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Christen im Koran

Das deutlichste Urteil, welches der Koran über die Christen fällt, findet sich in folgenden Versen:

Sure 9, Vers 30: … Allah schlage sie tot! Wie sind sie verstandeslos!

Sure 98, Vers 6:  Siehe, die Ungläubigen vom Volk der Schrift und die Götzendiener werden in Dschahannams Feuer kommen und ewig darinnen verweilen. Sie sind die schlechtesten der Geschöpfe.

Eines der grundlegenden Irrtümer des Korans über die christlichen Schriften, insbesondere das Evangelium betrifft den Umstand, dass der Koran die Meinung vertritt, dieses wäre als göttliche Offenbarung herniedergekommen, ähnlich dem Koran:

Sure 3, Vers 3: Herabgesandt hart Er auf dich das Buch der Wahrheit, bestätigend, was ihm vorausging. Und herabsandte Er die Tora und das Evangelium zuvor als eine Leitung für die Menschen und sandte nun die Unterscheidung.

Sure 3, Vers 65: O Volk der Schrift, warum streitet ihr über Abraham, wo die Tora und das Evangelium erst nach ihm herabgesandt ward? Habt ihr denn nicht Verstand?

Da gemäss islamischer Lehre das Evangelium von Allah geoffenbart wurde, muss im Lichte der heutigen Kenntnis über die Genesis des Neuen Testamentes festgestellt werden, dass diese Verse unmöglich vom Allmächtigen stammen können, denn es ist auszuschliessen, dass Er sich so grundlegend über Seine eigene Offenbarungstätigkeit irrt. Das Evangelium ist nicht "herabgesandt" worden, sondern die Niederschrift über das Wirken von Jesus, verfasst von seinen Nachfolgern.

Darüber hinaus stimmen die im Koran erwähnten biblischen Erzählungen mit denjenigen der heutigen Testamente in wesentlichen Punkten nicht überein. Dies betrifft insbesondere die alttestamentarischen Prophetengeschichten, die Trinität und den Kreuzestod Jesu. Mohammed hat die Bibel nie gelesen, erstens weil sie nicht in einer arabischen Übersetzung vorlag, und zweitens weil Mohammed des Lesens und Schreibens nicht kundig war.

Th. Nöldeke führt zum Kontakt Mohammeds mit dem Christentum folgendes aus: "Daneben gab es in Mekka einzelne Abessinische und Griechische Christen, aber dies waren nur Sklaven oder Freigelassene, welche größtenteils nie eine nähere Kenntnis ihrer Religion gehabt hatten … Daher beschränkt sich Mohammeds Wissen vom Christentum auf einige zum Teil absurd verdrehte Legenden und einige sehr verwirrte Bruchstücke von Glaubenssätzen." (Theodor Nöldeke, Das Leben Mohammeds, Seite 19, Verlag Carl Rümpler, 1863) Zu den Informanten darf man sicher auch Mohammeds christliche Sklavinnen rechnen.

Die biblischen Inhalte des Korans unterscheiden sich also von denjenigen der Schriften der Juden und Christen grundlegend. Dazu R. Paret: "Mohammeds Orientierung nach den großen Offenbarungsreligionen wirkte sich auch im Inhalt seiner späteren Verkündigungen aus. Da der Prophet glaubte, zur selben Botschaft aufgerufen zu sein, die seinerzeit - im wesentlichen identisch - im Judentum und Christentum verkündet worden war, hatte er Interesse daran, möglichst viel jüdisches und christliches Gedankengut in Erfahrung zu bringen. Den Erfolg seines Lerneifers können wir aus dem Koran deutlich ablesen. In erster Linie waren es Geschichten von alttestamentlichen Gottesmännern, die er ins Repertoire seiner Verkündigung aufnahm … Die Quellen, die für diese Materialien zur Verfügung standen mögen apokryph oder auch sektiererisch verfärbt gewesen sein." (R. Paret, Mohammed und der Koran, Seite 63, Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart, 1980)

Eine  Belegstelle, wo beschrieben wird, wie Mohammed zu seinen Kenntnissen über das Christentum gekommen ist, finden wir beim islamischen Chronisten Ibn Ishaq, der 120 Jahre nach dem Tod des Propheten dessen offizielle Biographie verfasst hat. Gemäss seinem Bericht "saß Mohammed oft bei Merwa, bei der Bude eines jungen Christen, welcher Djebr hieß, und Sklave … war, so dass man sagte, Djebr lehre Mohammed vieles von dem, was er offenbart." (Gustav Weil: Das Leben Mohammeds, 1. Band, Seite 194, Verlag J.B. Metzler,1864)

In diesem Zusammenhang kam umgehend folgender Koranvers hernieder, in welchem uns Allah mitteilt, dass Mohammed sein Wissen der biblischen Geschichten und Lehren eben nicht von weltlichen Informanten mit barbarischer Sprache habe, wie dies die missgünstigen Mekkaner behaupteten. Vielmehr muss sie göttlichen Ursprungs sein, weil sie, wie uns vom Allmächtigen selbst versichert wird, in Arabisch herniederkommt: 

Sure 16, Vers 103: Und wahrlich, Wir wissen auch, dass sie sprechen: "Siehe, ein Mensch lehrt ihn." Die Sprache dessen, den sie meinen, ist barbarisch, und dies (der Koran) ist offenkundig die arabische Sprache.

Sure 13, Vers 37: Und demgemäß sandten Wir ihn als eine Vorschrift in arabischer Sprache nieder. Und wahrlich, wenn du ihrem Gelüste folgest, nachdem das wissen zu dir gekommen, so fändest du vor Allah weder einen Beschützer noch einen Behüter.

Sure 39, Vers 28: Einen arabischen Koran, in dem keine Krümme ist; vielleicht werden sie gottesfürchtig.

In dieselbe Richtung weisen folgende Verse, in denen Allah seinen Propheten auffordert, den mekkanischen Spöttern zu sagen, dass der Koran von Ihm selbst geoffenbart wird:

Sure 25, Vers 4: Und es sprechen die Ungläubigen: "Dies ist nichts als eine Lüge, die er ersonnen hat, und geholfen hat ihm ein anderes Volk." doch äussern sie Ungerechtigkeit und Lüge:
Sure 25, Vers 5: Und sie sprechen: "Die Fabeln der Früheren sind es, die er aufgeschrieben hat, und sie wurden ihm diktiert am Morgen und am Abend."
Sure 25, Vers 6: Sprich: "Hinabgesandt hat den Koran der, welcher das Verborgene im Himmel und auf  Erden kennt; siehe, Er ist verzeihend und barmherzig."

Gemäss Allahs Richtigstellung ist es keineswegs so, dass Mohammed Kenntnisse von weltlichen Informanten verarbeitet hat:

"geholfen hat ihm ein anderes Volk"

womit eben die erwähnten jüdischen und christlichen Informanten gemeint sind. Vielmehr sind alle koranischen Belehrungen göttlichen Ursprungs. Die von den Mekkanern gemachten Vorhaltungen:

"Die Fabeln der Früheren sind es, die er aufgeschrieben hat, und sie wurden ihm diktiert am Morgen und am Abend"

sind demnach haltlose Behauptungen.

Allah und die Mekkaner beurteilen den Sachverhalt also unterschiedlich. Der Allmächtige beharrt darauf, dass Sein Prophet das Wissen direkt in Offenbarungen mitgeteilt bekommen hat, während die Mekkaner feststellen, dass sie Mohammed immer wieder in der Gesellschaft von Juden und Christen gesehen hätten. Sie konnten keinen Unterschied zwischen den Reden Mohammeds und denen der "Schriftbesitzer" erkennen. Dazu R. Paret: "Mohammeds Selbstrechtfertigung, wie sie in den angefügten Stellen zum Ausdruck kommt, hat seinen Gegnern schwerlich eingeleuchtet. Wir dürfen ihr aber zum mindesten das eine entnehmen, dass er seinerseits fest überzeugt war, das (nach unserer Ansicht christliche und jüdische) Gedankengut des Korans in Form von wirklichen Offenbarungen übermittelt bekommen zu haben. Die Reproduktion des von anderen übernommenen Materials ist also in seinem Bewusstsein zu einem echten Offenbarungserlebnis geworden." (R. Paret, Mohammed und der Koran, Seite 64, Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart, 1980)

Wie soll man sich das Offenbarungsgeschehen, von dem der Prophet des Islam ergriffen war vorstellen? R. Paret beschreibt eine sehr einleuchtende Dynamik dieses Vorganges. Er sieht einen innerpsychischen Vorgang, ähnlich dem kreativen Geschehen, das sich auch bei Wissenschaftlern oder Künstlern ereignet: "Jeder schaffende Künstler glaubt eine Inspiration zu erleben, wenn es ihm in einer glücklichen Stunde gelingt, für seine Empfindung, die ihm bis dahin nur verschwommen vorgeschwebt hat, die schlechthin befriedigende Ausdrucksform zu finden. Ähnlich geht es dem Gelehrten … wenn es ihm beschieden ist, ein wissenschaftliches Problem, um das er sich lange vergeblich abgemüht hat, zu klären und auf den ihm gemässen Begriff zu bringen. Bei derartigen Erlebnissen hat auch der moderne Mensch, mag er noch so aufgeklärt sein, das Gefühl, nicht mehr aktiv schaffend, sondern passiv, d.h. empfangend zu sein. Bezeichnenderweise spricht man in einem solchen Zusammenhang von einem "Einfall" oder einer "Konzeption", was übrigens gleichzeitig "Empfängnis" bedeutet. Von da aus ist es, psychologisch gesehen, nur noch ein kleiner Schritt bis zur Eingebung oder Inspiration, wie ein Prophet sie erlebt." (R. Paret, Mohammed und der Koran, Seite 64 f, Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart, 1980)

Entsprechend diesem innerpsychischen Verarbeitungsvorgang kommt R. Paret zum Schluss: "Der Sache nach mochte sein Wissen von einem fremden Menschen stammen - in der abschliessenden Formulierung in "deutlicher arabischer Sprache" wurde es ihm neu geschenkt, und zwar von oben, von Gott" (R. Paret, Mohammed und der Koran, Seite 64, Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart, 1980):

Sure 25: Vers 6: Sprich: "Herabgesandt hat ihn der, welcher das Verborgene im Himmel und auf Erden kennt; siehe, Er ist verzeihend und barmherzig."

Zur allmählich sich immer weiter entwickelnden Lehre Mohammeds führt Th. Nöldeke aus: "Selbst darüber sind wir nicht sicher, wie weit Mohammed seine Lehre schon ausgebildet hatte, als er auftrat … Jedenfalls hat er manche Satzung erst viel später aufgestellt. Er blieb in beständigem Umgange mit Juden, von denen er mündlich manche Aufklärungen erhielt, die er dann wieder in seinen Offenbarungen verarbeitete. Aber nie hat er ihre heiligen Schriften selbst gelesen. Ja er war sich in diesen frühen Zeiten des Unterschieds seiner Lehre von derjenigen der Christen und Juden sehr wenig bewusst, und meinte fest, die wahren Christen und Juden wären Gläubige." (Theodor Nöldeke, Das Leben Mohammeds, Seite 27 f, Verlag Carl Rümpler, 1863) Deshalb spricht Allah zu den ungläubigen Mekkanern folgendes:

Sure 26, Vers 197: Wird ihnen (den Mekkanern) denn dies kein Zeichen sein, dass ihn (Mohammed) die Weisen der Kinder Israel erkennen?

Der Prophet hatte also regelmässig Kontakt zu "Leuten der Schrift" und zwar auch solchen, die selber nie eine theologische Ausbildung erhalten, und mit grosser Wahrscheinlichkeit auch keine Schriften gelesen hatten. Wie dargelegt, muss man annehmen, dass Mohammed unzureichend informiert wurde und aus dem Vernommenen auch noch falsche Annahmen abgeleitet hat. Nur so ist zum Beispiel zu verstehen, dass Verse herabgesendet wurden, in welchen es heisst, dass Allah Jesus das Evangelium geoffenbart habe:

Sure 4, Vers 46: Und in ihren Spuren liessen Wir folgen Jesus, den Sohn der Maria, zu bestätigen die Tora, die vor ihm war, und Wir gaben ihm das Evangelium, darinnen eine Leitung und  ein Licht, bestätigend die Tora, die vor ihm war, eine Leitung und Ermahnung für die Gottesfürchtigen.

Hier fehlte Mohammed grundlegendes Wissen. Ihm war nicht bekannt, dass das Neue Testament keinen einzigen Text enthält, den Jesus selber geschrieben hat. Vielmehr sind die neutestamentarischen Schriften das Ergebnis einer geschichtlichen Entwicklung, die sich über mehr als ein Jahrhundert hingezogen hat. Mohammed war am Anfang seiner Prophetenkarriere der Meinung, dass es sich beim Neuen Testament um eine Offenbarung handelt, die das Alte Testament bestätigt, und die identisch ist mit der koranischen Offenbarung, die ihm Allah ungefähr 610 Jahre nach dem Leben Jesu eröffnet hat.

Dieselbe vollkommene Verkennung der geschichtlichen Tatsachen geht auch aus Vers 30 der Sure 19 hervor. Dort gibt der Koran Jesus sogar ein Buch und lässt ihn ausdrücklich zum Propheten werden:

Sure 19, Vers 30: Er sprach: "Siehe, ich bin Allahs Diener. Gegeben hat Er mir das Buch und Er machte mich zum Propheten.

Gemäss R. Paret hatte Mohammed zu Christen lange Zeit ein entspannteres Verhältnis als zu den Juden: "Zusammenfassend (und vergröbernd) könnte man etwa sagen, dass er die Juden wegen ihrer Unbotmässigkeit gegen Gott und aus anderen Gründen moralisch verurteilt, zuweilen auch verachtet und gehasst hat, dass er dagegen die Christen wegen gewisser dogmatischer Behauptungen und Fehlschlüssen rügen zu müssen glaubte."

(R. Paret, Mohammed und der Koran, Seite 141, Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart, 1980):

Sure 5, Vers 82: Wahrlich, du wirst finden, dass unter allen Menschen die Juden und die, welche Allah Götter zur Seite stellen, den Gläubigen am meisten Feind sind, und du wirst finden, dass den Gläubigen diejenigen, welche sprechen: "Wir sind Nazarener", am freundlichsten gegenüberstehen. Solches, dieweil unter ihnen Priester und Mönche sind, und weil sie nicht hoffärtig sind.

Obschon die Christen, ebenso wie die im vorliegenden Vers erwähnten Heiden

"Allah Götter zur Seite stellen",

wurden sie anfänglich wohlwollend beurteilt. Gemäss Allah machen sie sich allerdings, indem sie, wie die Heiden auch, "Allah Götter zur Seite stellen" der schlimmsten aller möglichen Sünden schuldig: Schirk Alles kann Er in seiner Huld verzeihen, ausser diesem:

Sure 4, Vers 48: Siehe, Allah vergibt nicht, dass man Ihm Götter beigesellt; doch verzeiht Er, was ausser diesem ist, wem Er will. Und wer Allah Götter beigesellt, der hat eine gewaltige Sünde ersonnen.

Die Strafe fällt sehr unangenehm aus:

Sure 4, Vers 59: Siehe, wer da Unsre Zeichen verleugnet, den werden Wir im Feuer brennen lassen. Sooft ihre Haut gar ist, geben Wir ihnen eine andre Haut, damit sie die Strafe schmecken. Siehe Allah ist mächtig und weise.

Wie ist das möglich? Wie kann die Wertschätzung der Lehre der Christen als mögliches Vorbild für den Propheten selbst (wie oben empfohlen) so grundlegend in ihr Gegenteil gekippt sein? Es ist die in Vers 48 aus Sure 4, inhaltlich allerdings falsch wiedergegebene Lehre der Dreifaltigkeit Trinität im Christentum, die den Zorn Allahs und die Abwendung des Propheten provozierte.

 

Die Unterscheidung (Sure 3, Verse 2 - 80)

Ein Ereignis im Leben des Propheten, welches ihm die Unterschiedlichkeit seiner Lehre zum Christentum klar vor Augen geführt hat, beschreibt Ibn Ishaq. Danach wurde Mohammed am Anfang seiner Zeit in Medina von einer Karawane von sechzig Christen aus Nadjran im Nordjemen besucht. Deren Anführer soll ein begüterter, hoch angesehener und belesener Mann mit Namen Abu Haritha gewesen sein: "Als sie aufbrachen, um sich zu Mohammed zu begeben, setzte sich Abu Haritha auf sein Maultier, und neben ihm ritt sein Bruder Kur, da stolperte Abu Harithas Maultier und Kur sagte: "Möge der Entfernte straucheln!" Er meinte damit Mohammed. Aber Abu Haritha sagte: "Mögest du straucheln!" Kur fragte: "Und warum, mein Bruder?" "Weil er der Prophet ist, den wir längst erwartet haben." antwortete Abu Haritha. Da fragte Kur: "Und was hält dich fern von ihm, wenn du das weißt?" Er antwortete: "Das Verfahren unserer Leute gegen uns, indem sie uns geehrt und geadelt und bereichert haben, die wollen Mohammed nicht folgen, und wenn ich es täte, würden sie uns alles entziehen, was du siehst." (Gustav Weil: Das Leben Mohammeds, 1. Band, Seite 297 f, Verlag J.B. Metzler, 1864)

Gemäss diesem Bericht hatten die Vorsteher der Nadjran Bücher, die bei ihrem Tode auf den nächsten Vorsteher übergingen. Bei diesem Erbgang sollen diese Bücher mit einem Siegel versiegelt worden sein, welches nicht mehr aufgebrochen werden durfte. Trotzdem wusste Abu Haritha offensichtlich, dass in einem von diesen Büchern die Ankunft Mohammeds angekündet war, er muss ein Siegel aufgebrochen haben. Sein Bruder Kur ging später zum Islam über und hat darauf auch ein Siegel aufgebrochen und die Ankunft Mohammeds angekündet gefunden. Weiter:

"Als die Christen aus Nadjran nach Medina kamen, gingen sie zu Mohammed in die Moschee, als er das Nachmittagsgebet verrichtete … Mohammed redete Abu Haritha an, welcher ein Christ war, nach dem Glauben des Kaisers (von Byzanz), obgleich sie in manchen Punkten nicht miteinander übereinstimmten. Sie sagten, wie alle Christen, Jesus ist Gott, ein Sohn Gottes, und der dritte von drei. Sie bewiesen, dass er Gott ist, indem er die Toten belebte, die Kranken heilte, Verborgenes offenbarte, aus Lehm etwas wie einen Vogel schuf, und ihm etwas einhauchte, wodurch es zum wirklichen Vogel wurde - alles dies auf Befehl Gottes, damit es den Menschen als Zeichen diene. Sie bewiesen, dass er ein Sohn Gottes war, indem kein Vater von ihm bekannt ist, und er schon in der Wiege sprach, was kein Menschensohn vor ihm getan. Sie bewiesen ferner, dass er der Dritte von drei ist, nämlich Gott, Christus und Maria, indem es heißt: "Während doch, wenn Gott einzig wäre, es heißen müsste: "Ich habe getan, beschlossen, befohlen, geschaffen." … Als die beiden Priester so mit Mohammed gesprochen hatten, forderte er sie auf, Muslime zu werden. Sie sagten: "Wir sind längst Gott ergeben." Da sagte Mohammed: "Ihr lügt, wäret ihr Muslime, so würdet ihr nicht behaupten, Gott habe einen Sohn, und nicht das Kreuz anbeten, und kein Schweinefleisch essen." (Gustav Weil: Das Leben Mohammeds, 1. Band, Seite 298, Verlag J.B. Metzler, 1864)

Da offenbarte Allah, um die Reden der Christen zu widerlegen, den Anfang der Sure 3. In Vers 3 weist der Allmächtige darauf hin, dass Er die Lehre der Christen nun richtig stellt, indem Er jetzt "die Unterscheidung", das heißt eben die Verse, die den Anfang von Sure 3 ausmachen herabsendet:

Sure 3, Vers 2: Allah - es gibt keinen Gott ausser Ihm, dem Lebendigen, dem Ewigen.
Sure 3, Vers 3: Herabgesandt hat Er auf dich das Buch der Wahrheit, bestätigend, was ihm vorausging. Und herabsandte Er die Tora und das Evangelium zuvor als eine Leitung für die Menschen und sandte nun die Unterscheidung.
Sure 3, Vers 4: Siehe die, welche Allahs Zeichen verleugnen, für sie ist strenge Strafe. Und Allah ist mächtig, ein Rächer.
Sure 3, Vers 5: Siehe Allah - nicht ist ihm verborgen ein Ding auf Erden und im Himmel.
Sure 3, Vers 6: Er ist's, der euch bildet in den Mutterschössen, wie Er will. Es gibt keinen Gott ausser Ihm, dem Mächtigen, dem Weisen!

...

Es handelt sich bei dieser "Unterscheidung" um etwa 80 Verse, die Allah alle als Reaktion auf diese Begegnung geoffenbart hat. Ihr Inhalt ist zusammengefasst folgender:

  • Die Versicherung des Jüngsten Tages und des Endgerichtes, wo alle Ungläubigen abgeurteilt und der Feuerspein übergeben werden während die Gläubigen ins Paradies eingehen.

  • Der Versicherung und Bezeugung Allahs, dass es neben Ihm keinen anderen Gott gibt.

  • Das Verbot an die Gläubigen, sich Ungläubige zu Freunden zu nehmen.

  • Das absolute Gehorsamsgebot für die Gläubigen.

  • Die muslimische Version der Empfängnis Marias und deren Begleitumstände.

  • Die muslimische Version von Jesu Tod und seiner Auferstehung.

  • Die Aufforderung an die Christen, sie sollen Allah dienen und keine Götter neben ihm annehmen, und nicht Lügen aussprechen, obschon sie dies wissen und nicht mit ihren Zungen die Schrift verkehren.

  • Sie sollen wieder zur Reinheit ihrer eigenen Schrift zurückkehren und damit Muslime werden.

Nachdem Mohammed all die empfangenen Offenbarungen den Christen ad hoc vorgetragen hatte, forderte Allah, sprechend durch Seinen Propheten, die Christen noch zu einer Art gegenseitigem Fluchgebet auf. Damit wäre sichergestellt, dass die Lügner, das heisst die Vertreter des falschen Glaubens Allahs Fluch treffen wird: "Denjenigen aber, welche mit dir über ihn (Jesus) streiten, nachdem was Ich dir über ihn geoffenbart habe, sage: "Wir wollen eure Söhne und unsere Söhne, unsere Frauen und eure Frauen, uns selbst und euch selbst herbeirufen, und eine Verwünschung aussprechen und Gottes Fluch über die Lügner herabrufen." (Gustav Weil: Das Leben Mohammeds, 1. Band, Seite 304, Verlag J.B. Metzler, 1864). Die Christen, gemäss Bericht von Ibn Ishaq, wussten ganz genau, dass Mohammed Recht hatte. Sie zogen sich zur Beratung zurück und teilten anschliessend Mohammed mit: "Wir finden es gut für dich, nicht zu verfluchen, wir lassen dich in deinem Glauben, wir bleiben bei dem unsrigen."

Die Begegnung mit den Christen der jemenitischen Karawane hat dem Propheten die Erkenntnis der Unterschiedlichkeit der beiden Lehren also verdeutlicht. Hier stellte sich nun ein gravierendes Problem: Mohammed hatte sich bisher auf Berichte und Belehrungen des Alten und Neuen Testamentes berufen, wenn auch teilweise in stark abgeänderter Form. Seine Version der Schriften musste richtig sein, denn er hatte daraus religiöse Inhalte generiert und eine Lehre gemacht. Er konnte nun nicht sein bisher entwickeltes Dogma umkippen. Er musste es verteidigen. Eine Art der Umkehrung von Ursache und Wirkung. R. Paret schreibt, dass der Prophet in dieser frühen Zeit in Medina eigentlich noch Gelegenheit gehabt hätte, "über das Judentum als Ganzes und über viele Einzelheiten der biblischen Geschichte genauere Erkundigungen einzuziehen und seine bisherigen, auf Grund einer mangelhaften Orientierung gewonnenen Ansichten in einigen Punkten zu korrigieren … Er fand sich wohl dazu bereit, sein Wissen um den Inhalt der früheren Offenbarungsreligionen zu ergänzen. Aber von seiner - objektiv betrachtet - fehlerhaften Ansicht über gewisse heilsgeschichtliche Grundtatsachen ist er nicht mehr abgegangen. Und das ist verständlich. Wer sich im fünften Jahrzehnt seines Lebens unter vielerlei Kämpfen und Anfeindungen ein weltanschauliches System zurechtgedacht und mit der Leidenschaftlichkeit des Rechtgläubigen auch nach Aussen hin vertreten hat, wird im sechsten Jahrzehnt kaum mehr so elastisch sein, um sich - auf Grund eines neu oder genauer erkannten Sachverhaltes - eines Besseren belehren zu lassen." (R. Paret, Mohammed und der Koran, Seite 37f, Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart, 1980)

Und weiter: "Die Übernahme und Aneignung von Stoffen christlicher und jüdischer Herkunft birgt ein psychologisches Problem in sich. Schon die heidnischen Mekkaner haben daran Anstoss genommen." (R. Paret, Mohammed und der Koran, Seite 63, Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart, 1980) Anstatt sich damit zufrieden geben zu können, eine andere, neue Religion zu stiften, und ein unabhängiges Dogma ausformulieren zu können, musste Mohammed die Unterschiedlichkeit seiner Lehre verteidigen. Es blieb ihm also gar nichts anderes übrig, als die Schrift der Christen und ihre daraus gezogenen Lehren als unwahr zu erklären. Allah sandte die nötigen Verse herab.

Wie soll nun mit der offenbar gewordenen Differenz umgegangen werden?

 

Verfälschung der Schrift

T. Nagel skizziert im folgenden Zitat die in Sure 3, Vers 78 gemachte Behauptung der Verfälschung der Schrift:

Sure 3, Vers 78: Und siehe, wahrlich ein Teil ist unter ihnen, der mit seinen Zungen die Schrift verkehrt, damit ihr es für einen Teil der Schrift haltet, während es nicht zur Schrift gehört. Und sie sprechen: "Es ist von Allah"; jedoch ist es nicht von Allah, und sie sprechen eine Lüge wider Allah, obwohl sie es wissen.

und die nach Mohammeds Tod ausformulierte islamische Argumentation, wonach die koranische Botschaft deshalb gültiger sei, weil "sie nicht durch viele Hände gegangen" sei: "Diese jetzt ergangene Offenbarung (der Koran) zeichnet sich gegenüber den älteren durch einen unschätzbaren Vorzug aus: Wie sie jetzt vorgetragen wird, fliesst sie unmittelbar und rein aus der göttlichen Eingebung. Die Juden und Christen sind dagegen gezwungen, auf schriftliche Aufzeichnungen zurückzugreifen, die bereits durch viele Hände gegangen sind und daher den ursprünglichen Inhalt des Gotteswortes nur getrübt oder gar entstellt bewahren. Aus der Unmittelbarkeit, mit der die Offenbarung Mohammed zuströmt, leitet sich die ungleich höhere Autorität des an ihn ergangenen und von ihm vorgetragenen Wortes ab. Das vom Propheten Allahs vorgetragene Wort ist im Streit mit den Schriftbesitzern deshalb in jedem Fall das bessere Argument." (T. Nagel: Der Koran, Seite 130, Verlag C.H. Beck, München, 2002).

Wie ist das möglich, wo sie doch dieselbe Offenbarung erhalten haben? Sure 2, Vers 159 und 160 bestätigen Allahs Wissen um die Verfälschung der Schrift:

Sure 2, Vers 159: Diejenigen, die verheimlichen, was wir an klaren Beweisen und Rechtleitung hinabgesandt haben, nachdem wir es den Menschen in der Schrift klargemacht haben, werden von Gott verflucht und von allen denen, die überhaupt verfluchen können,
Sure 2, Vers 160: ausgenommen diejenigen, die umkehren und sich bessern und klarmachen was ihnen geoffenbart worden ist, anstatt es zu verheimlichen. Ihnen wende ich mich gnädig wieder zu. Ich bin ja der Gnädige und Barmherzige.

Auch Vers 48 aus Sure 5 gibt dieselbe Erklärung:

Sure 5, Vers 48: Und Wir sandten hinab zu dir das Buch der Wahrheit, bestätigend, was ihm an Schriften vorausging, und Amen darüber sprechend. Darum richte zwischen ihnen nach dem, was Allah hinabsandte, und folge nicht ihren Gelüsten, abweichend von der Wahrheit, die zu dir gekommen. Jedem von euch gaben Wir eine Norm und eine Heerstrasse.

Gemäss diesem Vers

 "Wir sandten hinab zu dir das Buch der Wahrheit, bestätigend, was ihm an Schriften vorausging"

wird dargelegt, dass der Koran eigentlich die Bestätigung dessen ist, was schon früher geoffenbart wurde. Die Christen haben also die ursprüngliche Wahrheit in Form einer Offenbarung erhalten. Wie T. Nagel ausführt, geht die islamische Doktrin davon aus, dass die Schriften der "Schriftbesitzer" pervertiert worden sind, und zwar, wie wir sehen werden so sehr, dass von der ursprünglichen Botschaft fast nichts mehr übrig geblieben ist. Interessanterweise haben die Christen ausgerechnet die Stelle, wo Mohammed angeblich angekündet wird ► Ankündigung Mohammeds in der Bibel nicht aus ihren Schriften entfernt.

Was umfasst denn überhaupt die "fehlerhafte" biblische Überlieferung? Um diese Frage zu beantworten, macht es Sinn, die von der Bibel abweichenden Lehren des Koran kurz zu beleuchten: Er beinhaltet veränderte Prophetengeschichten und solche, die in der Bibel nicht erwähnt werden. Ferner werden eine andere Version des Kreuzestodes sowie eine andere Auffassung von Trinität vertreten. Darüber hinaus enthält er vor allem genaue Regeln, welche die erlaubten und verbotenen Speisen, den Ritus des Gebetes, die Almosen, die Wallfahrt zur Kaaba und das Fasten betreffen. Ferner wird der Umgang mit Sklaven, die Blutrache, die Ungleichbehandlung der Frau sowie das Erb- Straf- und Scheidungsrecht geregelt. Die unbedingte Forderung zum Einsatz für den Glauben "mittels Gut und Blut" ► Jihad, die Verpflichtung, ► Apostaten zu bestrafen und die Anweisungen zur Schutzgelderpressung ► Dhimmitude und Schutzgelderpressung runden das Register der Gebote ab.

Man kann feststellen:

Die Schriften der Christen unterscheiden sich von den koranischen Lehren grundsätzlich und in ihrer Substanz.

Denn zu den oben aufgeführten Themen steht im Neuen Testament entweder nichts oder etwas dem Koran diametral Widersprechendes. Alle hier erwähnten Glaubensinhalte und Gebote hätten also in den Schriften der Christen verfälscht oder entfernt und durch eine völlig andere Lehre ersetzt worden sein müssen.

Dazu hätte es eines koordinierten intellektuellen Kraftaktes bedurft. Wenn wir unterstellen, dass die Juden und Christen die selbe Offenbarung erhalten haben wie sie an die Muslime Jahrhunderte später wieder ergeht, dann hätte diese Botschaft nicht nur grundlegend umgeschrieben werden, sondern auch um ganze Kapitel wie zum Beispiel die Psalmen oder die Offenbarung des Johannes ergänzt werden müssen, einfach so, mutwillig. Eine gigantische Arbeit, die in keinen historischen Belegen dokumentiert ist. Bleibt noch die Frage, weshalb die Schriften derartig grundlegend hätten umgeschrieben werden sollen: es ist kein Sinn erkennbar.

Der koranische Vorwurf der "Schriftverfälschung" ist nicht nur unpräzise, was den Umfang der den "Schriftbesitzern" angelasteten Verfälschungen angeht, sondern auch inhaltlich vollständig unhaltbar.

Wie dargelegt, unterscheiden sich die Lehren viel grundsätzlicher, als ► Die Unterscheidung in Sure 3 glauben macht. Insbesondere beinhaltet die islamische Lehre durch all die oben aufgeführten Bestimmungen mit Gesetzescharakter eine Vielzahl von  präzise ausformulierten Geboten, die einer christlichen Ethik absolut widersprechen.

Für weitergehende Informationen zum Thema "Schriftverfälschung":
http://www.islaminstitut.de/Nachrichtenanzeige.55+M5f939815895.0.html

 

Unvollständigkeit

Die hier dargelegten Aussagen betreffend "Unterscheidung" und "Schriftverfälschung" werden in Sure 3, Vers 23 noch erweitert und präzisiert. In diesem Vers wird das eigentliche Totschlag-Argument gegen die christliche Lehre formuliert. Danach ist den "Leuten der Schrift" in ihren bisherigen Offenbarungen nur ein Teil der ganzen göttlichen Botschaft übermittelt worden. Wie erwähnt, muss Mohammed im Laufe seiner Prophetenkarriere immer deutlicher aufgefallen sein, wie unterschiedlich die beiden religiösen Lehrgebäude sind. Da lag, aus seiner Sicht, die Vermutung nahe, dass den Altvorderen nicht Alles berichtet wurde.

Sure 3, Vers 23: Sahest du nicht auf jene, denen ein Teil von der Schrift gegeben ward, als sie aufgefordert wurden zum Buch Allahs, dass es richte zwischen ihnen? Alsdann kehrte ein Teil von ihnen den Rücken und wendete sich ab.

Der letzte und abschliessende Teil, welcher all die früheren göttlichen Botschaften ergänzt, wird also jetzt, gleichsam als Krönung, verkündet. Damit ist, gemäss koranischem Verständnis, die ganze Botschaft des Allmächtigen erst vollständig.

Allah hatte in der Auseinandersetzung mit den kritischen Mekkanern versichert, dass der Koran nicht von Ihm ersonnen werden konnte. Was jetzt herniederkommt, ist die Bestätigung dessen, was schon früher geoffenbart wurde:

Sure 10, Vers 37: Und dieser Koran konnte nicht von Allah ersonnen werden. Vielmehr ist er eine Bestätigung dessen, was ihm vorausging, und eine Erklärung der Schrift - kein  Zweifel ist daran - vom Herrn der Welten.

Daher konnte Allah seinem Propheten in einem weiteren Vers empfehlen, eben

"diejenigen, welche die Schrift vor dir lasen"

zu befragen, wenn er über erhaltene Offenbarungen im Zweifel ist. Dieser Vers verdeutlicht die Eingangs erwähnte Ansicht von Th. Nöldeke, dass Mohammed am Anfang seiner Sendung der Meinung war, seine Botschaft sei mit den Schriften der Juden und Christen in Übereinstimmung. Deshalb empfiehlt ihm ja Allah, sich bei den "Schriftbesitzern" zu erkundigen, wenn er im Unklaren ist:

Sure 10, Vers 94: Und so du in Zweifel bist über das, was Wir zu dir hinabsandten, so frage diejenigen, welche die Schrift vor dir lasen. Wahrlich, gekommen ist zu dir die Wahrheit von deinem Herrn; drum sei kein Zweifler.

Die Empfehlung dieser Offenbarung erfolgte zweifellos in Mekka, zu einem Zeitpunkt, da dem Propheten, mangels Kenntnis der Schriften der "Schriftbesitzer" die Unterschiedlichkeit der Dogmen noch nicht klar war.

Jetzt aber, wo die Differenz eindeutig feststellbar war, musste der Prophet den Beweis für die Richtigkeit seiner Offenbarungen liefern. Wie? Woher nahm Mohammed denn die Gewissheit, dass seine Offenbarung die letzte wahre und gültige ist?

 

Die "Urschrift"

Den Beweis für die Richtigkeit Seiner an Mohammed herniedergesandten Offenbarungen lieferte Allah mit folgenden Versen. Dazu R. Paret: "Die Vorstellung, dass Offenbarung und heilige Schrift irgendwie zusammengehören, hat sich bei Mohammed im Laufe der Zeit immer mehr festgesetzt … Und aus dieser These, dass alle Offenbarung dem Inhalt nach identisch sei, ergab sich schliesslich als letzte Folgerung die Vorstellung von einer bei Gott befindlichen Urschrift, aus der jeweils einzelne Teile, in arabische Sprache umgesetzt, "eingegeben" oder "herabgesandt" werden." (R. Paret, Mohammed und der Koran, Seite 60, Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart, 1980) In diesem Sinne informiert Allah Seinen Propheten:

Sure 13, Vers 39: Allah löscht aus und bestätigt, was Er will, und bei Ihm ist die Mutter der Schrift

Sure 43, Vers 4: Und siehe, es ist die Mutter der Schrift bei Uns - wahrlich ein hohes, ein weises

Sure 56, Vers 77: Siehe, es ist wahrlich ein edler Koran
Sure 56, Vers 78: In einem verborgenen Buch.
Sure 56, Vers 79: Nur die Reinen sollen ihn berühren!
Sure 56, Vers 80: Eine Hinabsendung von dem Herrn der Welten!

Sure 85, Vers 21: Ja, es ist ein ruhmvoller Koran
Sure 85, Vers 22: Auf verwahrter Tafel.

Es handelt sich dabei um das bei Allah aufbewahrte, seit Ewigkeit existierende Original des Korans. Jetzt ist auch Allahs Versicherung in oben aufgeführtem Vers 37 aus Sure 10 verständlich, dass der Koran nicht von Ihm hat ersonnen werden können. Damit ist die Streitfrage über die Richtigkeit der Lehre von Mohammed vom Tisch. Der Koran ist die korrekt geoffenbarte Version, der im Himmel aufbewahrten schriftlich fixierten "Mutter der Schrift".

Allerdings entbehrt dann Allahs Anweisung in Vers 94, Sure 10 betreffend Rückversicherung in Glaubensfragen jeglicher Grundlage. Aber eben, sie wurde herabgesandt, bevor der Prophet den Unterschied der zur Diskussion stehenden Dogmen ganz erkannt hatte.

Die Frage der "Unvollständigkeit" der Schriften der "Schriftbesitzer" stellt sich vor allem auch in Bezug auf das Dogma des "Heiligen Krieges", das Allah erst in medinensischer Zeit als neues sakrales Konzept eingeführt hat. Der Allmächtige hat damit seine in mekkanischer Zeit verkündete Lehre substantiell verändert und erweitert. Er hat in medinensischer Zeit offenbar einen weiteren, neuen Teil der Urschrift zur Offenbarung freigegeben. Folgende Verse sind eine kleine Auswahl von Kampfbefehlen. Alle wurden in Medina geoffenbart:

Sure 49, Vers 15: Gläubige sind nur die, welche an Allah und seinen Gesandten glauben und hernach nicht zweifeln und die mit Gut und Blut in Allahs Weg eifern. Das sind die Wahrhaftigen.

Sure 2, Vers 216: Vorgeschrieben ist euch der Kampf, doch ist er euch ein Abscheu. Aber vielleicht verabscheut ihr ein Ding, das gut für euch ist, und vielleicht liebt ihr ein Ding, das schlecht für euch ist; und Allah weiß, ihr aber wisset nicht.

Sure 4, Vers 74: Und so soll kämpfen in Allahs Weg, wer das irdische Leben verkauft für das Jenseits. Und wer da kämpft in Allahs Weg, falle er oder siege er, wahrlich dem geben wir gewaltigen Lohn.

Auch der nachfolgende Kampfbefehl, von dem Allah im Koran behauptet, er stehe schon im Evangelium wäre also, folgen wir dem Theorem der "Schriftverfälschung", von den Christen aus ihrer Schrift entfernt worden. 

Sure 9, Vers 111: Siehe Allah hat von den Gläubigen ihr Leben und ihr Gut für das Paradies erkauft. Sie sollen kämpfen in Allahs Weg und töten und getötet werden. Eine Verheissung hierfür ist gewährleistet in der Tora, im Evangelium und im Koran; und wer hält seine Verheissung getreuer als Allah? Freut euch daher des Geschäfts, das ihr abgeschlossen habt; und das ist eine grosse Glückseligkeit.

Oder wurde er erstmals im Koran geoffenbart? Es ist einer der vielen Irrtümer Mohammeds über die Bücher der "Leute der Schrift", dass er annimmt, derartig platte und gewalttätige Konzepte wären dort als Pflicht für die Gläubigen aufgeführt.

Die bisherigen Offenbarungen Allahs waren also lückenhaft. Allah hat die Christen und Juden der vorislamischen Zeit unvollkommen unterrichtet, und ihnen damit die Möglichkeit nicht gewährt, das Heil zu erlangen. Das ist schade. Trotzdem haben sie dicke Bücher geschrieben - alles umsonst, der Koran reicht.

Die Menschen, an deren Vorfahren Allah sich schon gewendet hat, müssen erfahren, dass sie, mangels umfassender Instruktion, nicht wirklich in Seinem Sinne handeln können.

Die Behauptung der sich seit Urzeiten bei Allah befindlichen Urschrift, welche die vollständige und korrekte Botschaft enthält impliziert, dass die mangelhafte Information der Juden und Christen Teil des göttlichen Planes war. Hier muss man auf die noch viel elendere Situation hinweisen, in der sich Buddhisten, Hindus und andere Ungläubige befinden. Warum ihnen allen überhaupt nie, auch nicht teilweise, Rechtleitung zuteil geworden ist wissen wir nicht.

Die logischen Implikationen, die sich aus dem Theorem der Himmlischen Urschrift ergeben, sind unübersehbar und nicht zu beheben.

 

Irreleitung

Fast verunmöglicht wird die Rechtleitung für Christen auch durch die im Koran immer wieder erwähnte Praxis des Allmächtigen, Ungläubige irrezuleiten:

Sure 47, Vers 1: Diejenigen, welche ungläubig sind und von Allahs Weg abwendig machen - ihre Werke wird Er irreleiten.
Sure 47, Vers 8: Die Ungläubigen aber, Verderben über sie! Und irre leitet Er ihre Werke.

Den Begriff der "Irreleitung" erklärt R. Paret folgendermassen: "Der deterministische Charakter von Mohammeds Urteil über die Halsstarrigkeit seiner Gegner tritt besonders deutlich an den Stellen in Erscheinung, an denen er davon spricht, dass Gott die Ungläubigen "irren lässt". Der dabei verwendete Ausdruck adalla bedeutet nicht bloss zulassen, sondern geradezu veranlassen, dass jemand irre geht." (R. Paret, Mohammed und der Koran, Seite 133, Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart, 1980)

Man muss annehmen, dass die Christen deshalb durch bewusstes Eingreifen Allahs irregeleitet werden, weil sie ihre Schriften, vor allem im Zusammenhang mit der Lehre der Trinität, verfälscht haben. Obschon sie sich, ohne es zu wissen, auf ein übles Plagiat stützen, werden sie durch Irreleitung bestraft. Eigentlich wären mildernde Umstände beim Ausmass der Irreleitung geboten, denn die Christen sind unverschuldeterweise nicht im Besitze der ganzen Wahrheit. Wie folgender Vers erläutert, straft aber Allah

"nicht eher, als Wir einen Gesandten schickten"

Sure 17, Vers 15: Wer rechtgeleitet ist, der ist nur rechtgeleitet zu seinem eigenen Besten, und wer irregeht, der geht irre allein zu seinem eigenen Schaden; und nicht soll tragen eine beladene Seele noch eine andre Last. Und Wir strafen nicht eher, als Wir einen Gesandten schickten.

Demnach wären wenigstens die "Leute der Schrift" der vorkoranischen Zeit vor der Bestrafung im ewig währenden Höllenfeuer gefeit.

Seit Mohammeds Wirken gehen Christen allerdings zu ihrem eigenen Schaden irre und sie müssen mit sicherer Bestrafung rechnen:

Sure 42, Vers 16: Und diejenigen, welche über Allah streiten, nachdem Mohammed erhört worden, deren Grund ist falsch bei ihrem Herrn, und auf sie kommt Zorn und ihnen wird strenge Strafe.

Die einzige Möglichkeit, das Heil zu erlangen, und der durch Irreleitung bedingten schrecklichen Fernsteuerung zu entgehen ist also, den Islam anzunehmen. Sogar über den mit Allah geschlossenen Bund, von dem in Sure 5, Vers 14 berichtet wird, steht im Neuen Testament nichts. Auch dieses doch wichtige Ereignis muss aus der Schrift getilgt worden sein. Es ist verständlich, dass Allah die Christen für diese Untat bestraft. Er lässt sie bis zum jüngsten Tag in Feindschaft und Hass leben:

Sure 5, Vers 14: Und mit denen, welche sprechen: "Siehe, wir sind Nazarener" schlossen Wir einen Bund. Sie aber vergassen einen Teil von dem, was ihnen gesagt ward; darum erregten Wir Feindschaft und Hass unter ihnen bis zum Tag der Auferstehung. Und sicherlich wird Allah  ihnen ansagen, was sie getan.

Was genau die Nazarener vergassen, wird nicht ausgeführt. Allah wird es ihnen am Jüngsten Tag erklären.

Wahrscheinlich meint Allah in obigem Vers allerdings nicht die "Nazarener" sondern die Juden, mit denen er, durch Vermittlung von Mose, schon in alttestamentarischer Zeit einen Bund geschlossen hat.

 

Dem Satan ausgeliefert

Nebst der Irreleitung sind Christen der Macht Satans ausgeliefert, im Gegensatz zu den Rechtgläubigen, die davon gefeit sind:

Sure 16, Vers 98: Und so du den Koran liest, so nimm deine Zuflucht zu Allah vor dem gesteinigten Satan.
Sure 16, Vers 99: Siehe, keine Macht hat er über die, welche gläubig sind und auf ihren Herrn vertrauen;
Sure 16, Vers 100: Siehe, seine Macht reicht nur über die, welche sich von Ihm abkehren und Ihm Gefährten geben.

 

Nichterfüllung der Schrift

Um die Verwirrung komplett zu machen wurde noch folgender Vers geoffenbart:

Sure 5, Vers 68: Sprich: "O Volk der Schrift, ihr fusset auf nichts, ehe ihr nicht erfüllet die Tora und das Evangelium und was hinabgesandt ward zu euch von eurem Herrn." Und wahrlich, vermehren wird vielen von ihnen, was hinabgesandt ward zu dir von Deinem Herrn, die Widerspenstigkeit und den Unglauben; und betrübe dich nicht über die Ungläubigen.

welcher fordert, dass das "Volk der Schrift" eigentlich nur seine eigenen Schriften richtig erfüllen müsste, um gottgefällig leben zu können:

"ehe ihr nicht erfüllet die Tora und das Evangelium"

Wie wir gesehen haben, ist die Erfüllung dieser Aufforderung für "Schriftbesitzer" praktisch unmöglich, denn sie können die Wahrheit nicht richtig verstehen. Erstens haben sie von Allah nicht die vollständige Botschaft erhalten und zweitens ist diese Botschaft auch noch verfälscht worden. Ferner sind sie irregeleitet und vom Satan beeinflusst. Dadurch werden Christen in eine schizoide Position gebracht: Wenn sie an ihrem Glauben festhalten, haben sie ihn nicht richtig verstanden und sind widerspenstig. Und wenn sie ihn dann endlich richtig verstehen, sind sie schon Muslime geworden.

 

Der einige Gott

Muslime waren, gemäss Koran, schon die Rechtgläubigen vor Mohammeds Sendung. Dies belegt unter anderen Sure 27, wo die Geschichte von König Salomon erzählt wird. Er lässt der Königin von Saba, deren Volk abgeirrt ist und die Sonne anbetet, einen Brief überbringen, in welchem er ihr androht:

Sure 27, Vers 31: Erhebt euch nicht wider mich, sondern kommt als Muslime zu mir.

In gleicher Weise werden die alttestamentarischen Propheten von Mohammed für seinen neuen Glauben vereinnahmt:

Sure 5, Vers 44: Siehe, hinabgesandt haben Wir die Tora, in der sich eine Leitung und ein Licht befinden, mit der die Propheten, welche Muslime waren, die Juden richteten; und die Rabbiner und Lehrer richteten nach dem Buche Allahs, was ihrer Hut anvertraut ward und das sie bezeugten. Drum fürchtet nicht die Menschen, sondern fürchtet Mich und verkaufet nicht Meine Zeichen um geringen Preis. Und wer nicht richtet nach dem, was Allah hinabgesandt hat - das sind Ungläubige.

Auch die Jünger Jesu werden posthum zu Muslimen gemacht, Allah erzählt, wie Er zu ihnen gesprochen hat:

Sure 3, Vers 52: Und als Jesus ihren Unglauben wahrnahm, sprach er: "Welches sind meine Helfer zu Allah hin?" Es sprachen die Jünger: "Wir sind Allahs Helfer; wir glauben an Allah, und bezeug, dass wir Muslime sind … "

Sure 5, Vers 111: Und als ich den Jüngern inspirierte: "Glaubet an Mich und an Meinen Gesandten" Sie sprachen: "Wir glauben, und sei Du Zeuge, dass wir Muslime sind."

Folgerichtig lässt der Koran Mohammed zu den Christen sprechen:

Sure 21, Vers 108: Sprich: "Mir ward nur offenbart, dass euer Gott ein einiger Gott ist. Wollt ihr drum Muslime sein?"

Sure 2, Vers 139: Sprich: "Wollt ihr mit uns rechten über Allah, wo Er unser und euer Herr ist? Wir haben unsere Werke, und ihr habt eure Werke, und wir sind aufrichtig zu Ihm."

Es hat, in logischer Schlussfolgerung, immer schon nur den einen Gott gegeben, und das ist der muslimische Allah. Da es also nur diesen einigen Gott gibt, beten Ihn auch Christen an. ► Gleicher Gott? Sie  tun dies aber in Verkennung des richtigen Glaubens. Muslime sollen diesen Gott um Hilfe anflehen, wenn Christen "Äusserungen" von sich geben. Ihre Reden müssen derartig verwerflich sein, dass der Recht-gläubige göttlichen Beistand braucht:

Sure 21, Vers 112: Sprich: "Mein Herr, richte Du in Wahrheit!" Und unser Herr ist der Erbarmer, der um Hilfe wider eure Äusserungen Anzuflehende.

 

Schlussfolgerung

Wir sind betreffend Fehlerhaftigkeit der christlichen Lehre mit fünf verschiedenen Aussagen konfrontiert, die allerdings nicht in logische Übereinstimmung zu bringen sind oder sich gegenseitig widersprechen:

  1. Die Christen haben ihre Schriften verfälscht.

  2. Was in ihren Schriften fehlerhaft überliefert ist, wird, wo nötig, durch anders lautende koranische Botschaften berichtigt und ausser Kraft gesetzt. Dass die christliche Botschaft über diese "Unterscheidung" hinaus eine grundlegend andere Lehre beinhaltet als der Koran, wurde aufgezeigt und war Mohammed nicht bekannt. Deshalb kamen auch keine diesbezüglichen Offenbarungen hernieder.

  3. Allah hat den Christen nur einen Teil seiner Botschaft übermittelt.

  4. Die Christen sind unfähig, ihr eigenes Evangelium, das von Allah korrekt geoffenbart wurde, richtig zu verstehen.

  5. Alle Monotheisten beten Allah an, Christen tun dies aber auf der Basis einer pervertierten und unvollständigen Lehre.

Im Übrigen ist es völlig irrelevant, welche Inhalte falsch sind, weil sie von den "Schriftbesitzern" verfälscht wurden oder welche weiteren Gebote und Anweisungen einfach außer Kraft gesetzt werden müssen, weil der Allmächtige mittlerweile seine Lehre ergänzt hat. Man braucht sich nicht weiter damit zu beschäftigen. Denn der letztendlich gültige göttliche Wille wird ja nun durch Mohammed verkündet:

Sure 5, Vers 19: O Volk der Schrift, gekommen ist nunmehr zu euch Unser Gesandter, euch aufzuklären über das Ausbleiben der Gesandten, damit ihr nicht sagt: "Zu uns kommt weder ein Freudenbote noch ein Warner." Und gekommen ist nun zu euch ein Freudenbote und ein Warner, und Allah hat Macht über alle Dinge.

Gemäss koranischer Aussage haben die "Leute der Schrift" also einen defizitären Glauben, der mit der Ankunft des Islam als überholt und sinnentleert zu betrachten ist:

Sure 3, Vers 110: Ihr seid die beste Gemeinde, die für die Menschen entstand. Ihr heisset was Rechtens ist und ihr verbietet das Unrechte und glaubet an Allah. Und wenn das Volk der Schrift geglaubt hätte, wahrlich, es wäre gut für sie gewesen! Unter ihnen sind Gläubige, aber die Mehrzahl von ihnen sind Frevler.

 

Die gleiche Botschaft

Wie wir gesehen haben, war Mohammed anfänglich der Meinung, seine Lehre wäre in Übereinstimmung mit den Botschaften, die schon vor ihm geoffenbart wurden:

Sure 3, Vers 84: Sprich: "Wir glauben an Allah und was auf uns herabgesandt ward, und was herabgesandt ward auf Abraham und Ismael und Isaak und Jakob und die Stämme, und was gegeben ward Moses und Jesus und den Propheten von ihrem Herrn; wir machen keinen Unterschied zwischen einem von ihnen, und Ihm sind wir ergeben.

Allah gebietet Seinen Gläubigen sogar noch in Medina, die Schriften der "Schriftbesitzer" genau so zu beachten wie den Koran. Allerdings muss man annehmen, dass Er die unverfälschte Version gemeint hat:

Sure 4, Vers 136: O ihr, die ihr glaubt, glaubet an Allah und Seinen Gesandten und an das Buch, das Er auf Seinen Gesandten herabgesendet hat, und die Schrift, die Er zuvor harabkommen liess. Wer nicht glaubt an Allah und Seine Engel und die Schriften und Seine Gesandten und an den Jüngsten Tag, der ist weit abgeirrt.

Mohammed verstand den Unterschied zwischen Christentum und Judentum nicht. Dazu R. Paret: "Der Prophet hatte ursprünglich sowohl das Judentum als auch das Christentum als gleichberechtigte, im wesentlichen identische und mit dem Islam übereinstimmende Religionen anerkannt, wurde dann aber von Juden und Christen in dieser seiner Voraussetzung enttäuscht und musste nunmehr versuchen, die tatsächlichen Gegebenheiten mit seinem heilsgeschichtlichen Weltbild in Einklang zu bringen." (R. Paret, Mohammed und der Koran, Seite 140, Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart, 1980) Dazu sandte Allah Die Unterscheidung und verschiedene Ergänzungen hernieder. Mohammed hatte, wenn auch in starker Abweichung, dieselben biblischen Legenden und Gestalten verwendet  wie die Juden und Christen, daraus aber eine völlig andere Lehre entwickelt. Logischerweise mussten die "Leuten der Schrift" ihre Offenbarung verfälscht, und dann daraus falsche Lehren entwickelt haben. Es wurde erst nach Mohammeds Tod versucht, das Theorem der Schriftverfälschung  theologisch zu untermauern. Die entsprechenden Aussagen dazu finden sich aber im Koran, sie wurden oben dargelegt.  Die Verstrickung, die sich durch die Behauptung von der Gleichheit der Lehren ergibt, lässt sich in der Tat nur dadurch aufheben, dass Mohammed behauptet, alle Schriften der "Leute der Schrift" müssten eigentlich das enthalten, was im Koran steht. Dazu Ibn Ishaq, welcher berichtet, dass in Medina einige Juden zu Mohammed kamen "und fragten, an welche Gesandten er glaube. Mohammed sagte: "Ich glaube an Gott, an das, was uns geoffenbart worden ist, so wie an das, was Abraham, Ismael, Isak, Jakob und den Stämmen geoffenbart worden ist, ferner was Moses, Christus und anderen Propheten gegeben worden ist, wir machen keinen Unterschied zwischen ihnen, und sind gottergeben." Als er auch Christus erwähnte, leugneten sie sein Prophetentum und sagten: "Wir glauben nicht an Christus und an den, welcher an ihn glaubt. Hierauf offenbarte Allah folgenden Vers: (Gustav Weil: Das Leben Mohammeds, 1. Band, Seite 294, Verlag J.B. Metzler, 1864):

Sure 5, Vers 59: Sprich: "O Volk der Schrift, verwerft ihr etwa nur deshalb, weil wir an Allah glauben und an das, was Er zu uns hinabsandte und zuvor hinabsandte, und weil die Mehrheit von euch Frevler sind?"

Mohammed hatte, gemäss Ibn Ishaq, mit oben erwähntem Vers 84 aus Sure 3 geantwortet, womit er die Juden aushebelte, weil sie Christus nicht anerkennen. Wahre Gläubige haben jedoch die Botschaft aller Gesandten anzuerkennen, eigentlich aber nur die von Mohammed überbrachte Lehre, denn sie ist die einzige, die nicht verfälscht und unvollständig ist:

Sure 4, Vers 150: Siehe die, welche nicht an Allah glauben und an Seine Gesandten und einen Unterschied machen wollen zwischen Allah und Seinen Gesandten und sprechen: "Wir glauben an einige und glauben an andere nicht", und einen Weg dazwischen einschlagen wollen:
Sure 4, Vers 151: Jene sind die wahren Ungläubigen, und den Ungläubigen haben wir schändende Strafe bereitet.
Sure 4, Vers 152: Die aber an Allah glauben und an Seine Gesandten und zwischen keinem von ihnen einen Unterschied machen, wahrlich, jenen werden Wir ihren Lohn zahlen; und Allah ist verzeihend und barmherzig.

Sure 4, Vers 150 - 152 ist ein weiterer Hinweis auf Allahs Unterstellung, Judentum, Christentum und Islam enthielten, wenn nicht verfälscht oder missverstanden, eigentlich die gleiche Botschaft. Das wird auch in folgendem Vers behauptet:

Sure 5, Vers 69: Siehe die Gläubigen und die Juden und die Sabäer und die Nazarener - wer da glaubt an Allah und an den Jüngsten Tag und das Rechte tut -, keine Furcht soll über sie kommen, und nicht sollen sie traurig sein.

Damit wird der Unterschied von Islam, Judentum und Christentum aufgehoben. Die in diesem Aufsatz erörterten koranischen Offenbarungen betreffend "Unvollständigkeit" der alten Schriften, und die obige Aufzählung der realen dogmatischen Unterschiede widersprechen allerdings dem Postulat der Gleichheit der Lehre diametral.

Die Andersartigkeit der drei monotheistischen Religionen wird im Koran negiert und es wird dokumentiert, dass der Islam für sich beansprucht, die allein richtige und vollständige Lehre der Schriften und ihrer Interpretation zu sein.

Das Einmalige am islamischen Dogma ist nicht die Überzeugung, die allein selig machende Wahrheit zu verkünden. Das hat der Islam mit anderen Religionen gemein. Das Einmalige am islamischen Dogma ist, dass es sowohl Christentum als auch Judentum usurpiert, für sich vollständig in Beschlag nimmt, sie gleichsam aushöhlt und die ihnen innewohnende eigene Botschaft leugnet. Das dazu verwendete Mittel ist einerseits die Diffamierung dieser Religionen und andererseits die permanente Taktik, ihre Vertreter als arme oder gar bösartige, jedenfalls aber renitente und irregeleitete Kreaturen darzustellen, welche sich der wunderbaren neuen Offenbarung widersetzen, oder, weil ferngesteuert, widersetzen müssen.

Folgerichtig bestätigt Allah die Verurteilung der Christen - die ja eigentlich Muslime sind,  wenn sie ihren eigenen Glauben nur richtig verstünden, und die Vervollständigung und Korrektur durch die koranische Lehre annehmen würden - in weiteren Versen:

Sure 3, Vers 4: Siehe die, welche Allahs Zeichen verleugnen, für sie ist strenge Strafe. Und Allah ist mächtig, ein Rächer.

Sure 2, Vers 159: Siehe, sie die etwas verbergen von dem, was Wir herabsandten an deutlichen Zeichen und Leitung, nach dem, was wir deutlich kundtaten den Menschen in der Schrift, verfluchen wird sie Allah, und verfluchen werden sie die Fluchenden.

Sure 6, Vers 159: Siehe, diejenigen, die ihren Glauben spalteten und zu Sekten wurden, mit ihnen hast du nichts zu schaffen. Ihre Sache steht Allah anheim. Alsdann wird Er ihnen verkünden, was sie getan.

Sure 8, Vers 22: Siehe, schlimmer als das Vieh sind bei Allah die Tauben und Stummen, die nicht begreifen.
Sure 8, Vers 23: Und hätte Allah etwas Gutes in ihnen gekannt, wahrlich, Er hätte sie hören lassen. Aber hätte Er sie auch hören lassen, wahrlich, sie hätten sich abgekehrt und weggewendet.

 

Ausserkraftsetzung und VersuchungFitna

Was sollen Muslime nun mit den "Schriftbesitzern" und ihrer verfälschten Lehre machen? Gemäss dem erwähnten Vers 48 aus Sure 5 sollen die Gläubigen nicht den "Gelüsten" der Christen "abweichend von der Wahrheit" folgen. In Sure 5, Vers 15, wird noch prägnanter gefordert, unpassende Gebote doch einfach "zu übergehen"

Sure 5, Vers 15: O Volk der Schrift, nunmehr ist Unser Gesandter zu euch gekommen, euch vieles von der Schrift kundzutun, was ihr verbargt, und um vieles zu übergehen. Gekommen sind nunmehr zu euch von Allah ein Licht und ein klares Buch.

Es erscheint naheliegend, dass die Muslime ausdrücklich davor gewarnt werden müssen, sich mit Juden oder Christen zu befreunden, es droht Versuchung und Irritation:

Sure 3, Vers 28: Nicht sollen sich die Gläubigen die Ungläubigen zu Beschützern nehmen, unter Verschmähung der Gläubigen. Wer solches tut, der findet von Gott in nichts Hilfe - ausser ihr fürchtet euch vor ihnen. Beschützen aber wird euch Allah selber, und zu Allah geht die Heimkehr.

Sure 5, Vers 51: O ihr, die ihr glaubt, nehmt euch nicht die Juden und Christen zu Freunden, sie sind untereinander Freunde, und wer von euch sie zu Freunden nimmt, siehe, der ist von ihnen. Siehe, Allah leitet nicht die ungerechten Leute.

Ein Muslim, der diese Gebote übertritt, gewärtigt am Jüngsten Tag die verdiente Strafe:

Sure 4, Vers 144: O ihr, die ihr glaubt, nehmt nicht die Ungläubigen zu Freunden vor den Gläubigen. Wollt ihr etwa Allah offenkundige Gewalt über euch geben?

 

Mission und Schutzgelderpressung

In Mekka war es noch geboten, Christen, Juden und auch Ungläubige friedlich zum neuen Glauben einzuladen Dawa:

Sure 31, Vers 23: Wer aber ungläubig ist, dessen Unglauben bekümmere dich nicht; zu Uns ist ihre Rückkehr, und verkünden wollen Wir ihnen ihr Tun. Siehe, Allah kennt das Innerste der Brüste.

Sure 42, Vers 15: Und darum lade ein und verhalte dich wohl, wie dir geheissen ward, und folge nicht ihren Gelüsten und sprich: "Ich glaube an das Buch, das Allah hinabgesandt hat, und geheissen ward mir, gerecht zwischen euch zu richten. Allah ist unser Herr und euer Herr; uns sind unsere Werke und euch sind eure Werke; kein Streit sei zwischen uns und euch. Allah wird uns versammeln, und zu Ihm ist der Heimgang."

Einer in diesem Zusammenhang am häufigsten bemühten Koranvers, welcher islamische Toleranz gegenüber anderen Glaubensbekenntnissen demonstrieren soll, findet sich in:

Sure 2, Vers 256: "Es gibt keinen Zwang im Glauben. Klar ist nunmehr unterschieden das Recht vom Irrtum; und wer den Tagut (Unglaube) verleugnet, und an Allah glaubt, der hält sich an der stärksten Handhabe, in der kein Spalt ist; und Allah ist hörend und wissend."

R. Paret vergleicht diesen Vers inhaltlich mit folgenden anderen Versen:

Sure 10, Vers 99: "Und wenn Dein Herr gewollt hätte, so würden alle auf der Erde insgesamt gläubig werden. Willst du etwa die Leute zwingen, gläubig zu werden?"

Sure 12, Vers 103: "Und die meisten Menschen, wie sehr du es auch begehrst, glauben nicht."

Sure 16, Vers 37: "Wenn du, o Mohammed, auch ihre Leitung begehrst, siehe, so leitet Allah doch die, welche Er irreführen will, und sie finden keinen Helfer."

und kommt zum Schluss: "Der Passus soll demnach nicht besagen, dass man niemand zum Glauben zwingen darf (wie nach der üblichen Deutung), sondern dass man niemand dazu zwingen kann; das heisst, er predigt nicht Toleranz, sondern weist darauf hin, dass der Bekehrungseifer des Propheten infolge der menschlichen Verstocktheit weitgehend zur Erfolglosigkeit verurteilt ist." (Digitale Bibliothek: R. Paret, Der Koran, Kommentar zu Sure 2, S. 1212, Verlag W. Kohlhammer). So viel zur Situation in Mekka. Islamische Toleranz

In oben zitiertem Vers 15 aus Sure 42 gebietet Allah seinem Propheten betreffend den Christen:

"gerecht zwischen euch zu richten"

Was Gerechtigkeit ist, müsste Mohammed ja auf Grund der an ihn ergangenen Offenbarung wissen. Allein - der koranische Gerechtigkeitsbegriff unterliegt, entsprechend der Entwicklung der Vita des Propheten, einer fortwährenden Veränderung. Die von Allah festgelegte und von Seinem Propheten umgesetzte Gerechtigkeit ist, wie in den oben erwähnten Versen aus der mekkanischen Periode, eine andere als sie in Medina sein wird.

Es liegt ein klassisches Beispiel von Abrogation vor. In Mekka gebietet Allah seinem Propheten noch, mit den Christen nicht offen zu streiten und behält sich ihre Bestrafung selber vor. In Medina werden die Christen (und Juden) dann zu Bürgern zweiter Klasse, Schutzbefohlenen (Dhimmis) erklärt, die nur überleben dürfen, wenn sie sich der Tributerpressung Gizya unterwerfen. Damit wurde eine Dreiklassengesellschaft installiert:

  • Rechtgläubige (Muslime)

  • Schriftbesitzer (Christen, Juden, Zoroastrier)

  • Ungläubige (Animisten, Buddhisten, Hindus, Daoisten, Atheisten etc.)

Islamische Toleranz divergiert mit dem seit der Aufklärung geltenden und in der Erklärung der Menschenrechte definierten Toleranzbegriff grundsätzlich. Er wird auf eine eigene Weise definiert: Schriftbesitzer werden als Schutzbefohlene innerhalb der islamischen Gemeinde geduldet, solange sie sich der Schutzgelderpressung unterwerfen, Ungläubige hingegen sollen liquidiert werden.

Allahs Offenbarungen gipfeln jetzt in unmissverständlichen Kampfbefehlen sowie mit einer direkten Verfluchung:

Sure 9, Vers 29: Kämpfet wider jene von denen, welchen die Schrift gegeben ward, die nicht glauben an Allah und an den Jüngsten Tag und nicht verwehren, was Allah und sein Gesandter verwehrt haben, und nicht bekennen das Bekenntnis der Wahrheit, bis sie den Tribut aus der Hand gedemütigt entrichten.
Sure 9, Vers 30: Und es sprechen die Juden: "Uzair (Esra) ist Allahs Sohn" Und es sprechen die Nazarener: "Der Messias ist Allahs Sohn." Solches ist das Wort ihres Mundes. Sie führen ähnliche Reden wie die Ungläubigen von zuvor. Allah schlag sie tot! Wie sind sie verstandeslos!

In diesem Vers wird den Juden unterstellt, sie würden den Propheten Esra für Gottes Sohn halten. Das ist inhaltlich falsch, auch wenn diese Behauptung in einer göttlichen Offenbarung herniederkommt. Im Übrigen wird in diesem Vers deutlich, dass nicht nur Offenbarungen Allahs in die Endredaktion des Korans Eingang gefunden haben sondern in diesem Fall auch die Bitte Mohammeds, Allah solle die Juden und Christen totschlagen.

Das islamische Dogma begnügt sich nicht damit, für Muslime Regeln aufzustellen und totalen Gehorsam einzufordern. Vielmehr greift es ganz explizit in das Leben aller Menschen ein, auch wenn sie nicht dem Islam angehören:

Sure 24, Vers 39: Die Werke der Ungläubigen aber gleichen der Luftspiegelung in der Ebene, die der Dürstende für Wasser hält, bis dass, wenn er zu ihr kommt, er nichts findet; doch findet er, dass Allah bei ihm ist, und Allah zahlt ihm seine Rechnung voll aus, denn Allah ist schnell im Rechnen.

 

Epilog

Der Islam bezieht einen wesentlichen Teil seiner Selbstdefinition und Rechtfertigung daraus, andere Religionen für sich in Beschlag zu nehmen, sie umzudeuten und die Auslöschung oder Unterwerfung ihrer Vertreter zu fordern.

 

© Arbeitskreis Religion und Menschenrechte