Al-Qaradhawi äußert
sich an einer schwedischen Islamkonferenz zu Gunsten von
Selbstmordattentaten
MEMRI Special Dispatch Series Nr. 542 /
24. Juli 2003
Während der ersten Juliwoche des Jahres
2003 kamen Mitglieder des Europarates für Fatwa und Forschung in
Stockholm für ihre 11. Sitzung zusammen. Dieses Beratungsgremium wurde
1997 in England ins Leben gerufen und besteht hauptsächlich aus
islamischen Schriftgelehrten aus der arabischen Welt. Der Präsident ist
Scheich Yousef Al-Qaradhawi, einer der einflußreichsten Geistlichen
sowohl innerhalb des sunnitischen Islam als auch unter islamistischen
Gruppierungen und Organisationen. Man kommt alle paar Monate in einer
europäischen Stadt zusammen um zu diskutieren und um Fatwas zu erlassen
auf Grund von Fragen welche von der muslimischen Gemeinde im Westen
aufgeworfen werden. Während einem früheren Treffen in Dublin im Januar
2003 war man sich in Bezug auf Selbstmord Attentäter uneins. So
beschlossen die Mitglieder, die Sache zu studieren und wiederum – im Juli
– zur Diskussion zu stellen. Obwohl die Konferenz in Stockholm den Titel:
„ Jihad und das Abstreiten jeglicher Verbindung zu Terror“ trug,
beschränkten sich die fünf Berichte, welche herausgegeben wurden darauf,
das Wort „Terror“ zu definieren. Die arabische Tageszeitung Al-Sharq
Al-Awsat welche in London erscheint, berichtete in seiner Ausgabe vom
19. Juli 2003 in bemühender Weise von Al-Qaradhawis Nachforschungen.
„Terror“ gemäß folgenden Kategorien klassifiziert:
Folgende Ausführungen sind Auszüge aus
dem Bericht des Europarates für Forschung und Fatwa:
Märtyrer Operationen
Die Märtyrer Operationen welche von den
palästinensischen Splittergruppen gegen die zionistischen Besetzer
durchgeführt werden, zählen in keiner Weise zum verbotenen Terrorismus
auch wenn Zivilisten zu den Opfern gehören.
Dies aus verschiedenen Gründen:
Erstens:
Israel hat wegen seiner kolonialistischen, Fremdterritorien besetzenden,
rassistischen und plündernden Natur den Charakter einer militärischen
Gesellschaft. Ob Mann oder Frau, jedermann wird sobald er/sie dem
Kindesalter entwachsen ist, in die israelische Armee rekrutiert. Jeder
Israeli ist ein Soldat; entweder als Aktivmitglied oder als
Reservebesatzung. Letztere können jederzeit zum Kriegsdienst aufgerufen
werden. Diese Tatsache braucht nicht bewiesen zu werden. Diejenigen,
welche „Zivilisten“ genannt werden sind in Tat und Wahrheit „Soldaten“ in
der Armee der Söhne Zions.
Zweitens:
die israelische Gesellschaft hat einen einzigartigen Charakterzug welcher
sie von allen anderen menschlichen Gesellschaften unterscheidet. Was die
Menschen von Palästina betrifft so sind die Israelis „Invasoren“; sie
kamen von außen – von Russland, Amerika, Europa oder aus dem Orient – um
Palästina zu besetzen und zu besiedeln...
Diejenigen welche überfallen werden haben
das Recht, gegen die Invasoren mit allen ihnen zur Verfügung stehenden
Mitteln zu kämpfen, sie aus ihren Häusern zu werfen und sie dahin
zurückzujagen von wo sie gekommen sind. ... Dies ist Jihad aus
Notwendigkeit, wie es die Schriftgelehrten nennen und nicht aus
Freiwilligkeit... Auch wenn ein unschuldiges Kind als Resultat dieses
Jihads getötet wird, ist das nicht beabsichtigt und hat mit der
Notwendigkeit dieses Krieges zu tun ... Nach all dieser langen Zeit haben
diese israelischen so genannten „Zivilisten“ noch nicht aufgehört,
Invasoren, üble Tyrannen und Unterdrücker zu sein ...
Drittens:
... das islamische Gesetz bestimmt, daß das Gut und Blut der Bewohner von
Dar Al-Harb – dem Gebiet des Unglaubens, auf welchem die Schlacht um die
islamische Weltherrschaft stattfinden sollte – nicht geschützt ist ...
Weil sie gegen die Muslime kämpfen und ihnen feindlich gesinnt sind, wurde
ihnen dieses Schutzversprechen gestrichen.
Viertens:
die meisten der muslimischen Schriftgelehrten sind in Übereinkunft
darüber, daß es erlaubt ist, Muslime zu töten, wenn diese gezwungen werden
als menschliche Barrikaden oder Schutzschilder zu dienen hinter denen sich
die Angreifer verstecken. ... Sonst würden ja die Invasoren in unser
Gebiet einfallen und unseren Nachwuchs sowie die Ernte vernichten. Es gibt
keine andere Wahl als einige Muslime zu opfern um die gesamte muslimische
Gemeinde zu verteidigen. ... Wenn es also in Ordnung ist, unschuldige
Muslime welche sich in einer Zwangslage befinden zu töten um die größere
muslimische Gemeinschaft zu schützen, so ist es erst recht in Ordnung,
Nicht-Muslime umzubringen, um das Gebiet des Islam von seinen Besetzern
und Unterdrückern zu befreien.
Fünftens:
In moderner Kriegsführung muß die gesamte Gesellschaft mit all ihren
Klassen und ethnischen Gruppen mobilisiert werden um sich am Krieg zu
beteiligen, damit seine Fortdauer und der eventuelle Sieg mit dem
„Brennstoff“ an Gut und Blut gewährleistet ist. Jeder Bürger der
Gesellschaft muß aus eigener Initiative heraus etwas für die Schlacht
beisteuern. Der gesamte Haushalt sowie Arbeitnehmer, Taglöhner und
Industrielle müssen sich hinter die kämpfende Armee stellen auch wenn sie
keine Waffen tragen. Darum sagen die Experten, daß die zionistische
Gesellschaft in Tat und Wahrheit eine einzige Armee ist.
Sechstens:
Es gibt zwei Arten von Fatwas. Es gibt solche welche sich auf eine ruhige
Situation der Wahl beziehen und andere, welche die stressige Situation
einer Notlage adressieren. Wenn ein Muslim sich in einer äußersten Notlage
befindet ist es ihm erlaubt, etwas zu tun, was normalerweise verboten ist.
... Also machte einer unserer Schriftgelehrten folgende Regel:
’Verbote können aus dringender
Notwendigkeit aufgehoben werden.
Unsere palästinensischen Brüder sind
zweifelsohne in einer solchen Notlage und deswegen führen sie Märtyrer
Operationen durch. Sie wollen damit ihre Feinde und die Plünderer in ihrem
eigenen Land verunsichern, ihnen Schrecken in ihre Herzen werfen damit sie
wegziehen und dorthin zurückziehen von wo sie hergekommen sind. ...
Was für eine Waffe außer menschlichen
Bomben kann dem Feind schaden und verhindern, daß er nachts schläft und
ihn seiner Sicherheit und Stabilität berauben? Ein junger Mann oder eine
junge Frau, welche sich inmitten ihres Feindes in die Luft sprengen. Dies
sind Waffen, die für der Feind nicht zur Hand hat, auch wenn die USA ihm
Milliarden von Dollars und das mächtigste Arsenal zuhalten. Diese
einzigartige Menschenwaffe hat Allah ausschließlich in die Hände Seiner
Gläubigen gegeben. Es ist eine Art göttliche Gerechtigkeit auf dem
Angesicht dieser Erde. ... Es ist die Waffe der Elenden und Schwachen
gegen den mächtigen Tyrannen...
Diejenigen welche sich gegen diese
Märtyrer Operationen stellen und behaupten, daß dies Selbstmorde seien,
machen einen groben Fehler.
Die Ziele eines Selbstmörders und
diejenigen eines Märtyrers sind verschieden. Jedermann, der die Seelen
dieser zwei Typen untersucht, wird große Unterschiede feststellen. Der
Selbstmörder tötet sich seiner selbst wegen, weil er beruflich, in der
Liebe oder in einer Prüfung versagt hat. Er war zu schwach, mit der
Situation fertig zu werden und beschloß in den Tod zu flüchten.
Im Gegensatz dazu denkt der Märtyrer
nicht an sich selbst. Er opfert sich für ein höheres Ziel für welches
jegliche Opfer bedeutungslos werden. Er verkauft sein Leben an Allah um
einen Platz im Paradies dafür einzutauschen. Allah sagte:
Sure 4, Vers 74: Und so soll kämpfen
in Allahs Weg, wer das irdische Leben verkauft für das Jenseits. Und wer
da kämpft in Allahs Weg, falle er oder siege er, wahrlich dem geben wir
gewaltigen Lohn.
Während der Selbstmörder im Rückzug und
auf der Flucht sein Leben läßt, stirbt der Märtyrer im Angriff und in der
Offensive. Im Gegensatz zum Selbstmörder, welcher kein Ziel hat außer der
Flucht vor der Konfrontation, besitzt der Märtyrer eine klare Zielsetzung,
nämlich Allah zu gefallen ...
Quelle:
http://memri.org/bin/articles.cgi?Page=archives&Area=sd&ID=SP54203