HOME INHALTSVERZEICHNIS ANHÄNGE LINKS VIDEOS ÜBER DIESE SEITE AKTUELL

 

Der Kreuzestod Jesu in koranischer Sicht

Die Juden haben, gemäss folgenden Versen, eine grosse Verleumdung gegen Maria ausgesprochen indem sie für sich beanspruchen, Jesus gekreuzigt zu haben. Es wird aus dem Text nicht ersichtlich, warum damit ausgerechnet Maria verleumdet wird. Jedenfalls ist, gemäss koranischem Verständnis, Jesus nicht in eigener Person am Kreuz gestorben:

Sure 4,  Vers 156: Und weil sie ungläubig waren und wider Maria eine grosse Verleumdung aussprachen,
Sure 4, Vers 157: Und weil sie sprachen: "Siehe, wir haben den Messias Jesus, den Sohn der Maria, den Gesandten Allahs, ermordet" - doch ermordeten sie ihn nicht und kreuzigten ihn nicht, sondern einen ihm ähnlichen - darum verfluchten Wir sie. Und siehe, diejenigen, die über ihn uneins sind, sind wahrlich im Zweifel in betreff seiner. Sie wissen nichts von ihm, sondern folgen nur Meinungen; und nicht töteten sie ihn in Wirklichkeit.

Diese Verse folgen einer längeren Passage mit Vorwürfen Allahs gegen die Juden.

Es scheint aber, dass die Behauptung der Juden:

"Siehe, wir haben den Messias Jesus, den Sohn der Maria, den Gesandten Allahs, ermordet"

nicht einheitlich vertreten wurde, denn:

"Und siehe, diejenigen, die über ihn uneins sind, sind wahrlich im Zweifel in betreff seiner. Sie wissen nichts von ihm, sondern folgen nur Meinungen; und nicht töteten sie ihn in Wirklichkeit."

Diese Passage bezieht sich wahrscheinlich auf den Tatbestand, dass Mohammed mit verschiedenen christlichen Sekten (Nestorianer, Doketisten etc.) in Tuchfühlung gekommen ist, und mit deren Anschauungen bekannt war. Jedenfalls teilt Allah mit, dass Jesus nicht am Kreuz gestorben ist, sondern ein ihm ähnlicher. Diese Version deckt sich mit der Lehre der Sekte der Nestorianer. Danach soll Jesus vor seinem Passionsweg gegen

"einen ihm ähnlichen"

ausgetauscht worden sein. Diese Ansicht dürfte auch den persönlichen Vorstellungen Mohammeds von Prophetentum entsprochen haben: Der Prophet wird von Allah beschützt. Ein Krieger wie Mohammed will nicht sterben wie Jesus, sondern siegen, auch um Allahs Macht unter Beweis zu stellen.

Sure 5, Vers 67: O du Gesandter, verkünde alles, was hinabgesandt ward auf dich von deinem Herrn. Und so du es nicht tust, so hast du nicht verkündet Seine Sendung. Und Allah wird dich schützen vor den Menschen; siehe Allah leitet nicht die Ungläubigen.

In folgendem Vers teilt Allah dem Gesandten mit, dass er Jesus "zu sich erhöht hat"

Sure 4, Vers 158: Sondern es erhöhte ihn Allah zu Sich; und Allah ist mächtig und weise.

womit dieselbe Aussage gemacht wird wie in:

Sure 3, Vers 54: Und  die Kinder Israels schmiedeten Ränke. Aber auch Allah schmiedete Ränke. Er kann es am besten.
Sure 3, Vers 55: Damals als Gott sagte: 'Jesus! Ich werde dich nunmehr abberufen und zu mir in den Himmel erheben und rein machen, so dass du den Ungläubigen entrückt bist. Und ich werde bewirken, dass diejenigen, die dir folgen, den Ungläubigen bis zum Tag der Auferstehung überlegen sind. Dann aber werdet ihr alle zu mir zurückkehren. Und ich werde zwischen euch entscheiden über das, worüber ihr im Erdenleben uneins waret. (Übersetzung nach R. Paret)

Diese beiden Verse wurden, gemäss Ibn Ishaq, geoffenbart, als eine Karawane mit 60 byzantinischen Christen aus dem Nordjemen in Medina Halt machte. Wie zu erwarten war, fanden heftige Wortgefechte über den rechten Glauben statt.

Bezüglich Jesu Kreuzestod haben die byzantinischen Christen die Lehre ihrer Kirche vertreten, wonach Jesus Gottes Sohn ist und am Kreuz gestorben ist. Um das zu widerlegen, sandte Allah die oben erwähnten Verse herab, welche darlegen, dass die Juden Listen schmiedeten, um Jesus kreuzigen zu können. Allah, als der bessere Listenschmied, nahm aber Jesus zu sich in den Himmel und statt seiner wurde ein ihm ähnlicher gekreuzigt. (nach: Gustav Weil: Das Leben Mohammeds, 1. Band, Seite 304, Verlag J.B. Metzler, 1864)

Zum erwähnten "Kreuzigungsvers" Sure 4, Vers 158 führt Ch. Schirrmacher aus: "Demnach könnte Jesus, statt eines gewöhnlichen Todes gestorben zu sein, lebendig in den Himmel entrückt worden sein. Das wäre mit der Überlieferung des Prophetenbiographen Ibn Ishaq vereinbar, nach der Mohammed bei seiner Himmelsreise Jesus mit den übrigen im Koran genannten Propheten im Himmel angetroffen hat." (Ch. Schirrmacher: Der Islam, Band 2, Seite 224, Verlag Hänsler, Holzgerlingen, 2003)

Was die Wiederkunft von Jesus betrifft, steht im Koran nichts. Jedoch hat die ► sunnah  ein ganz klares Wissen davon. So finden wir bei Bukhari folgende detaillierte Beschreibung der Rolle Jesu am Ende der Zeiten:

Jesus wird am Ende der Tage in Damaskus auf die Erde zurückkehren, den Anti-Christen mit dem Schwert vernichten, alle Kreuze zerbrechen, alle Schweine töten, alle Synagogen und Kirchen zerstören und alle Christen töten, die dann nicht an den Islam glauben wollen. Dann wird er in der Moschee in Jerusalem das islamische Gebet verrichten. Dabei wird der dortige Führer ihm seinen Platz als Vorbeter überlassen wollen; Jesus reiht sich jedoch ein in die Gemeinde der Betenden, womit er ausdrücklich die Vorrangstellung des islamischen Vorbeters, ja des Islam selbst anerkennt und demonstriert. Wenn er den Antichristen getötet hat, werden alle "Leute der Schrift" an ihn glauben und es wird nur noch eine Glaubensgemeinschaft, nämlich die des Islam geben. Es werden Gerechtigkeit und Frieden auf der Erde herrschen (so die schiitische Sichtweise), sogar im Tierreich. Nach 40 Jahren wird Jesus sterben und in Medina neben Mohammed zwischen Abu Bakr und Umar begraben werden.

(Ch. Schirrmacher: Der Islam, Band 2, Seite 225, Verlag Hänsler, Holzgerlingen, 2003).

Eine grobschlächtigere Umdeutung der zentralen Gestalt einer anderen Religion ist kaum mehr möglich.

Den ausführlichen Bericht zu diesem Endzeitphantasma entnehmen Sie bitte der folgenden islamischen Internetseite:
Quelle: http://www.naqshbandi.de/DieWiederkunftJesus.html

 

© Arbeitskreis Religion und Menschenrechte