ein Übermaß an berauschendem Getränk: Sure 4,43 warnt vor dem Betrunkensein beim Gebet, und einige frühe Korankommentatoren berichten, daß die Prophetengefährten Trinkgelage abhielten und ihnen anschließend Fehler im rituellen Gebet unterliefen. Sure 2,219 räumt noch ein, daß Wein und Losspiel zwar bisweilen Nutzen bringen können, daß aber die Sünde hierbei größer sei als der Nutzen. Nach Sure 5,90-91, der mit etwa im Jahr 626 zuletzt offenbarten Koranstelle zum Thema Alkohol, sind "Wein, Glücksspiel, Opfersteine und Lospfeile ... ein Greuel und des Satans Werk!", denn, so die Begründung, "der Satan will durch Wein und Glücksspiel nur Feindschaft und Haß zwischen euch aufkommen lassen und euch so vom Gedenken Gottes und vom Gebet abhalten."

(Quelle: http://www.islaminstitut.de/Artikelanzeige.41+M5168c401d6a.0.html)

Die wichtigste Außerkraftsetzung betrifft das den Ungläubigen in Mekka von Allah noch zugestandenen Recht auf Glaubensverweigerung. Er hat es, entsprechend Seinem Haß gegen die Ungläubigen, in Medina aufgehoben, sobald Sein Gesandter personell und logistisch stark genug war, Seine Rechtleitung hienieden mit dem Schwert durchzusetzen.

Freier Wille
Der Eingriff

Daß Abrogation innerhalb des Offenbarungsgeschehens überhaupt notwendig ist, beweist die umfassende Geschichtsbezogenheit des koranischen Dogmas.

 

7. Das Buch der menschlichen Taten

Das Buch der menschlichen Taten wird gemäß islamischer Erkenntnis über jeden Menschen während seiner ganzen Lebensspanne angelegt und bildet die Grundlage für den Richtspruch Allahs anläßlich des Jüngsten Gerichtes. Das Verhör

Dafür sind jedem Menschen zeitlebens „Hüter“ zugeteilt:

Sure 82, Vers 10: Aber siehe, über euch sind wahrlich Hüter,

Sure 82, Vers 11: Edle, schreibende,

Sure 82, Vers 12: Welche wissen, was ihr tut.

Es handelt es sich bei diesen Hütern um zwei Engel mit Namen Kiramun und Katibun. Sie vermerken alle Handlungen des Menschen in einem Buch. Patrik Hughes schreibt unter dem Stichwort:

KIRAMUN  KATIBUN

Bedeutet wörtlich „Die berühmten Autoren“. Sie sind die zwei Engel, welche angeblich jedem Menschen zur Seite stehen um dessen Un/Taten schriftlich festzuhalten.  Derjenige auf der „rechten“ Seite schreibt jeweils die guten Handlungen auf, der andere – „linke“ –  notiert die üblen Machenschaften. Sie werden  auch im Koran erwähnt, z. B. in Sure 82, Vers 10, 11 und 12. ...

In den sunnitischen „Mishkat al-Masabih“Ahadith (Buch 4, Kapitel 8, Vers 1) wird berichtet, daß  der Prophet seine Getreuen angehalten hat, weder nach vorne noch nach rechts, sondern in die linke Richtung zu spucken, weil da derjenige Engel steht, welcher die üblen Taten aufschreibt.

Es wird angenommen, daß diese Engel jeden Tag ausgewechselt werden. Deshalb werden sie „mu’aqqibat“ (diejenigen welche einander ablösen) genannt.

(Thomas Patrick Hughes, A Dictionary of Islam, W.H. Allen & Co, 1895)

 

 

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