Ist der Islam schlimmer als andere
Religionen?
von Raymond Ibrahim,
erschienen am 6. März 2007 im „FrontPageMagazine“
(Quelle:
http://www.frontpagemag.com/Articles/ReadArticle.asp?ID=27234)
Seit den Terroranschlägen vom
11. September wird der Islam oft beschuldigt, systemimmanent gewalttätig
zu sein. Als Antwort darauf wurde eine ganze Anzahl von Rechtfertigungen
zur Verteidigung dieser Religion angeführt. Die grundsätzliche Prämisse
von fast allen ist, daß besagte Gewalt im Islam - so wie man sie in
islamischen Schriften und Geschichtsschreibung antrifft – nicht von
derjenigen Gewalt zu unterscheiden sei, welche von anderen religiösen
Gruppen in der Vergangenheit verübt, sowie in deren Schriften festgehalten
wurde. Diese Aussage bezieht sich jeweils insbesondere auf Juden und
Christen. Kurz gesagt geht die Beweisführung dahin, daß nicht der Islam
per se zur Gewalt neige, sondern daß es in der Natur des Menschen
überhaupt liege, gewalttätig zu sein.
Wenn also die Beweisführung
erbracht wird, daß sowohl der Koran als auch die niedergeschriebenen Worte
und Taten des Propheten und seiner Gefährten Gewalttätigkeit und
Intoleranz verbreiten, erscheint sofort folgendes Gegenargument:
Ja was ist den mit den
Greueltaten, welche vor Urzeiten von den Israeliten verübt und in deren
Schriften (Altes Testament) niedergelegt wurden? Und was hat es mit der
brutalen Gewaltperiode der Christen an sich, in welcher sie im Namen ihrer
Religion Gewalt nicht nur ihren Glaubensbrüdern sondern auch
Andersgläubigen gegenüber anwendeten?
Folgerichtig werden dann oft
zwei Beispiele - das eine aus der Bibel, das andere aus der
Geschichtsschreibung - von sowohl dem Judentum als auch dem Christentum
zugeschriebener religiöser Gewalt zitiert.
Das erste betrifft den einem
Völkermord nahe kommenden Eroberungsfeldzug der Israeliten gegen Kanaan
(ca. 1200 v. Chr.):
5. Mose, Kapitel 20, Vers
16: Aber in den Städten dieser Völker hier, die
dir der HERR, dein Gott, zum Erbe geben wird, sollst du nichts leben
lassen, was Odem hat, 17:
sondern sollst an ihnen den Bann vollstrecken, nämlich an den Hetitern,
Amoritern, Kanaanitern, Perisitern, Hiwitern und Jebusitern, wie dir der
HERR, dein Gott, geboten hat, 18:
damit sie euch nicht lehren, all die Greuel zu tun, die sie im Dienst
ihrer Götter treiben, und ihr euch so versündigt an dem HERRN, eurem Gott.
Josua, Kapitel 10, Vers
40: So schlug Josua das ganze Land auf dem
Gebirge und im Süden und im Hügelland und an den Abhängen mit allen seinen
Königen und ließ niemand übrig und vollstreckte den Bann an allem, was
Odem hatte, wie der HERR, der Gott Israels, geboten hatte.
Das zweite Beispiel handelt von
den Kreuzzügen, welche von den europäischen Christen zwischen dem 11. und
13. Jahrhundert initiiert wurden. In Tat und Wahrheit jedoch stellten
besagte Unternehmen einen Gegenangriff auf den Islam dar. Sie waren nicht
eine unprovozierte Offensive, so wie sie oft in der revisionistischen
Geschichtsschreibung geschildert werden. Das vereinte Christentum
versuchte, das heilige Land Jerusalems wieder zurückzuerobern, welches ja
vor der Vereinnahmung durch die Muslime im 7. Jahrhundert für rund vier
Jahrhunderte ein integrierter Bestandteil der Christenheit gewesen war.
Nichtsdestotrotz waren diese
Kreuzzüge gewalttätig, blutig und unzählige Greueltaten wurden verübt –
alle im Namen des Christentums und unter dem Banner des Kreuzes. Die
möglicherweise schrecklichste Schandtat dieser "Krieger für Jesus" war die
Plünderung von Konstantinopel im Jahre 1204, in welchem Christen einander
in einem gewalttätigen Blutbad abschlachteten.
Auf diese Weise betrachtet -
mit einem gewichtigen Beispiel von Gewalt aus der Bibel und einem anderen
aus der Geschichte des Christentums - muß man sich fragen, warum der Islam
diejenige Religion sein soll, welche als wahrhaft gewalttätig
charakterisiert wird, nur weil
sein
heiliges Buch und
seine Geschichte
Gewalt beinhalten. Warum zeigen Nicht-Muslime immer auf den Koran und die
alte Geschichtsschreibung um auf das Gewaltkonzept im Islam hinzuweisen
währenddem sie nie auf ihre eigenen Schriften und ihre eigene Geschichte
schauen?
Dieweil solche Fragen sehr
populär sind, zeigen sie doch eine große Verwirrung in der Unterscheidung
von Geschichte
und Theologie,
vom raumzeitlichen Handeln der Menschen und dem unveränderlichen Wort
Gottes auf. Der grundsätzliche Irrtum ist, daß die jüdisch-christliche
Geschichte - welche zweifelsohne Gewalt
beinhaltet
- mit Islamischer Theologie - welche Gewalt
gebietet
- gleichgesetzt wird. Natürlich hegen alle Religionen einen gewissen
Anteil an Gewalt und Intoleranz gegenüber dem andersgläubigen Mitmenschen.
Ob diese Gewalt nun von Gott befohlen wurde oder ob kriegsgesinnte
Menschen dies lediglich so wünschen, ist die eminent wichtige Frage.
Das Alte Testament erzählt ein
interessantes Fallbeispiel: Jehowah befahl den Israeliten ganz
offensichtlich, die Kanaaniter und andere umliegende Stämme zu vernichten.
Folglich ist eine solche Gewaltausübung wohl oder übel ein Ausdruck des
Willen Gottes. Wie dem auch sei, all die historischen Gewalttaten, welche
von den Israeliten verübt und im Alten Testament niedergeschrieben wurden
sind nichts anderes als Geschichte. Es geschah; Gott hatte es befohlen.
Aber es handelte sich um eine bestimmte Zeitperiode und einen umrissenen
geographischen Schauplatz und richtete sich gegen ein bestimmtes Volk
(oder Stamm). Solche Gewalttätigkeit wurde jedoch niemals standardisiert
oder zu jüdischem Gesetz kodifiziert (siehe: die Halakha). (http://www.danielpipes.org/7493/why-shariah-must-be-opposed)
Gerade das macht
Gewaltanwendung im Islam einzigartig. Obwohl ähnlich derjenigen im Alten
Testament - von Gott befohlen und in der Geschichte niedergelegt - wurden
gewisse Aspekte von islamischer Gewalt in der Gesetzgebung (der Scharia)
standardisiert und müssen
für alle Zeiten
angewendet werden. Trotzdem
also die im Koran anzutreffende Gewalt tatsächlich historisch verankert
ist, bleibt ihre letztendliche Bedeutung eine theologische. Man nehme
folgende Koranverse zur Kenntnis:
Sure 9, Vers 5:
Sind aber die heiligen Monate verflossen, so erschlaget die Götzendiener,
wo ihr sie findet, und packet sie und belagert sie und lauert ihnen in
jedem Hinterhalt auf. So sie jedoch bereuen und das Gebet verrichten und
die Armensteuer zahlen, so laßt sie ihres Weges ziehen. Siehe, Allah ist
verzeihend und barmherzig.
Sure 9, Vers 29: Kämpfet
wider jene von denen, welchen die Schrift gegeben ward, die nicht glauben
an Allah und an den Jüngsten Tag und nicht verwehren, was Allah und sein
Gesandter verwehrt haben, und nicht bekennen das Bekenntnis der Wahrheit,
bis sie den Tribut aus der Hand gedemütigt entrichten.
So wie die alttestamentarischen
Verse, in welchen Jehowah den Israeliten befahl, ihre benachbarten Stämme
anzugreifen und umzubringen, haben diese koranischen Verse ebenfalls einen
historischen Kontext. Allah äußerte diese Befehle (durch Mohammed) erst,
nachdem sich die arabischen Stämme endlich unter dem Banner des Islam
vereint hatten und sich in der Folge darauf vorbereiteten, ihre
christlichen und heidnischen Nachbarsstämme zu überfallen. Aber anders als
die kriegerischen Verse und Erzählungen des alten Testamentes wurden die
so genannten “Verse des Schwertes” bestimmend in der Beziehung des Islam
zu den “Menschen der Schrift” (z.B. den Christen und Juden) und den
“Heiden” (z.B. Hindus, Buddhisten, Animisten etc.).
Indem sie sich auf die Verse
des Schwertes (wie auch auf unzählige andere Koranverse und die auf
Mohammed zurückgeführten mündlichen Überlieferungen) stützten, sind
die Schriftgelehrten des Islam – die Scheiche, Muftis, Imame und Qadis
also – während all den Jahrhunderten zum selben für die gesamte islamische
Gemeinde allgemeingültigen Resultat gekommen: der Islam befindet sich
solange in einem immerwährenden Krieg mit der nicht islamischen Welt bis
diese von ihm total vereinnahmt sein wird. (Es ist weithin bekannt, daß
allein die Verse des Schwertes gute 200 tolerante Verse abrogieren, d.h.
für ungültig erkären.) Der berühmte islamische Schriftgelehrte und “Vater
der modernen Geschichte” Ibn Khaldun beschreibt den Unterschied zwischen
Jihad und defensiver Kriegsführung folgendermaßen:
„In der islamischen
Gemeinde ist der Heilige Krieg (Jihad) eine religiöse Pflicht, weil die
Mission des Islam allumfassend Geltung hat, wie auch die Verpflichtung,
jedermann zum Islam zu bekehren; sei es durch Überzeugung oder mit Gewalt
… Die anderen religiösen Gruppen hatten keine weltumspannende Mission, und
der Heilige Krieg war außer defensiver Kriegsführung keine religiöse
Pflicht für sie… Von ihnen wird lediglich verlangt, daß sie ihre Religion
innerhalb ihrer eigenen Glaubensgemeinschaft etablieren. Dies ist der
Grund, weshalb sich die israelitischen Nachfahren von Moses und Joshua
nicht um feudale Führungsautorität, sprich um ein „Kalifat“ bemühten. Ihre
einzige Sorge galt der Etablierung ihrer Religion (und nicht deren
Verbreitung in anderen Ländern) ... Der Islam jedoch ist verpflichtet,
auch in nicht islamischen Nationen an die Macht zu kommen.“
(Muqudimmah, "Die Einleitung",
1.Band, Seite 473; Hervorhebung vom Autor hinzugefügt)
Sogar wenn die Verse des
Schwertes mit denen des Alten Testamentes verglichen werden, zeichnen sich
erstere dadurch aus, daß sie in einer Sprache daherkommen, welche Raum und
Zeit überschreitet. So wie sie die Muslime in der Vergangenheit
anstachelten, so verleiten sie diese heute noch dazu, die Ungläubigen
anzugreifen und sie umzubringen. Jehowah befahl den Hebräern, den Hetiter,
Amoriter, Kanaaniter, Perisiter, Hiwiter und Jebusiter
– alle spezifische
Stämme einer spezifischen Zeitperiode – auszurotten. Niemals jedoch gab Er
ihnen und ihren Nachfahren unbefristeten Befehl,
Heiden
zu bekämpfen und zu töten. Andererseits erwähnt der Koran die
ursprünglichen Feinde des Islam – welche wie die der Israeliten
geschichtlich festgelegt waren (z.B. die christlichen Byzantiner und
heidnischen Perser) – selten mit ihren richtigen Namen. Statt dessen wurde
(und wird) den Muslimen befohlen, die Menschen des Buches zu bekämpfen,
"bis sie den Tribut
aus der Hand gedemütigt entrichten"
(9:29) Und:
"... so erschlaget die Götzendiener, wo ihr sie findet, ...“
(9:5)
Die zwei Konjunktionen “bis”
und “wo” zeigen den fortwährenden Charakter dieser Gebote auf: es gibt
noch immer “Menschen des Buches” welche bisher nicht “gänzlich
unterworfen” worden sind (vor allem in Nord- und Südamerika, sowie in
Israel) und “Heiden”, die umgebracht werden müssen “wo immer“ man
hinschaut (speziell in Asien und in Afrika jenseits der Sahara).
Nebst den göttlichen Worten des
Korans sind Mohammeds Verhaltensmuster – seine “Sunnah” oder “Beispiel” –
eine äußerst wichtige Quelle für die islamische Gesetzgebung. Muslime
werden ermahnt, es Mohammed in allen Lebensbereichen gleich zu tun:
Sure 33, Vers 21:
Wahrlich in dem Gesandten Allahs hattet ihr ein schönes Beispiel für
jeden, der auf Allah und den Jüngsten Tag hofft und oft Allahs gedenkt.
Mohammeds Verhalten gegenüber
Nichtmuslimen ist ziemlich deutlich. Osama bin Laden, welchem laut einer
neueren Umfrage von al-Jazeera die Unterstützung der halben
islamisch-arabischen Welt zugute kommt, argumentiert in sarkastischer
Weise gegen das Konzept des “gemäßigten” Islam und beschreibt die Sunnah
des Propheten mit den folgenden Worten: “Unser Prophet demonstrierte
“Mäßigung”, indem er nicht länger als drei Monate in Medina weilte, ohne
Raubzüge zu unternehmen oder seine Streitkräfte in das Gebiet der
Ungläubigen zu treiben um ihre Festungen zu erobern und sich ihr
Besitztum, ihr Leben und ihre Frauen anzueignen” (Al-Qaeda
Reader).
Tatsächlich ist das Plündern
und Ausrauben von Ungläubigen, das Versklaven ihrer Kinder und Frauen
sowohl im Koran als auch in Mohammeds Sunnah bestens belegt:
Sure 4, Vers 24:
Uns verwehrt sind euch verheiratete Frauen außer
denen, die eure Rechte besitzt (Sklavinnen). ...
Sure 4, Vers 92: Ein
Gläubiger darf keinen Gläubigen töten, ...
Sure 8, Vers 69: So esset
von dem, was ihr erbeutetet, ...
Sure 24, Vers 33: … Und
diejenigen von denen, die eure Rechte besitzt, und die ein Schriftstück
(Freilassungsurkunde) begehren - schreibt es ihnen, wenn ihr Gutes in
ihnen wisset, und gebt ihnen von Allahs Gut, das Er euch gegeben. Und
zwingt nicht eure Sklavinnen zur Hurerei, so sie keusch leben wollen, ...
Sure 33, Vers 50: O Prophet,
Wir erlauben dir deine Gattinnen, denen du ihre Mitgift gabst und (die
Sklavinnen,) die deine Rechte besitzt von dem, was dir Allah an Beute gab,
und die Töchter deines Oheims und deiner Tanten väterlicherseits sowie die
Töchter deines Oheims und deiner Tanten mütterlicherseits, die mit dir
auswanderten, und jedes gläubige Weib, wenn es sich dem Propheten schenkt,
so der Prophet sie zu heiraten begehrt: ein besonderes Privileg für dich
vor den Gläubigen.
etc.
Obwohl das Judentum
gesetzesorientiert ist und die Ausübung dieser Gesetze strikte einhält,
gibt es kein Äquivalent für die Sunnah. Die Worte und Taten der
Patriarchen wurden zwar im Alten Testament erwähnt, fanden jedoch nie
einen Platz in der jüdischen Gesetzgebung. Weder Abrahams „Notlügen“,
Jakobs Treulosigkeit, Moses’ Jähzorn, Davids Ehebruch noch Salomons
Liebesaffären wurden verwendet, Juden oder Christen zu unterweisen. Sie
wurden lediglich als geschichtliche Handlungen verstanden, von fehlbaren
Männern begangen. Zudem wurden diese oft für ihre alles andere als idealen
Verhaltensweisen von Gott bestraft.
Was das Christentum angeht, so
wurde im Neuen Testament vieles von der alttestamentarischen Gesetzgebung
abrogiert., d.h. für ungültig erklärt. „Aug um
Auge“ wurde mit
„halte die andere Wange hin“
ersetzt. Gott und den Nachbarn vollumfänglich zu lieben, wurde zum
obersten Gesetz:
Matthäus 22, Vers 38:
Dies ist das höchste und größte Gebot. 39:
Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich
selbst.«
Außerdem zeichnet sich Jesus’
„Sunnah“ (was würde Jesus tun?) durch Passivität und Altruismus aus.
Von diesem Standpunkt aus kann
man die Kreuzzüge am besten betrachten. Wie immer man auch diese Kriege
interpretiert – ob offensiv oder defensiv, gerecht oder ungerecht – eines
wird deutlich sichtbar: sie basieren
nicht
auf den Lehren des neuen Testamentes oder dem Vorbild Jesu. Er ermahnte
seine Jünger:
Matthäus 5, Vers 44:
Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch
verfolgen,
Die Kreuzritter, nicht die
Jihadis widersprechen ihrer Religion.
Tatsächlich sind die Kreuzzüge
weit davon entfernt, etwas Wesentliches über das Christentum auszusagen.
Ironischerweise helfen sie jedoch, den Islam besser zu verstehen. Sie
zeigen ein für allemal auf, daß unabhängig von religiösen Lehren – oder im
Falle der sogenannten „christlichen“ Kreuzzügen trotz der Religion – es
der Mensch ist, der für Gewalt und Intoleranz prädisponiert ist. Daher
drängt sich folgende Frage auf: Wenn die Christen, welche angehalten sind
zu lieben, zu segnen und ihren Feinden (von welchen sie gehaßt, verflucht
und verfolgt werden) Gutes zu erweisen, sich so (übel) verhalten haben –
wie viel (übleres) muß man wohl von den Muslimen erwarten, welche zwar
dieselben gewalttätigen Tendenzen aufweisen, denen aber Allah zudem
befiehlt, Ungläubige anzugreifen, zu töten und auszurauben?
Koranverse sind aus: „Der
Koran“, vom Arabischen übersetzt von Max Henning, Philipp Reclam jun.,
Stuttgart
Bibelzitate sind aus der
Lutherbibel:
www.dbg.de