Ist der Islam schlimmer als andere
Religionen?
von Raymond Ibrahim
Seit den Terroranschlägen vom 11. September
wird der Islam oft beschuldigt, systemimmanent gewalttätig zu sein. Als
Antwort darauf wurde eine ganze Anzahl von Rechtfertigungen zur
Verteidigung dieser Religion angeführt. Die grundsätzliche Prämisse von
fast allen ist, dass besagte Gewalt im Islam - so wie man sie in
islamischen Schriften und Geschichtsschreibung antrifft – nicht von
derjenigen Gewalt zu unterscheiden sei, welche von anderen religiösen
Gruppen in der Vergangenheit verübt, sowie in deren Schriften festgehalten
wurde, insbesondere im Bezug auf Juden und Christen. Kurz gesagt geht die
Beweisführung dahin, dass nicht der Islam per se zur Gewalt neigt, sondern
dass es in der Natur des Menschen liegt, gewalttätig zu sein.
Wenn also die
Beweisführung erbracht wird, dass sowohl der Koran als auch die
niedergeschriebenen Worte und Taten des Propheten und seiner Gefährten
Gewalttätigkeit und Intoleranz verbreiten, erscheint sofort das
Gegenargument:
Ja was ist den mit den
Gräueltaten, welche vor Urzeiten von den Israeliten verübt und in deren
Schriften (Altes Testament) niedergelegt wurden? Und was hat es mit der
brutalen Gewaltperiode der Christen an sich, in welcher sie im Namen ihrer
Religion Gewalt sowohl gegen ihre Glaubensbrüder als auch Andersgläubige
ausübten?
Folgerichtig werden dann
oft zwei Beispiele - das eine aus der Bibel, das andere aus der
Geschichtsschreibung stammend - von sowohl dem Judentum als auch dem
Christentum zugeschriebener religiöser Gewalt zitiert.
Das erste betrifft den
einem Völkermord nahe kommenden Eroberungsfeldzug der Israeliten gegen
Kanaan (ca. 1200 v. Chr.):
5. Mose, Kapitel 20, Vers 16:
Aber in den Städten dieser Völker hier, die dir der HERR, dein Gott, zum
Erbe geben wird, sollst du nichts leben lassen, was Odem hat, 17
sondern sollst an ihnen den Bann vollstrecken, nämlich an den Hetitern,
Amoritern, Kanaanitern, Perisitern, Hiwitern und Jebusitern, wie dir der
HERR, dein Gott, geboten hat, 18 damit sie euch nicht lehren, all
die Gräuel zu tun, die sie im Dienst ihrer Götter treiben, und ihr euch
so versündigt an dem HERRN, eurem Gott.
Josua, Kapitel 10, Vers
40: So schlug Josua das ganze Land
auf dem Gebirge und im Süden und im Hügelland und an den Abhängen mit
allen seinen Königen und ließ niemand übrig und vollstreckte den Bann an
allem, was Odem hatte, wie der HERR, der Gott Israels, geboten hatte.
(Übersetzung aus der
Lutherbibel
www.dbg.de)
Das zweite Beispiel
handelt von den Kreuzzügen, welche von den europäischen Christen zwischen
dem 11. und 13. Jahrhundert unternommen wurden. In Tat und Wahrheit jedoch
waren besagte Kreuzzüge ein Gegenangriff auf den Islam. Sie waren nicht
eine unprovozierte Offensive, so wie sie oft in der revisionistischen
Geschichtsschreibung geschildert werden. Das vereinte Christentum
versuchte, sich das heilige Land von Jerusalem wieder anzueignen, welches
vor der Eroberung durch die Muslime im 7. Jahrhundert während rund 4
Jahrhunderten ein integrierter Bestandteil der Christenheit gewesen war.
Nichtsdestotrotz waren
diese Kreuzzüge gewalttätig, blutig und unzählige Gräueltaten wurden
verübt – alle im Namen ihrer Religion und unter dem Banner des Kreuzes.
Die möglicherweise schrecklichste Schandtat dieser "Krieger für Jesus" war
die Plünderung von Konstantinopel im Jahre 1204, wo Christen einander in
einem gewalttätigen Blutbad abschlachteten.
Auf diese Weise betrachtet
- mit einem gewichtigen Beispiel von Gewalt aus der Bibel und einem
anderen aus der Geschichte des Christentums - muss man sich fragen, warum
der Islam diejenige Religion sein soll, welche als wahrhaft gewalttätig
charakterisiert wird, nur weil sein heiliges Buch und seine
Geschichte Gewalt beinhalten. Warum zeigen Nicht-Muslime immer auf den
Koran und die alte Geschichtsschreibung um auf das Gewaltkonzept im Islam
hinzuweisen währenddem sie nie auf ihre eigenen Schriften und ihre eigene
Geschichte schauen?
Obwohl solche Fragen sehr
populär sind, zeigen sie eine große Verwirrung in der Unterscheidung von
Geschichte und Theologie, vom raumzeitlichen Handeln der
Menschen und dem unveränderlichen Wort Gottes auf. Der grundsätzliche
Irrtum ist, dass die jüdisch-christliche Geschichte - welche zweifelsohne
Gewalt beinhaltet - mit Islamischer Theologie - welche Gewalt
gebietet - gleichgesetzt wird. Natürlich haben alle Religionen einen
gewissen Anteil an Gewalt und Intoleranz gegenüber dem andersgläubigen
Mitmenschen. Ob diese Gewalt nun von Gott befohlen wurde oder ob
kriegerische Menschen es lediglich so wünschen, ist die eminent wichtige
Frage.
Das Alte Testament bietet
eine interessante Fallgeschichte: Jehowah befahl den Israeliten ganz
offensichtlich, die Kanaaniter und andere umliegende Stämme zu vernichten.
Eine solche Gewalt ist folglich der Ausdruck des Willen Gottes, ob im
guten oder üblen Sinn. Wie dem auch sei, all die historischen Gewalttaten,
welche von den Israeliten verübt und im Alten Testament niedergeschrieben
wurden sind nichts anderes als Geschichte. Es geschah; Gott hatte es
befohlen. Aber es handelte sich um eine bestimmte Zeitperiode und einen
umrissenen geografischen Schauplatz und richtete sich gegen ein bestimmtes
Volk (oder Stamm). Solche Gewalttätigkeit wurde jedoch niemals
standardisiert oder zu jüdischem Gesetz kodifiziert (siehe: die Halakha).
Gerade das macht
islamische Gewalttätigkeit einzigartig. Obwohl ähnlich der Gewalt im Alten
Testament - von Gott befohlen und in der Geschichte niedergelegt - wurden
gewisse Aspekte von islamischer Gewalt in der islamischen Gesetzgebung
(z.B. der Sharia) standardisiert und müssen für alle Zeiten
angewendet werden. Obwohl also die im Koran anzutreffende Gewalt
tatsächlich eine historische ist, ist ihre letztendliche Bedeutung eine
theologische. Man nehme folgende Koranverse zur Kenntnis:
Sure 9, Vers 5:
Sind aber die heiligen Monate verflossen, so erschlaget die
Götzendiener, wo ihr sie findet, und packet sie und belagert sie und
lauert ihnen in jedem Hinterhalt auf. So sie jedoch bereuen und das
Gebet verrichten und die Armensteuer zahlen, so lasst sie ihres Weges
ziehen. Siehe, Allah ist verzeihend und barmherzig.
Sure 9, Vers 29:
Kämpfet wider jene von denen, welchen die Schrift gegeben ward, die
nicht glauben an Allah und an den Jüngsten Tag und nicht verwehren, was
Allah und sein Gesandter verwehrt haben, und nicht bekennen das
Bekenntnis der Wahrheit, bis sie den Tribut aus der Hand gedemütigt
entrichten.
So wie die
alttestamentarischen Verse, in welchen Jehowah den Israeliten befahl, ihre
benachbarten Stämme anzugreifen und abzuschlachten, haben diese
koranischen Verse ebenfalls einen historischen Kontext. Allah äußerte
diese Befehle (durch Mohammed) erst, nachdem sich die arabischen Stämme
endlich unter dem Banner des Islam vereint hatten und sich darauf
vorbereiteten, ihre christlichen und heidnischen Nachbarsstämme zu
überfallen. Aber anders als die kriegerischen Verse und Erzählungen des
alten Testamentes wurden in der Folge die so genannten “Verse des
Schwertes” bahnbrechend in der Beziehung des Islam zu den “Menschen der
Schrift” (z.B. den Christen und Juden) und den “Heiden” (z.B. Hindus,
Buddhisten, Animisten etc.).
Indem sie sich auf die
Verse des Schwertes (wie auch auf unzählige andere Verse im Koran und auf
Mohammed zurückgeführte mündliche Überlieferungen) stützten sind die
Schriftgelehrten des Islam, die Scheiche, Muftis, Imams und Qadis während
all den Jahrhunderten zum selben für die gesamte islamische Gemeinde
gültigen Resultat gekommen: dass sich der Islam in einem immerwährenden
Krieg mit der nicht islamischen Welt befindet bis letztere von ihm total
vereinnahmt sein wird. (Es ist allgemein bekannt, dass allein die Verse
des Schwertes gute 200 tolerante Verse abrogieren.) Der berühmte
islamische Schriftgelehrte und “Vater der modernen Geschichte” Ibn Khaldun
erklärt den Unterschied zwischen Jihad und defensiver Kriegsführung
folgendermaßen:
"In der islamischen
Gemeinde gilt der Heilige Krieg (Jihad) als religiöse Pflicht, weil die
Mission des Islam allumfassend gültig ist wie auch die Verpflichtung,
jedermann zum Islam zu bekehren; sei es durch Überzeugung oder mit Gewalt…
die anderen religiösen Gruppen hatten keine weltumspannende Mission,
und der heilige Krieg war jenseits von defensiver Kriegsführung keine
religiöse Pflicht für sie… Von ihnen wird lediglich verlangt, dass sie
ihre Religion innerhalb ihrer eigenen Glaubensgemeinschaft etablieren.
Dies ist der Grund, weshalb sich die israelitischen Nachfahren von Moses
und Joshua nicht um eine feudale Führungsautorität kümmerten (d.h.
“Kalifat”). Ihre einzige Sorge galt der Gründung ihrer Religion (und nicht
deren Verbreitung in anderen Ländern)... Aber der Islam ist
verpflichtet, auch in nicht islamischen Nationen an die Macht zu kommen.
(Muqaddima ("Die
Einleitung"), 1.Band, Seite 473; Hervorhebung vom Autor hinzugefügt)
Wenn die Verse des
Schwertes mit denen des Alten Testamentes verglichen werden, fällt auf,
dass erstere in einer Sprache daherkommen, welche Raum und Zeit
transzendiert, indem sie sowohl gestern als auch heute die Gläubigen
anstacheln, die Ungläubigen anzugreifen und abzuschlachten. Jehowah befahl
den Israeliten, die Hetiter, Amoriter, Kanaaniter, Perisiter, Hiwiter und
Jebusiter - alle spezifische Stämme einer
spezifischen Zeitperiode - auszurotten. Niemals jedoch gab Jehowah den
Israeliten und ihren Nachfahren den zeitlich und räumlich unbegrenzten
Befehl, Heiden zu bekämpfen und zu töten. Obwohl andererseits die
ursprünglichen Feinde des Islam - wie auch die der Israeliten -
geschichtlich festgelegt waren (z.B. die christlichen Byzantiner und
heidnischen Perser) erwähnt der Koran sie selten bei ihren richtigen
Namen. Stattdessen wurde (und wird) den Muslimen befohlen, die Menschen
des Buches zu bekämpfen, "bis sie den Tribut aus
der Hand gedemütigt entrichten" (9:29) und Heiden
abzuschlachten "wo ihr sie findet, und packet sie
und belagert sie und lauert ihnen in jedem Hinterhalt auf"
(9:5). Die zwei Konjunktionen “bis” und “wo” zeigen den
immerwährenden Charakter dieser Gebote auf: es gibt noch immer “Menschen
des Buches” welche nicht “gänzlich unterworfen” worden sind (v.a. In Nord-
und Südamerika, sowie in Israel) und “Heiden”, “wo immer ihr sie findet”
(speziell in Asien und in Afrika jenseits der Sahara).
Nebst den göttlichen
Worten des Korans sind Mohammeds Verhaltensmuster - seine “Sunnah” oder
“Beispiel” - eine äußerst wichtige Quelle für die islamische Gesetzgebung.
Muslime werden ermahnt, es Mohammed in allen Lebensbereichen gleich zu
tun:
Sure 33,Vers 21:
Wahrlich in dem Gesandten Allahs hattet ihr ein schönes Beispiel für
jeden, der auf Allah und den Jüngsten Tag hofft und oft Allahs gedenkt.
Und Mohammeds Verhalten
gegenüber Nichtmuslimen ist ziemlich deutlich. Osama bin Laden, welchem
laut einer neulichen Umfrage von al-Jazeera die Unterstützung der halben
islamisch-arabischen Welt zugute kommt, argumentiert in sarkastischer
Weise gegen das Konzept des “gemäßigten” Islam und beschreibt die Sunnah
des Propheten mit folgenden Worten: “Unser Prophet demonstrierte
“Mäßigung”, indem er nicht länger als drei Monate in Medina weilte, ohne
Raubzüge zu unternehmen oder seine Streitkräfte in das Gebiet der
Ungläubigen zu senden um ihre Festungen zu erobern und sich ihr Besitztum,
ihr Leben und ihre Frauen anzueignen” (Al-Qaeda Reader).
Tatsächlich ist das
Plündern und Berauben von Ungläubigen, das Versklaven ihrer Kinder und
Frauen sowohl im Koran als auch in Mohammeds Sunnah bestens belegt:
Sure 4, Vers 24:
Uns verwehrt sind euch verheiratete Frauen
ausser denen, die eure Rechte Besitzt (= Sklavinnen) …
Sure 4, Vers 92:
Ein Gläubiger darf keinen Gläubigen töten …
Sure 8, Vers 68:
Verheissen hat Allah den Heuchlern und Heuchlerinnen und den Ungläubigen
Dschahannams Feuer, ewig darinnen zu verweilen …
Sure 24, Vers 33:
… Und diejenigen von denen, die eure Rechte besitzt, und die ein
Schriftstück (Freilassungsurkunde) begehren - schreibt es ihnen, wenn
ihr Gutes in ihnen wisset, und gebt ihnen von Allahs Gut, das Er euch
gegeben. Und zwingt nicht eure Sklavinnen zur Hurerei, so sie keusch
leben wollen …
Sure 33, Vers 50:
O Prophet, Wir erlauben dir deine Gattinnen, denen du ihre Mitgift gabst
und die Sklavinnen die deine Rechte besitzt von dem, was dir Allah an
Beute gab, und die Töchter deines Oheims und deiner Tanten väterlicher
sowie die Töchter deines Oheims und deiner Tanten mütterlicherseits, die
mit dir auswanderten, und jedes gläubige Weib, wenn es sich dem
Propheten schenkt, so der Prophet sie zu heiraten begehrt; ein
besonderes Privileg für dich vor den Gläubigen.
etc.
Obwohl das Judentum
gesetzesorientiert ist und die Ausübung dieser Gesetze strikte einhält,
gibt es kein Äquivalent für die Sunnah. Die Worte und Taten der
Patriarchen wurden zwar im Alten Testament erwähnt, fanden jedoch nie
einen Platz in der jüdischen Gesetzgebung. Weder Abrahams „Notlügen“,
Jakobs Treulosigkeit, Moses’ Jähzorn, Davids Ehebruch noch Salomons
Liebesaffären wurden eingesetzt, um Juden oder Christen zu unterweisen.
Sie wurden lediglich als geschichtliche Handlungen verstanden, von
fehlbaren Männern begangen. Zudem wurden letztere oft für ihre nicht ganz
idealen Verhaltensweisen von Gott bestraft.
In Bezug auf das
Christentum wurde im Neuen Testament vieles von der alttestamentarischen
Gesetzgebung abrogiert. „Aug um Auge“ wurde mit „halte die andere Wange
hin“ ersetzt. Gott und seinen Nachbarn vollumfänglich zu lieben, wurde das
oberste Gesetz:
Matthäus 22, Vers 38:
Dies ist das höchste und größte Gebot. 39 Das andere aber ist dem
gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«
Außerdem wird Jesus’ „Sunnah“ (was würde Jesus tun?)
mit Passivität und Altruismus charakterisiert.
Von diesem Standpunkt aus kann man die Kreuzzüge am
besten einschätzen. Wie immer man auch diese Kriege interpretiert - ob
offensiv oder defensiv, gerecht oder ungerecht - eines wird deutlich
sichtbar: sie basieren nicht auf den Lehren des neuen Testamentes
oder Jesus’ Vorbild. Er ermahnte seine Jünger:
Matthäus 5, Vers 44:
Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch
verfolgen,
Die Kreuzzüge und nicht die Jihadisten widersprechen
ihrer Religion.
Tatsächlich sind die
Kreuzzüge weit davon entfernt, etwas Wahres über das Christentum
auszusagen. Ironischerweise helfen sie jedoch, den Islam besser zu
verstehen. Sie zeigen ein für allemal auf, dass unabhängig von religiösen
Lehren - oder im Falle der so genannten „christlichen“ Kreuzzügen - es
der Mensch ist, der für Gewalt und Intoleranz prädisponiert ist. Daher
drängt sich nun folgende Frage auf: wenn das so ist wie die Christen sich
verhalten haben - welche angehalten sind zu lieben, zu segnen und Gutes zu
tun gegenüber ihren Feinden, von welchen sie gehasst, verflucht und
verfolgt werden – wie viel mehr kann man von den Muslimen erwarten, welche
dieselben gewalttätigen Tendenzen aufweisen und denen ihre Gottheit zudem
befiehlt, Ungläubige anzugreifen, zu töten und auszurauben?
Dieser Artikel erschien am 6. März 2007 im „FrontPageMagazine“
Quelle:
http://www.frontpagemag.com/Articles/ReadArticle.asp?ID=27234